Bund Deutscher Kunsterzieher [Editor]
Kunst und Jugend — N.F. 18.1938

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die neuen. Sachllchkeitsfanatiker immcr wieder glauben
machen wollten. Man hatte vergessen, daß die besondere
Stärke und Eigenart der deutschen Runst niemals die vir-
tuose Bewältigung der Formprobleme an sich waren,
sondern der tiefe geistige Gehalt, die inncre ^altung, die
Rraft dcs 2lusdrucks, das Seelische. Da kam es vor, daß
man sich in Fachkreisen um Richtungcn und „ismen" die
Röpse heiß redete. Dabei entfernte man sich immcr mchr
vom eigcntlichen wcsen der Dinge. Man mcrkte nicht,
daß man von kalten Rechnern, internationalcn Runstjuden
gcnassührt wurde und wunderte sich, daß sich die Rlust
zwischen Runst, Runsthandwerk und Volk immer mehr
vcrbrciterte, daß die Runstausstellungen immer leerer
wurden.

wic viel hat sich doch in den paar Iahren seit der
Machtübcrnahme durch den Nationalsozialismus geändert
und zum Guten gewandt! Gewiß, nach wie vor ist das

und gewachsen aus dcr reichen landschaftlichen Vielsalt des
dcutschcn Sicdlungsraumcs und aus der reichen stamm-
lichen Glicderung unseres Volkes. Es ist somit nätur-
gemäß und liegt gan; im Sinne organischer deutscher
Runstentwicklung, alle gesunden örtlichen, stammesbcding-
ten Runstbestrebungcn und werte;u fördern und sic nicht
etwa künstlich ;u verwischen und abzutöten. 2luch hier
wurde srüher viel gesündigt. Solch ein künstlicher Aus-
gleich wäre gleichbedeutend mit geistig-kulturellcr Ver-
ödung. wie der einzelne ^andwerker und Rünstler
mit Rccht scinen persönlichen Stil und Ausdruck erstrebt
und wcitcr ;u cntwickeln sucht, aus seiner Heimat, seiner
Veranlagung und seinem Erbgut heraus, so auch der
Volksstamm. wir sind in ciner vicl glücklichcren
üage als etwa Frankreich, Atalicn oder England. Dort
herrscht kulturell eine crhebliche Einförmigkeit. Gst dik-
tjcrt nur die einzige Landeshauptstadt Zicl und Richtung

Abb. 4. ^ckcnc IünAlin§

erste Rccht der Runst die Freiheit dcs Schassens, allein
ihre crstc und vornchmstc pslicht ist es nun gcwordcn,
Dicncr am Volk und hehrcr tlusdruck seincs Rultur-
strcbens und -willens zu scin. So betrachtet, sind Runst
und politik keineswcgs sich seindlich gcgenübcrstchcnde
Rrästc. Am Gegcnteil, sie crgänzcn sich und fördern sich
gcgenseitig. Sind unscrc herrlichcn romanischen und goti-
schen Domc nicht übcrzcugende Dcnkmalc gesammclter, in
tieser Rcligiosität gleichgerichtctcr Volkskrast und Gpfcr-
freudigkeit; Sind unsccc lNittelaltcrlichcn Städtcklcinodc
und Durgen uicht dcr steingcwordene 2lusdruek cinhcit-
lichcn politischen Geiiieinschastsstrebcns und Wchrwillciist
Eincr dcr wcrtvollstcn Vorzügc dcutscher Runst ist wci-
tcrbin ihrc Viclgcstaltigkcit und Viclsarbigkcit, bcdingt

in künstlerischen und gcschmacklichen Dingcn, wie etwa
in Frankreich paris. wir Dcutschen können dem cine
ganze 2ln;ahl bedcutcndcr Rulturmittclpunkte und Aus-
strahlungszcllcn gcgcnübcrstellen — außer der Rcichshaupt-
stadt Lcrlin, Baycrn mit Münchcn, das Rheinland mit
Düsseldorf-Röln, Sachscn mit Dresden-Leipzig, das schwä-
bischc Stanimcstum mit Stuttgart — das sränkischc
Volkstum, im Mittclaltcr schon und auch heute wicder
rcichsdeutsch bestimmt mit V7i,rnberg usw. Und bc>
trachtcn ivir nun noch das pl)antasic- und fornicnrcichc
V 0 l k s k u n s t s ch a f s e n der vcrgangencn Aahrhundertc
in unserciii Vatcrlande! wclci, ein ivechselvollcs Bild er-
gibt sich da für den Rcnner dicscr rcichen Schäye mit
il'rcm iiiimcr ivicder andcrcn „Gcsicht" und Gcpräge, je
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