Bund Deutscher Kunsterzieher [Editor]
Kunst und Jugend — N.F. 18.1938

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„icht nur an den wandenden befestigt, mit Rammzwecken
haften sie außerdem auf ihrer gesamten Länge an der
Wand, dergestalt, daß zwischen den vrägeln gerade ein
Zeichenblatt in seiner Breitlage platz finden kann. Dic
Dindfäden mlifsen so strafs wie möglich an der wand an-
liegcn.

1. Wechselwand (Packpapier mit Bindfäden.

» * *

r. Feierwandam Gsteingang der Hans-Schemm-Schule
Radeburg. Gemeinschaftsarbeit der ). Rlaffe (S. Schul-
jahr) Rnaben.

Diesc 2lufhängung hat folgcndc Vortcilc:

a) Dcr Bildwechsel geht dcnkbar schnell vor sich. Dic
alten Bilder werden hinter dcm Faden herausgczogen,
neue eingesteckt und mit einer Stccknadel am Rutschcn gc-
hindert.

b) Die Blätter werden geschont. plicht mehr miiffen die
vier Ecken des Blattes mit Reißzweckcn durchstochcn wer-
den. vjicht mehr reißen unvorsichtige Hände diese Eckcn
weg. Ein cinziger Nadelstich in der oberen Nlitte dcs
Blattes ist der Rückstand der Darbictung.

c) Die Blätter werden von dcn Fädcn in ihrcr ganzen
Fläche an die Rückwand gcprcßt. 'Ihre reihcnmäßige 2luf-
hängung crgibt so cinen ordentlichen Frics für das Rlas-
scnzimmer und hilft damit, dasselbe würdig auszugeftaltcn.

cl) Eine Fadenstellung gcnügt durchaus, um Blättcr in
Hoch. und Brcitforinat ausstcllcn zu könncn. Voraus-
setzung dafür ist allcrdings dcr Zwang glcichcr Blattgrößcn
iin Rlaffcnvcrbandc.

e) Die Wechselwand sieht auch dann noch gut aus, wenn
cinmal keine 2lrbeiten ausgehängt sind. Die Fäden sind
auf größere Entfernung nicht mehr ;u sehen. Den pack-
papierstreifen schön herzurichten ist obendrein eine dank-
bare, bildnerische Aufgabe: ).

r. Feierwand.

Es ist also die Wechselwand nicht nur Mittel zum Zweck,
sie ist gleichzeitig eine besondere Form der wände, die im
Reiche der Volksgemcinschaft wachsende Bedeutung er-
langen, und die ich kur; „Feierwände" nennen möchte. 2luf-
marschpläne und Versammlungsräume werden ihrer All-
täglichkeit enthoben durch bildhafte Sinnzeichen unserer
wcltanschauung, die mit schlagkräftiger Eindeutigkeit den
Blick der Versammelten auf das eine Ziel lenken sollen,
welches der Führer seinem Volke gestellt hat. 2luch dic
deutschen Schulen stehen hierin nicht zurück. Die Aus-
gestaltung der Schulräume durch Handwerksmeister hat,
vor allem im Gau Sachsen, eine planmäßige Förderung
crfahren. wir Runsterzieher begrüßen diese Gestaltung
unseres Arbeitsraumes durch die Hand gelernter Meister.
2lls Erzieher aber sehe ich darüber hinaus die Notwen-
digkeit, den Rindern selbst Gelegenheit ;u verschaffen, die
Ausgestaltung solcher Räume durchzuführen. ilfficht in
Wettbewerb mit dem Handwerk wollen wir treten. wir
wollen vielmehr durch cigenständiges Entwerfen und 2lus-
führen die Möglichkeiten und Gesetze dieser 2lrbeit selbst
ergreifen. Darum sollen es nicht Ewigkeitswände sein, dic
die Schüler schaffen. Auch hier muß von Zeit ;u Zeit dic
Möglichkeit zum wechsel gegeben sein. Auch hier muß dic
gereiste Leistung den crsten Versuch abzulösen im Standc
sein.

i^achdem einige Arbeiten diescr'2lrt das Vcrtrauen auch
dcr Berufskameradschaft erworben hatten, konnte ich vom
Leiter meiner Schule die Mittel erhalten, um die bisher
immer nur vorläufige Befestigungsweise durch ordentliche
Rahmung ;u ersetzen. Ein Lischlermeister stellte aus schlich-
tem Riefernhol; einen wandgroßen Rahmen her. Für un-
seren Gsteingang warcn drei solcher Rahmen nötig, wic
aus Bild r ;u ersehen.

Halt bckommt das Rahmenwcrk, indem cs mit kräftigen
Haken (wie sie ;. B. bei Bcttgestellen üblich sind) in Gesen-
platten eingehängt wird, die an Holzdübeln in die wand
geschraubt sind: ra. Daß man mit dem Mauerbohrer han-
tieren, Holzpflöcke schneidcn und cingipsen kann für Hakcn
odcr Schrauben, seye ich voraus.

Diese 2lufhängung hat folgendc Vorteile:

s) Das Aufhängen der großen Schmuckwände ist verein-
facht. Vricht mehr muß auf hohen Lcitern balanziert wer-
den. Die wände können auf cbener Erdc an den Rahmen
gezweckt werden. Die Rahmcn sind ohne Mühe
in dic Oesen einzuhängen.

b) Die wände werden von hinten auf den
Rah m e n gczweckt. Es ist also im fcrtigcn Zustande kein
Nagel, keine Reißzweckc mehr ;u sehcn, und die wand
hat eine schlichte Rahmung erhalten.

c) Dcr Rahmcn kann bei besondcrcn 2lnlässcn auch an
andercn Grten aufgestcllt werden.

(1) Die Rlasscn- oder Flurwand wird nicht
zerstört. iTlicht mchr zcrkratzcn Rammzwccken dcn putz.
wenn die Schmuckwand abgenomnien ist, bleibcn nur
die wenigen «vescn zurück. Sic farbig dem Gc-
saintbild der Ralkwand anzuglcichcn, ist cinc Leichtfcctig-
kcit.

Ich. glaubc, daß auf diese odec ähnlichc 2lrt auch die
klcinstc Landschulc in den Besitz zwcckvollcc und wirkungs-
voller Schauwände gclangcn kann.
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