Bund Deutscher Kunsterzieher [Editor]
Kunst und Jugend — N.F. 18.1938

Page: 165
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an lange Entwicklungen gebundenen §ültigcn Form, sowie
schlechte oder falsche Führung während der eigenen Schul-
;cit hier und da nicht ;uc letzten klaren Sicht in.Einzelfra-
§cn gelangen ließen.

^DerStoff.

Wenn es dem Erzieher gelang, den Geist sich ;u cigcn
;u machen, der dem gesamten Reformwerk ausströmt, so
bedarf es dec Stoffpläne kaum. So kann es auch keine
schädlichen Folgen haben, wenn es bei der trockenen Zu-
saininenstellung von Lehrbeispielen für die ein;elnen Rlas-
sen nicht immer gelang, in gleicher Höhe und im gleichen
Schritt mit dem ;u bleiben, was von hoher warte aus
ebenso über;eugend wie revolutionär sich ;u einem orga-
nischen Gesamter;iehungsbilde sormte.

Während bei allen Fächern, die im Dienste einer Runde
stehen, die Stoffe ;u lehren und sich dabei der wort- und
Schriftsprache ;u bediencn haben, auch in dieser Sprache
,u,t der Aussicht, verstanden ;u werden, Stoffpläne keine
besonderen Schwierigkeiten machen, ist das bei der Bild-
sprache wesentlich anders.

Am günstigsten liegt es noch bei dem Stoff für die
Uunstbetrachtung. Aber auch hier wird der Lchrer, wenn
in der Hcimat oder in leicht erreichbarer Umgebung gute
Beispiele für diese oder jene Epoche ;u finden sind, diese
bcrücksichtigen müssen. Da aber die Stoffplaninhalte aus-
driicklich als Mindestforderungen be;eichnet werden, die er-

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füllt werden müffen, so ergeben sich auch hier, wie schon
ausgeführt wurde, Schwierigkeiten.

was für das freie Gestalten als Lehrstoff angegeben
wurde, das ist lediglich eine formale Systematik. Es ist
ein Vlormallehrgang gegeben mit technisch-künstlerischer
Ausrichtung, der unter Pflege besonderer Uebungsprin;i-
pien ;um „Rönnen" führen will.

Da in den weitaus meisten Fällen die Stoffe nur bei-
spielsweise eingesetzt wurden und da wir wiffen, daß der
Gegenstand der Gestaltung für das Gelingen der Arbeit
von hoher Dedeutung ist, da wir weiter im Bereiche der
Rulturkunde, vor allem aber im heutigen Leben selbst, eine
wahre Fundgrube von Stoffen haben, die unseren Aungen
und Mädchen liegen, die sie mit der gan;en Rraft ihrer
jugendlichen Begeisterung aus dem Leben ;u gestalten be-
reit sind, so wird es jedem Runster;ieher ein Leichtes sein,
in allen Fällen den rechten Ansatzpunkt ;u finden.

Zu all den Ein;elfragen Stellung ;u nehmen, die bei
der Durchsicht recht häufig ;ur AntwSrt drängen, müßte
einem besonderen Aufsatz vorbehalten bleiben. Es mag
hier nur noch abschließend gesagt sein, daß es bei allcr
Bindung in weitem Maße in die Hand des Runster;iehers
selbst gelegt ist, sich dieses Instrumentes so ;u bedienen,
daß wahrhaft kunster;ieherische Arbeit damit geleistet
wird. Ueber eines aber wird auch der genialste Er;ieher
nicht hinwegkönnen:

wer schaffen will, bedarf der Zeit!

Groß werk will weile haben!

Der Gau pommern hat das wort:

Bericht über eine Arbeitsgemeinschaft sür Runfterziehung
Darftellung des Räumlichen,

Gemeinschaftsarbeit und Runstbetrachtung als 2lufgabengebiete

Von Hermann Reßler, Stettin

weit mehr als Musik und Dichtkunst hat die bildende
Runst unter den Einwirkungen einer materialistisch orien-
tierten, den Antellekt überbewertcnden Zeit, der Vor- und
Uachkriegs;eit also, gelitten. Gemeint ist in diesem Zusam-
menhang weniger die Entartung im Runstschaffen, als die
Einstellung der für Runst empfänglichen deutschen Men-
schen ;um Runstwerk.

Es ist nicht möglich, die Gründr für diese, die Arbeit
des Runster;iehers wesentlich bestimmende Latsache, an
diescr Stelle im ein;elnen auf;u;eigen. An Deutschland fin-
det man sehr häufig Menschen, die auf dem Gebiete der
Musik, in der Dichtkunst sicher Echtcs von Unechtem unter-
scheiden können, den wert eines werkes der bildenden
Runst jedoch nicht ;u crkennen vermögen. Sie lesen
Erimm, Hamsun, Rolbenheyer, Griese, spielen Bach,
Reger und haben dabei, als ob es selbstverständlich wäre,
an den wänden ihrer Zimmer Ritsch hängen.

Bei der Musik und in der Dichtkunst muß die Umfor-
mung des Stoffes in Töne und worte, in ein Runstwerk,
als gegeben hingenommen werden. Die bildende Runst muß
die sichtbare Umwelt, in Bild und plastik künstlerisch
gestaltet, sichtbar in Erscheinung treten laffen. Das
verleitete da;u, das im Bildwerk Sichtbare einfach den
Dingcn der fast völlig beherrschten Umwelt gleich;usetzen
und die schöpferische Arbeit des Rünstlers gan; ;u über-
schen.

An einem crschreckenden Ausmaße wurde hierdurch das
Defühl für das wesentliche bildnerischer Gestaltung ;er-
stöct.

Eine Zeit, die so wenig Be;iehung ;ur schöpferischcn
-lrbeit dcs Rünstlers hatte, mußte natürlich arm an Stof-
>kn seins die über den cin;elncn hinauswiesen, dic wirklich
Üwß ünd bedeiitungsvoll warcn. Vielen Menschen dicser

Zeit ging sogar eine gesunde Einstellung ;u den oft un-
bedeutenden Inhalten, die man ver;weifelt sehr häufig als
allgemein-menschliche ausgeben wollte, verloren. Aus einer
sentimentalen Haltung heraus wurde der Anhalt so „ge-
färbt" verlangt, daß er dem Beschauer den Besitz ver-
lorengegangener Gefühlswerte vortäuschte. Es wurde also
nicht nur das Verständriis für die bildnerische Gestaltung,
sondern, viel tiefer greifend, der Inhalt und die ge-
sunde Einstellung ;um Inhalt bei vielen Men-
schcn unseres Volkes;erstört.

Die nationalso;ialistische Revolution schenkte uns neue,
lebendige Anhalte und schuf damit die Voraussetzungen
für das Ringen um eine Fsrm, die der Größe dieser neuen
Stoffe entspricht.

Der Leiter einer Arbeitsgemeinschast für Runster;ie-
hung muß mit der aus der Vergangenheit stammenden
Einstellung ;um bildnerischen Schaffen gan; besonders
rechnen, da dieser Einstellung noch viele Er;ieher, dic
wiffenschaftlichen Unterricht und „nur nebenbei" Zeichnen
geben, sehr stark verhaftet sind. Die Einstellung dieser
Rameraden ;u den Fragen der bildnerischen Gestaltung ist
aber, da ein großer Teil der bildnerischen Arbeit in den
Volksschulen jn ihren Händen liegt, für die kunster;iehe-
rische Gesamtarbeit von größter Bedeutung. An der von
mir seit einigen Aahren geleiteten A. G. für Runster;ie-
hung, Rreis Groß-Stettin, die Er;ieher aus Volks-, Mit-
tel. und höheren Schulen umfaßt, habe ich die Mitarbeit
dieser Rameraden ;u gewinnen versucht. Ach licß in den
letzten Iahren in der A. G. einige Grundfragen unserer
Arbeit ausführlich theoretisch und praktisch (llnterrichts-
beispiele und Arbeitsergebniffe) in der weise durcharbei-
ten, daß, über die Erkenntniffe der Bcdeutung des Stoffes
und der Einstellung;um Stoff, allmählich ;um wesen der
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