Bund Deutscher Kunsterzieher [Editor]
Kunst und Jugend — N.F. 18.1938

Page: 227
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mcnhänge sind heute so komplizicrt geworden, daß der
Iugendliche crkenntnismäßig kaum noch die tlcberzeugung
der-Notwendigkeit ;u gewinnen vcrmag und es srch daher
meist nur darum handelt, ob es freudig oder lustlos am
wcrke ist.

Dieser Latsachen und dec stch daraus ergebendcn Schwie-
rigkciten muß sich jeder Runsterzieher bewußt sein, wenn
cr das gestaltende ^andwerk und die Volkskunst in seine
Erziehungsarbeit mit hineinnimmt.

Es ist mit der Volkskunst wie mit den Runsttheorien und
Ulcthoden: man bedient sich ihrer um so richtiger, je weni-
ger sie im werke sichtbar werden. wcmi wir von der
Volkskunst lernen,

1-die dcutsche Iugend so zu sühren, daß sie von den
werten unseres heutigen Lebens ebenso angesprochen
wird, wie die Menschcn, die sie schufen, von den ihren,
r. die Aufträge vom Lcben entgegenzunchmen, d. h. nur
gestalten ;u lasscn, was Lebenswert besitzt und ins Lcben
cinzugehen vcrmag und

;. vom Rinde nur das — aber das gan; — ;u sordern,
was cs nach der wachstumslage seiner Bildckräste geben
kann, so hat sic ihrc Ausgabe in der Schule erfullt.

Darüber hinaus müffen wir aus dcm Gciste unsercr Zcit
und aus unsercm Lcben heraus unseren weg ;u findcn
suchen.

Unscre Lebensweise und unser LebensgefUhl, die wcrt-
maßstäbe unscrer Iugend und ihre Ideale sind andere, als
wir sie im volkskünstlerischen Schaffen unserer Ahnen fin-
dcn. Und wenn wir wirklich ;u einer wiedergeburt dcs
Aünstlerischen aus dem Volke kommen wollen, dann müs-
sen wir diesen Gegebenhcitcn 2lchtung zollen und Achtung
vcrschäffen; müffen den Gcist, der uns aus ihr cntgegcn-
strömt, als unverfälschten und unveräußerlichen Desitz
deutschen Ahnenerbes aufs neue in unserer Iugend lcben-
dig werden und ihn Form gewinnen lassen an
dem, was ihr Inneres heute fühlt, was sic
sosehr bewegt, daßsie es mit Freuden und
unter tiefstcr 2lntcilnahmc ;u gestalten
bereit i s t. — Dun wir es, so werden wir cndlich dcn
weg beschritten haben, der von einem Zeichcnunterricht
als lästig empfundenes 2lnhängsel und notwendiges Ucbcl
dcr alten Schule schnurstracks hinführt ;u einer Runst-
cr; iehung a l s 'n o t w e n d i g c s S t ü ck im Gesamt-
crziehungswerk an der deutschen Iugend des Dritten
Rciches.

Gtofftiere als weihnachtsgeschenke und WHW.-Gaben

Das Anfertigcn von Ticren in Papier und Stoff odcr
Papier und Bast scheint mir für Mädchen dcr Frauenobcr-
schule cine sehr dankbare 2lufgabe. Sie inüffen dabei gc-
staltcn, können sich geschmacklich bctätigen und haben zum
Schluß eine Arbcit fertig, mit dcr sie viel Freude bcrcitcn
könncn. — Nachdcm ich an vier verschiedcnen Tiercn dic
Schwicrigkcitcn bci der .zerstcllung sclbst ausprobiert
hatte, bcgann dic Arbcit mit dcn Schülerinncn.

Ach licß mcinc Ulädcls crst das Licr, das sie gcstaltcn
irolltcn, in charaktcristischcr cinfachster wcisc zcichncn.

Aus trockencm Zcitungspapier, das dcn Vorzug der Lcich-
tigkeit hat, kneteten nun die Schülerinnen die grobe Form
und schnürten sie zusammen. Langc und schwere ^älsc und
Beine, wie beim Ramel, waren mühsam und mußtcn einc
kräftigc Stütze bekommcn, bei dcr zicrlichen Giraffe gc-
nügte cin Drahtgestell unter der Papicrpackung. 2lus
solchc weise wurde dic grobe Form fertiggestcllt. Nun
ivurde das Tier stückwcise mit dcrbcm Stoff prall und fcst
übcrzogen; bci charaktcristischcn Einzclhcitcn, wic dcm <Zök-
kcr dcs Ramcls, war cin zwcitcs Stück Stoff darübcr not-
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