Bund Deutscher Kunsterzieher [Editor]
Kunst und Jugend — N.F. 18.1938

Page: 96
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§6

Tafcl II, Nr. ü: In dcm Bauglicd sind die gekreuzten
Gebälkteile;u dem schon erwähnten Malkreu; X und ;ur
Raute H seformt. Die Raute bedeutet das „gefurchte
Ackerbeet dcr Mutter Erde". Dieses Fachwerkstück ist ein
beliebtes Schmückglied Uber dcr großen Tür unserec nie-
dersächsischen Bauerichäuser. Hie und da wird es auch
„Bauerntan;" genannt. Diese Bauform veranschaulicht

nuc ein Beispiel davon, wie auch im Fachwcrkgefügc nic-
dersächsischer ,Zäuser in Dorf und Stadt Symboldcnkcn
Aüsdruck gefunden hat. — Dcn rcichsten Schatz solcher
Rult- und Heils;eichen enthält der Giebelschmuck unserer
heimischen Bauernhäuser, doch ist es durch die FUlle dcs
Stoffes geboten, auf die entsprechende Ergän;ung im
Rahmen dieses Berichtes ;u ver;ichten.

Das Runstbuch der demschen Gchule

Von Heinrich Semm-Grimma

Nlag auch die Schule noch soviel schönes Anschauungs leistet ist. Damit werden Gedanken berührt, die heute auf

material ;ur Verfügung stellen, in die Hand des SchUlers
gchört cin Buch, das vor ihm den Reichtum deut-
schcn Runstschaffens in den für den Unterricht
charakteristischen Beispielen ausbreitet, ein Buch, das
durch Dild und wort ;u erklären und ;u begeistern sucht
und das eine unentbehrliche Hilfe nicht nur für das Fach,
sondern auch für den Gesamtunterricht sein will: das
RunstbuchderdeutschenSchule.

Von dieser Einstellung her hat sich die Arbeitsgemein-
schaft für Runster;iehung an den höheren Schulen Leip-
;igs leiten laffen und hat sich durch vier Abende hindurch
mit den Fragen beschäftigt, die aus der Erfahrung des
Unterrichtes heraus dem plan eines Runstbuches ;ur Ver-
wirklichung verhelfen könnten. An der Hand eines chrono-
logischen Ganges (Ur- und großgermanische Zeit, Romanik,
Gotik, Renaiffance, Barock und Rokoko, 10. und ro. Iahr-
hundert) wurde ;unächst einmal ein Ueberblick über die
Stoffmöglichkeiten nach der Seite der Stilkunst und der
angewandten Runst gegeben. Die Stoffülle, der eine ebenso
reiche Literaturangabe ;ur Seite steht, hat ;um Schluß
;u der Erkenntnis geführt, daß jedes Gebiet einer beson-
dcren Betrachtung unter;ogen werden müßte. Dabei käme
es vor allem darauf an, ;unächst einmal die gestaltenden
Rräfte heraus;ustellen und im Anschluß hieran dasjenige
Dildmaterial aus;uwählen, das kunstpädagogisch wertvoll
ist. wenn hier;u noch ein gut gewählter, knapp bemeffener
Text tritt, dann wäre damit ein Fundament geschaffen,
auf dem ;usammen mit der cigenen Arbeit ein Unterricht
sich aufbauen kann, bei dem Anschauen, Verstehen und
Rönnen ;u einer Einheit verschmil;t.

was die Lebensfähigkeit des Buches betrifft, so ist es
heute sicher nicht mehr notwendig, auch noch nach außer-
schulischen Absatzmüglichkeiten ;u suchen. Es muß vor
allem ein Buch der deutschen Schule werden, wo-
bei das Gren;land- und Auslanddeutschtum starke Berück-
sichtigung findet. Um die Fülle des Stoffes ;u meistern,
wird sich cin Rernbuch von grundlegcndcr Bedeutung
nütig machen. Daneben werden aber Landschaftsgebiete mit
ausgesprochenem Eigenleben jeweils ein Mantelbuch
anfügen. Der Austausch dieser Mantelbücher würde von
gan; besonders cr;iehlichem werte sein, weil hier charak-
tcrvolle Bodenständigkeit gc;eigt wird und so das gegen-
scitige Rennen- und Verstehenlernen am besten gewähr-

breiterer Grundlage sich vielerorts unter dem Titel„Hei-
matbuch, Heimatatlas" durch;usetzen beginncn. Ein gan;
groß angelegtes, alle Rulturäußerungen erfassendes Unter-
nehmen dieser Art sehen wir im „Heimatwerk Sachsen".

FUr das Zustandekommen und Aussehen des Runstbuches
wird ein sehr wichtiges wort die Dreiheit Volksschule,
höhere Schule und Berufsschule (einschließlich berufsbil-
dende Schule) sprechen. Das eigenartige Gepräge dieser
drei Schularten kann und soll ;um Vorteil des Buches
in Erscheinung treten. Die Volksschule mit ihrer mehr
dem Volkskundlichen ;uneigenden Art des Runstunterrich-
tes wird auch die Volkskunst als Teil der angewandten
Runst brauchen und bearbeiten. Die höhere Schule mit
ihrem reiferen Schiilermaterial wird ihrer Eigenart ent-
sprechend die Stilkunst Ubernehmen, und die Berufsschule
mit ihrer auf das praktische gerichteten Arbeit wird das
Runsthandwerk als den anderen Teil der angewandtcn
Runst behandeln. So arbeitet jede der drei Gruppen wohl
für sich, aber damit doch für die anderen gleich;eitig mit.
Ein werk von eigenartiger prägung wäre das Resultat
einer Gemeinschaftsarbeit. Der Gemeinschaftsgeist des
Nationalso;ialismus drängt auch hier da;u.

Anmerkung der Schriftleitung: Amtsgenoffe Semm
konnte bereits in Heft ir/iorö auf die Vlotwcndigkeit
dieses „Runstbuches" der deutschen Schule" hinweisen. So
bedeutungsvoll und an erster Stelle wichtig immer die Er-
schließung der Griginale im Heimatraum jeder Schule ist,
so wichtig dann das Vorhandensein originalgetreuer wic-
dergaben ist, so notwendig bleibt indes die von Semm
nochmals ge;eigte Aufgabe, ein „Runstbuch" für die Hand
möglichst jeden Schülers ;u schaffen. Es ist immer wieder
erschreckend, feststellen ;u müffen, daß trotz des mannigfach
vorhandenen Runstschrifttums, das „Hausbuch" ;u sein
verdiente (ich denke nur an die „Blaucn BUcher"), noch
nicht einer von ;ehn Schülern über irgendein Runstbuch
verfügt. Hier licgt, ein Mangel vor, der abgestcllt werden
m u ß. wenn man bedenkt, daß die Ausgabe, die Hans
Schemm noch veranlaffen konnte: „Dcutsches Volk —
Deutsche Heimat" mit ;5o photos ;u r,5o RM. hergestellt
und wcit verbreitet werden konnte, dann muß es möglich
scin, das vorgcschlagcne Rernbuch mit einer bcsten 2luslese
deutschen Runst-Guts auch als wirkliches Schülcrbuch her-
aus;ubringen!

Unsere Wechselrahmen

Von Fritz Walter-Riel

FUr die nationalso;ialistischen Rampf;eitungen „Das
schwar;e Rorps" und „Der SA.-Mann" habcn sich Stu-
dcntcn unserer Hochschule Aushängerahmen hergestellt, die
als gutc llösung solchcr Aufgabe angesehen werden künncn.

Eine große s-mm-Sperrhol;platte wurde so groß ;u-
geschnittcn, daß darauf 4 Doppelscitcn ncbeneinander platz
haben und ;udem darüber ein Streifcn für ein Schrift-
band blieb. Um dic an den Rändcrn von hinten mit einer
: mal 5,4 e»i starken Leiste (b) vcrsteiftcn Spcrrhol;plattc

(a) wurde einc gleichstarke Leistc (c) als Rahmcn gcleimt
und verschraubt (0), sodaß gewisscrmaßcn cin flachcr
Rastcn <A) cntstand. Die Spcrrhol;platte lag somit r,ö c>n
ticf im Leistenrahmen (5,4 cm — r,o-b o,s cm). Danach
ivurdcn in den Rasten aus die Spcrrplattc r,ö mal r,o
starkc Lcisten (m) gcleimt und von hinten mit Schraubcn
angc;ogcn, wodurch für dic Zcitungen und das Schrift-
band die in dcr Zeichnung ersichtlichen Fächcr entstanden.
Zum Aufhängen der Zcitungen befindcn sich obcn in je-
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