Zeitschrift für christliche Kunst — 1.1888

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188S. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 1.

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abheben. — Sehr solide ist diese Technik,
ohne den Deckel erheblich zu beschweren, und
auch für den Rücken liefse sich eine ent-
sprechende Behandlung erreichen, sei es durch
die (Metall-) Wölbung, welche die Renaissance
einführte, sei es durch die Charniere- oder
Kettenverschlmgungen, welche der Orient liebte
und vorzüglich durchbildete.1) Dieses Verfahren

*) Vergl. „JahibUcher des Vereins von Alterthums-
freunden im Rheinlande" a. a. O.: die Ausstellung
kirchlicher Kunstgegenstände in Wien S. 213.

erfordert auch keine grofse Kosten weder in
Bezug auf das Material, noch auch auf die Aus-
führung, und stellt an den Goldschmied nicht
einmal die Anforderung besonderer Geschick-
lichkeit. Strenge Eintheilung und gute Zeich-
nung, einige Wertigkeit in der Handhabung des
Meifsels und Grabstichels auch zur Erreichung
breiterer und kräftigerer Linien reichen schon
hin, um eine ziemlich befriedigende Leistung
zu schaffen.

Schnüteen.

Kleinere Beiträge.

Miscellen zur mittelalterlichen Kunstarchäologie.

Von Prof. Dr. Franz Xa

Kraus.

I.

Mosaik und Grabschrift eines Verduner
Bischofs.

Das verflossene Jahr hat uns von zwei Seiten
sehr dankenswerthe Zusammenstellungen der
bisher bekannten figurirten Pavimente
mittelalterlicher Kirchen gebracht. Nachdem in
Frankreich sich bereits de Caumont und Didron
mit diesem Gegenstände beschäftigt, brachte uns
kürzlich das Bulletin Monumental1) aus der
Feder Anatole de Barthelemy's eine sehr för-
dernde Abhandlung über die mit Künstlernamen
versehenen frühmittelalterlichen Plattenbelage.
Wichtiger noch ist der eine Fülle interessanter
und anregender Notizen bietende Aufsatz, wel-
chen E. Müntz seinen vor wenigen Monaten
ausgegebenen „Etudes iconographiques" etc.
einverleibt hat.2) So reich die an beiden Orten
gegebene Uebersicht der einschlägigen Monu-
mente ist, so läfst sie sich doch noch ver-
mehren. Ich gebe heute folgendes Beispiel.

Die Stadtbibliothek zu Metz bewahrt unter
ihren reichen Schätzen bekanntlich auch einen
grofsen Theil der Vorarbeiten und Sammlungen,
welche die im vorigen Jahrhundert mit der

2) A. de Barthelemy „Carreaux histories et
vernisscs avec noms de Tuiliers" (Bull. Monom. VI.
ser. T. III. 252 ff. 1887).

2) E. Müntz „Fluides iconographiques et archeo-
logiques sur le moyen-äge." 1° Serie. Paris 1887. Les
I'aveinents histories du IV au XII siecle, p. 1—C3.

Geschichte der Stadt beschäftigten Benediktiner
anlegten. Diese Papiere, theils historisches,
theils archäologisches Material enthaltend, sind
mir bei Bearbeitung der Metzer Kunsttopo-
graphie von grofsem Nutzen gewesen: waren
es doch die trefflichen Ordensmänner, welche
hier zuerst den Versuch einer systematischen
Erhebung und Beschreibung der Kunstdenk-
mäler unternahmen —■ ein Versuch, dessen
Fortsetzung die französische Revolution gleich
so viel andern guten Dingen unmöglich machte,
und der nun erst hundert Jahre später wieder
aufgenommen wird, nachdem die Umwälzungen
des ausgehenden 18. Jahrhunderts einen grofsen,
wenn nicht den gröfsten Theil jener Schätze,
sicher drei Viertel alles beweglichen Inventars
zerstört haben.

Vielleicht gehörte zu diesen benediktinischen
Hss. auch der Sammelkodex Nr. 216 des Ka-
talogs von Clerex,8) welcher an fünfter Stelle
(p. 52) enthält: „Explication du pave en mo-
sa'ique qui etait au vieux choeur de la
cathedrale de Verdun avant son demo-
lition." Es heilst in der Erklärung, dafs
der ganze Chor der Kathedrale mit Mosaik be-
legt war. „Cette mosaique", wird dann weiter

s) Clercx „Catal. des Manuscrits relatifs ä l'hist.
de Metz et de la Lorraine." Metz 1856, p. 192. In
dem Quicherat'schen Catal. des mss. des bibl.
publ. des departements, V (Metz, Verdun, Charleville),
Paris 1879 ist die Hs. unter Nr. 906 aufgeführt.
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