Bund Deutscher Kunsterzieher [Editor]
Kunst und Jugend — N.F. 18.1938

Page: 233
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>,och „icht davon überzeugt sintz oder cs doch bislang über-
sehen haben, daß es sich hier um Arbcitsgebiete handelt,
die ohne Beeinträchtigung des Erfolges unserer Arbeit
cinfach nicht mehr übersehen werden können.

Diese Erkenntnis gründet sich u. a. auf folgendcm:

1. Bci all unseren erzicherischen und unterrichtlichcn
llkaßnahmen haben wir zuerst die Ocgebenheiten im
Rinde zu sehen und ;u achten, d. h. wir haben in. seinen
Anlagcn und Triebcn, soweit sic entwicklungswürdig sind,
dic Ansatzpunkte unserer 2lrbeit ;u erkcnnen.

Nun ist überall, wo den Voraussctzungen für plastischc
Arbcit in der Iugenderziehung nachgespürt, ja darüber
hinaus überall dort, wo überhaupt jugcndkundliche Unter-
suchungcn mit Ernst und Gründlichkeit durchgeführt wur-
dcn, als festgegründetes Ergebnis dic Tatsache verkündet
wordcn, daß im Rinde nicht nur die Voraussctzungen für
diese Arbeit gegebcn sind, sondern daß dcr Drang so stark
angelcgt ist, daß diese Nichtbcachtung in der Erziehung
einer Mißachtung dcr Natur des Rindes gleichkommt.

Ncben der Natur des Rindes ist der zweite große

Buchcs aus, und zwar werdcn zuerst ;S ganzscitigc Schü-
lcrarbeiten gebracht, bei denen alle Altersstufen von 5 bis
;u is Aahren vertrcten sind. Dcr Derfasser hat im bci-
gegcbcnen Text immer die notwendigcn 2lngaben übcr das
Altcr dcs Rindes, über die Aufgabc und den Grad ihrcr
Erfüllung odcr Nichtcrfüllung gemacht. Vorangestellt
wurde ein Rapitel, das die Uebcrschrist trägt: „warum
plastische 2lrbeit;"

Es heißt dort eingangs: „Dies Bilderbuch soll für ci»
Gcbict der schaffendcn Bctätigung unscrer Gugend wcrbcn,
das in Schulc und Haus viel ;u wenig bcdacht und ge-
pflcgt wird. VUie wenige Erzieher schen doch in dcr pla-
stischcn Arbeit eine Aufgabe, die cbcnsoviel Bedeutung
hat, wie das Zeichnen oder Nlalcn oder das Lasteln und
wcrkcn; wic wenig Eltcrn sind nur erst ;u der Einsicht
gelangt, wie sie in rechtcr weise ihrcn Rindern 2lnrcgung
und Förderung im Zcichnen und wcrkcn angedeihen lasscn
können, ohne die natürliche Schaffenslust und -fähigkeit
;u mindern und durch irreführcnde Rritik, unrcchte Hilfcn
und ungceignete Dorbilder abzubiegen ;u dcm bekanntcn

Lus: Adslf de Sruyckcr, plasrische Lrbcit deutscher Iugcnd

„Fünszehn- und Sechzehnjährigcr. Die rechte Entc ist wic aus eincin Suß u„d könntc stch nebcn bcstcn
Meinplastiken vslkstümlicher 2lrt sehen laffen. Sei dcr linken wirkt das Auge ctwas zu grob, auch
sllgt stch dcr Flügcl nicht plastisch ein: cr jst im Ganzen nur ausgelcgt und das Scsicdcr nur zcich.
nerisch angcdeutct. Im übrigen jst dic Form gut geschlssscn."

tragende pfeiler jeglichcr Erzichungsarbeit die Volksge-
mcinschaft mit ihren lebenswichtigen Forderungen, das
Volk mit scinem Lcbenswillen und seiner Lebensgcsetzlich-
keit, die sich in seiner Geschichtc und im Ablauf scines
gcgenwärtigen Lebens offenbaren. Zwischcn diesen beiden
pfcilcrn haben wir Erzieher dic Brücke ;u schlagcn.

Und nun lchrcn Gcschichte und Erfahrung, daß es sich
im Lcrciche dcs werklich-künstlerischen, ja in dcm dcr kul-
turschaffenden 2lrbeit schlechthin, immcr zucrst um den
Umgang mit Material mit dem Ziel dcr Gestaltgebung oder
dcr Gcstaltvcränderung handelt. Das gcgcbene Matcrial
dafür ist aber vor dcm Hol; und dem Eiscn für das Rind
Sand, Ton, plastilin und ähnlichcs. Daß es so ist, braucht
nicht bcwicsen ;u werdcn. Ein Sandhaufcn irgcndwo in
den Straßen dcr Stadt muß jcden Zweifcliidci, iiberzcugci,
und das Tun dcr Erwachscnen in den Seebädcrn miiß cs
anch.

:. Dcr I n h a l t des Buchcs „p l a s t i s ch e 2l r -
beit Dcutschcr A u g e n d" von AdoIf dc
B r u y ck e r.

Adolf de vrurekcr nennt sein vuch ein vilderbuch. An
dcr Eat macht das vild den ii'csciitlichen Anlialt des

Dilcttantismus, der alles ivill und nichts wirklich kann;
Daß nun das plastische Arbciten im rechten Siiinc noch
gan; ein Sticfkind dcs schulischen und häuslichcn Schaf-
fens ist, brauchcn wir nicht besondcrs ;u bclcgcn.

Es fehlt durchaus an Vorstcllungeii, wie solchcs Dun
sinnvoll — und das heißt jiigendgemäß — im Ergcbnis
aussehen könnc. Es fchlt also an angcmestencn Leitbildern
und an eincm gcrechtcn Urteil. Es fchlt aber ebcnso an
Erfahrung und Renntnis dcr Nlittel und wege: welchc
plastischcn wcrkmittel angcbracht ivarcn, ivie man mit
ilineii iimgchen könnc ,ind was sich in dicscm vereich allcs
anpackcii laffc.

plastisch arbeiten, das heißt oft genug — sofcrn es
übcrhaupt wahrgcnommcn wird — cbcn „Modclliercn",
iind an diescm Dcgriff hängt dann eine ganze Rettc von
Irrtiimern. Man liat gcliört odcr seltcncrweise auch ge-
sehcn, wie es in eincm Bildhauer-Atclier zugeht. Da
werdcn „Modclle" — Menschen und Tiere — bcnutzt und
eben „wiedcrgcgeben", d. li. zunächst in Ton „iiaciigcahmt".
Ia, es hat den Anschein, als ob plastik die cigcntlich
„iiachahmeiide" Rimst sei, da maii doch greifbar und in
körpcrlicher 2virkliüikeit die Natiirformeii erfaffe und dar-
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