Bund Deutscher Kunsterzieher [Editor]
Kunst und Jugend — N.F. 18.1938

Page: 157
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Möglichkeit sollte jede Rlaffe aus den eigenen Entwürsen
zu ihrem Baum kominen. Das gelang jcdoch nur bei zwei
Rlassen. Bei den anderen mußten wir diese und jene Figu-
ren austauschen, weil es darauf ankominen mußte, für die-
sen „öffentlichen Zweck" nur die besten Entwürfe ;ur Gel-
tung;u bringen.

Damit war der erste Teil der Aufgabe beendet. Die Ver-
öfsentlichung der Liste der „vorläufigen" öo preisträger,
deren Figuren zur Ausführung angenomnien waren, gab
den Anreiz, nun die eigentliche »Zolzarbeit vorzunehmen:
2lussägen aus 4-mm-Sperrholz, tcilweise Arme und Zu-
taten — Harken, Sensen, Erntekran; usw. — besonders aus
den Abfallstücken schneiden, an den Bodcnstreifen denken,
der bei allen Figuren erforderlich war, um sie an die
Guerstangen anschrauben ;u können.

Diese 2lrbeit wurde in den psingstferien im Hause ge-
tan. Aeder der 60 Iungen erhielt sein Hol;, das von Iun-
gen der Gberstufe in paffende Stücke ;ersägt war, da;u
sein mittelfeines Sägeblatt.

Nebenher lief in den werkstunden dcs achten Schuljahrs
der Bau ;weier Schützenvögel — aus Abfallklötzen von
einem Modelltischler —. Die Mehr;ahl der eingelaufenen
Entwürfe war ;u kleinteilig; indes ließen sich einige gut
ausführen als Bekrönungen für die Rlaffenbäume.

Alle ausgesägten Figuren mußten noch durchgesehen wer-
den, um kleine Schäden aus;ubessern, alle Zutaten ;u be-
fcstigen und endgültig ab;uschmirgeln für das Bemalen.
während ein Arbeitskommando von vier Iungen dann die
Baum-Stangen (für den „Baum" selber r-cm-Rundhol;,
füc die „Zweige" Leisten von i ;u r cm) ;uschnitt, mit
Rerben versah und grundierte (den Baum schwar;, die
Zweige weiß), rührten ;ehn farbentüchtige Iungen die
Plaka-Farben (weiß, gelb, rot, braun, grün, blau) an und
gingen dann an das Ausmalen aller Figuren.

Baum dcs 4. Schuljahrs: Blumen und Tiere im Frühling
(Gut bis auf die Hennen, die ivcnig klar und bestimmt
gcgliedert sind.)

Baum des s. Schuljahrs: Saat und Ernte

Dies Mal-Rommando blieb drei Tage aus dem übrigcn
Unterricht heraus, um sich gan; der besonderen Aufgabe
widmen ;u können. Zuin Schluß wurde alles noch gelackt,
genau verteilt auf den Leisten und angeschraubt.

Ein Aufruf an alle Rlaffen erbrachte schließlich eine An-
;ahl Mcter farbiger Seidenbänder (in denselbcn leuchten-
den Grundfarben der Figurenbemalung), die an den Enden
der „Zweige" und — in Spiralen gewickelt — an dcn
„Stämmen" angebracht wurden.

Es ergab sich: ein Rlassenbaum, an dem „nichts ;u rüt-
teln" ist, der in Zeichnung und Ausführung gan; „crfüllt"
ist, ist schon ein gehöriger werkauftrag, dcr alle Rräfte
bcansprucht und einc er;ieherische 2lufgabe bcdcutet, die
ihrcn Gewinn in sich trägt. Nicht alle Figuren sind uns
„restlos" gelungcn; indes soll das nur Ansporn scin, im
nächsten Aahr Beffcrcs an die Stelle dcs nicht gan; Ge-
glücktcn;u fctzcn.

Sicher ist, daß wir unsre Rlassen-Zeichen, die voran-
gctragen wcrden, nicht miffcn mögen; cs ist cine durchaus
kinder- und volkstümliche Form dcs 2lb;cichcns, ;u dcm sich
cine Rlasscngcmciiischaft hält. Sicher ist auch, daß sich solche
Bäume viclfach abwandcln laffcn; vielleicht mag unser
Beispiel anregen, auch fttr bcsondcre Gelcgcnhcitcn, wie
sie dcmnächst beim Erntcfest vorliegcn, in gcmcinfamcr
Arbeit cin Sinii;cichcn ;u schasscn, das im Fest;ug den
bildnerischcn Einfatz der Schülcr bekundct.
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