Der Kunstwart: Rundschau über alle Gebiete des Schönen ; Monatshefte für Kunst, Literatur und Leben — 10.1896-1897

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Lrstes zfebruarbett IS97.

S. Dett.


Derausgeber:

Ferdinand Nvenarius.

10. Zakrg.

DWung. WkM. Ausil uui» ßil-kn-k Nünflk.


Kevvllsstes Ledeil

uf meinc Fragc: Welches Thema soll ich
behandelnT ward mir die Antmort: schil-
dern Sie uns Jhre Methode und die
wesentlichen Unterschiede dieser Methode von anderen
mit Freuden erfaßte ich diesen Anftrag. Gab er
mir doch in seiner weitgehenden Fafsung Gelegenheit,
Jhnen recht vieles von dem zn sagen, was mir auf
dem Herzen liegt.

Dic Methode? Was heißt man Alethode L Leider
gibt es viele, . selbst unter den Fachgenossen, nnd
namentlich unter den knnstlerisch Gebildeten, deren
Mund verächtlich zuckt, wenn sie daS Wort „Methode"
hören oder ausspr^chen, ja manche behaupten und
mit Stolz, dah sie ohne alle Methode lehren. Sie
ahnen nicht, dah sie sich dadurch eine bedenkliche
Blöße geben. Denn unter dem Worte Methode ver-
steht man im engeren Sinne die ivohlüberlegte Art

*) Als wir Konrad Langes Vorschläge sür eine
künstlerische Erziehung d e r Iuge n d im Kunst-
wart besprochen hatten, teilten wir unsere Absicht mit,
auch die Vertreter anderer Ansichten über den inodernen
Zeichenunterricht vor unsern Lesern fprechen zn lassen. Da i
über den alten kläglichen Zchlendrian eine Meinungsver- '
schiedenheit ausgeschlossen war, baten nnr den oft so ge-
nannten „Reformator des Zeichenunterrichts" um einen Auf- ;
satz, Professor Fedor Flinzer, der als anerkannter Künstler
sowohl wie als Verfasser des grnndlegenden Handbuchs und
als Jnspektor des Zeichenunterrichts der e>i höheren upd
niederen Schulen Leipzigs in diesen Fragen kompetent ist,
wie ganz wenige. Flinzer hat nun seine Meinüng gelegent- >
lich seiner Ernennung zum Ehrenmitglied des Berliner :
Zeichenlehrervereins diesem in einem Vortrnge klargelegt,
den wir hiermit verössentlichen. Aw.-L.

! uud Weise, dus fotgerichlige, ziveckmäßige Haudelu zur
! Grreichuug eines festbestimmten Zieles, im Unterrichte
^ eine dementsprechende Lehrweise, das planmäßigc
! Versahren des Lehrens zur Erreichung der Unterrichts-
: ziele. Das Nachdenken eines Lehrers darüber, wie
! er seiner Pflicht am sichersten nachkommen kann, das
' Bestreben, sein Ziel immer genauer zu erkennen, um
! dadurch die dazu führenden Wege zu finden und sic
^ leichter gangbar zu machen, kann doch nichts Lächer-
j liches oder Verüchtliches haben. Veröffentlicht er das
Ergebnis seines Denkens und Arbeitens, so wird ihm
! Jedsr nur dankbar dasür sein, der gleich ihm bestrebt
ist, auf dem gleichen Gebiete seine Pflicht zu thun.

^ Nur solche Werke dieser Art haben einen zweifelhaften
i Charakter, welche beweisen, daß der Verfasser seiner
Aufgabc nicht Herr war, daß er vielleicht gar ein
Sammelsurium aus verschiedenen Methoden anor-
ganisch zusammenleimte. Den belächeln wir, der
uns zu einem Ziele zu führen verspricht, das er selber
nicht kennt, wie den, der uns Wege zeuzen will, die er
selbst noch nie betreten hat. Jhm gegenüber steht der
Führer, der aus eigener Ersahrung. mit jedem Stein
und Baum am Wege so vertraut ist, wie mit dem
Ziele selbst, der uns sagt: „Jch kenne noch viele
Wege dahin, auch diese bin ich selbst gegangen, aber
ich sühre Euch aus dem, den ich als den besten er-
kannt habe, den ich daher liebe. Am Ziele aber
bin ich zu Hause".
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