Bund Deutscher Kunsterzieher [Editor]
Kunst und Jugend — N.F. 18.1938

Page: 72
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunst_jugend1938/0080
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
?r

Einige Grundregeln zum Rahmen und Hangen

1. Ob bei Schiilerarbeiten oder Bilddrucken — immer
wieder kann man die ruinöse Gewohnheit beobachten, daß
die Blättec an den vier Ecken festgeklebt werden. Entwcdcr
cxehen also später die Bildecken drauf oder die Unterlagen.
Beides ist ärgerlich.

Erstes Gebot: befestige Bilder stets mit einem Rlebe-
sal; an der Gberkante entlang. Hierbei gibts um-
ständliche und cinsache Verfahren. Das einfachste ist in i
und gezeigt. Hat man das Bildblatt auf der Unterlagc
richtig hingelegt (stets muß b größer als s sein!), markiert
man die beiden oberen Eckpunkte mit schwachen Bleistrichen,
schlägt dann das Bild an der Vberkante nach oben zuriick,
hält es so fest, klebt einen Rlebestreifen (100 m-Rolle ;u ;o
bis 70 pfg. je nach Brcite; meist gcnügt das übliche braune
Papier, das „wie Gift" klebt) der ganzen Länge nach drüber
— halb Bild, halb Grund — und kippt das Bild zurück. In
gcnau derselben Art kann man mit Sicherheit an irgend
ciner Schauwand (etwa auf Packpapier) jcdcs Bild richtig
hinbekommen. Sollte es „wehen", dann kann man an den
beiden unteren Ecken noch kleinste „Bricfmarkenfalze" ein-
schieben. Ein derart „festgelegtes" Lild ist im Augenblick
mit eincm Mefferrutsch (am Fal; entlang: )b) wieder ab-
schneidbar ohne jede Beschädigung.

VUcht sclten täuscht das Augenmaß, wenn man ein Bild
genau „auf Mitte" legen will. Da gibt es ein crprobtes
Hilssmittcl: den Seitenrandmaßstab. Auf eincm Pappstrei-
fen sind jenseits einer lceren Mitte;wei glciche Skalen von
inncn nach außen abgetragen (im üblichen Ausmaß von
Bildcrn und Gründen). Lcge ich dies Lineal — rechts obcn —
nun an (;. B. beim Vorgang des Ausrichtens: 1) dann sind
die Seitenstreifen von Bild ;u Grundrand stets richtig,
wenn sie auf die gleichen Maße dcs Lincals fallen odcr da-
hin geschobcn wcrdcn.

:. Ein Passepartout oder eine Ruliffe für cin Bild ;u
schnciden, ist eine öftere, notwendige Arbcit. Man legt das
Bild wie bei 1 auf den Grund (Rückseite des Rulissen-
kartons), richtct cs aus und dcckt ab, was untcr dem Rar-
tonrand verschwinden kann; ;. B. mit Pappstreifen. Zieht
die neuen Innengren;en mit Blei durch, d. h. die Vcrlänge-
rungen, und hat nun cinen sichcren Anhalt, um am Eiscn-
lincal mit der Rasicrklinge das „Fenster" aus;uschnciden
(nennen wir doch endlich das „Paffcpartout" beffer: Bild-
fenster). Dann wird der Fensterkarton mit cincm Rlcbe
strcifcn dcr Länge nach obcn cntlang mit dcm Grund-
karton verbundcn. Zuletzt das Bild ins Fenster gelegt,
ausgcrichtct, fcstgehaltcn, Fcnstcrkarton ;urückgeschlagei,
und geklcbt wie bci 1. Das gan;e Ergcbnis: ra!

Auf diesc „;ünftige )Veise erspart man sich vicl Acrger
— und unschöne wirkungcn, hat überdics eincn vcrläß-
lichcn Schutz für wertvollc Blätter.

Das R a h m e n k a p i t e l ist ein Schmer;enskind für
sich. wer einmal in einer großen Anstalt Generalsichtung
gcmacht hat, um ;um erstenmal alle Rahmen ;u inven-
tarisieren (nachdem vorher Bilder als „Möbel" liefen:
3) cin Bücherbrett, b) ein höl;ernes Dreieck, c) ein Spuck-
napf, cl) ein Bild im Rahmen — das n 0 ch heute die üb-
lichste Formü) kann einigen Ratzenjammer erleben. was
für unmögliche Rahmen finden sich da beisammen, vielc
hosfnungslose Fälle, andre nur als Rohhol; verwcrtbar,
das erst ncu geschnitten werden will!

Ach will von den Beispielen 6 und 63 ausgehen. d: so
sehen die mcisten Schulflure aus. S3: so läßt sich eine ver-
nünftige Schauwand schaffen, da ja nicht alle wände mit
Rleidcrn besetzt sein wcrden. was ist geschehen? Eine
Gruppe glcicher Rahmen hängt dicht beieinander. Selbst-
vcrständlich als w c ch s c l rahmen hergerichtet. Und in
Augenhöhe faßbar. -

3 ;eigt, wie man mit wechselrahmcnklammern verfährt.
Sie sind als federnde Stahl;ungen in verschiedenen Gcößen
käuflich und brauchen nur verteilt und angeschraubt ;u
wcrden. Damit die Rlammern nicht an der wand Rratzer
machen, empfiehlt sich die Anbringung von Eckdreiecken am
Rahmen. Auch schraube man sofort ;wei Bilderösen aü,
je eine lang, eine quer, damit jeder Rahmen so oder so
hängen kann. Besser noch ist bei großen Rahmen die ver-
deckte Aufhängung, die 4 zeigt. Nichts ist ärger, als wcnn
überall grobe Gesen hervorgucken und da;u dicke Haken.

Es empfiehlt sich, wenige E i n h c i t s s 0 r m a t e ;u
wählen, auch der Rückwände wcgen (beffer ist Sperrhol;
als Pappe, 5 mm genügt!) und der Bildfenster!

Ach habe an der HfL. Riel däs kleine Format nach
dem Maß der Elfenbeinkartons: 50 ;u 65 cm gerichtct. Es
paßt für die meisten Albertina-, Reichsdrucke u. ä. wicdcr-
gabcn. >! i'i U --

Das profil für diese Rahmen ;eigt 5. Es cntstand aus
der Absicht, auch diese Rahmen von vornherein gruppcn-
weise — ;u dreien, fünfen usw. — auftretcn ;u laffen, auch
in den Arbeitsräumen. Hängen aber Graphikrahmen mit
„Brcttprofil" nebeneinander, dann wirkt die Doppclung
der Breite jedcsmal unschön. Auch fchlt eine isoliercnde
Innengren;e. Daher das Gren;profil nach innen: ein Rund-
stab und das Trennprofil nach außen, das dcnnoch-;um
vkachbarrahmen führt: eine Rehle. Die Zeichnung 5 spricht
sür sich. Bci den großen „Flurformaten" habe ich das pro-
fil 4 gcwählt. Der kleine Fal; genügt dort, um Dild von
Bild ;u trcnnen, obwohl auch sic dicht hängen.

Da wir sehr helle wände habcn, sind sämtliche Rahmen
untcrschiedslos wciß gestrichcn (leicht gclblich), setzcn also
nur den Don der Rartons odcr der Bilddruckränder fort.
Rauft man dcn Rarton bcim Großhändler, so ;eigt sich,
daß cr von 25 Pf. (ein;eln erworben) auf 9 bis ir pf.
sinkt. Bis auf geringste Ausnahmen stcckc ich aüch jcdcn
Gcmäldedruck m it dem papierrand in die wcchsel-
rahmen, um von vornhercin ;u sagen, daß wir die „Gram-
mophonwirkung" (dicht gerahmt in „Museumsleiste", wo-
möglich gcfirnist) bci wicdergaben nicht mitmachcn. Man
soll schcn, daß cs nur papier ist.

wcnn wir cndlich dahin konimcn, daß alle Schulcn
ihren Bildcrn und Rahmen die nötige Bcachtung schenken
und sie jeweils von der eincn rcchtcn Stcllc vcrwalten
lassen, wird man künftig nicht mchr mit dcm „Auge ;u
stolpern" brauchen über die meistcn wändc in dcn Schul-
häuscrn. Es lohnt den Eingriff und dic gan;e Tat!

Ebcnso nötig wie Rahmen sind Schaukästen. Von diescm
Rapitcl sci spätcr cinmal bcrichtct.

Erich parniyke
loading ...