Zeitschrift für christliche Kunst — 1.1888

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Abhandlungen.

Gewölbemalerei in der Salvatorische
zu Duisburg.

Mit Lichtdruck (Tafel XIII) und Abbildung.

ährend das Aeufsere der vorgenann-
ten, im XV. Jahrhundert erbauten
Kirche sich wohl nur durch einen
gewissen Formenreichthum auszeich-
net, ist das Innere derselben von hervorragender
künstlerischer Bedeutung. Eine Schönheit und
Harmonie der Formen, wie sie hier dem Be-
schauer entgegentritt, findet man nicht allzu-
häufig bei Bauwerken jener Zeit. Diese günstige
Innenwirkung ist nicht am wenigsten darin
begründet, dafs — abgesehen von dem weich-
lichen, dem Steincharakter wenig entsprechenden
sogen. Fischblasenmuster im Mafswerk — so
manche andere bedenkliche, dem spätgothischen
Baustil eigenthümliche Einzelbildungen in dieser
Kirche sich kaum bemerkbar machen. So sind
auch die Gewölbe des Chores, des Quer- und
Mittelschiffes in leichten, eleganten, aber doch
einfachen Formen gebildet, vor allem ihre Rippen
mittels Kapitale und schlanker, bis zum Fufs-
boden herabreichender Dienste in wohlthuendster
Weise gestützt.

Dieser edleren Bildung entsprechen auch die
Malereien, welche nach Vollendung der Kirche,
wohl im ersten oder zweiten Jahrzehnt des
XVI. Jahrhunderts ausgeführt, die Kappen der
Gewölbe schmücken. Leider geben diese Dar-
stellungen nebst einigen anderen Ueberresten
nur einen annähernden Begriff von der Gesammt-
wirkung der ehemaligen malerischen Ausstattung
der Salvatorkirche. Erhalten ist gegenwärtig noch:
die fast Überlebens grofse Figur des Salvator
auf einer Kappe des Chores, ein Christophorus
am nordwestlichen Vierungspfeiler, sechs Engel-
figuren mit Ornamenten und Spruchbändern auf
den Gewölben des Langschiffes (s. Lichtdruck-
tafel), eine Miniaturmalerei auf dem Bogenfeld
der Sakristeithüre und eine aus dem Gotteslamm,
den Evangelistenzeichen, einigen Ornamenten
und Ueberresten von Engelfiguren bestehende
Darstellung. Sie schmückt das durch je zwei

parallele, sich kreuzende Rippen in neun Felder
zerlegte westliche Joch des nördlichen Seiten-
schiffes.

Die letztgenannte, ihrer hübschen Komposi-
tion wegen sehr beachtenswerthe und theilweise
noch in ursprünglicher Farbenkraft erhaltene
Zeichnung ist infolge eines späteren Einbaues
schwer zugänglich und konnte leider nicht gut
gezeichnet werden. Doch dürfte sich hier die
Mittheilung eines unter der eben erwähnten
Christophorusfigur angebrachten Teppichmusters
(s. Abbildung) empfehlen, da es ein gutes Bei-
spiel einer einfachen spätgothischen Flächenver-
zierung bietet. Derartige, mittels der Schablone
hergestellte Dekorationen sind leicht herzustellen
und, wenn in guten Mustern und an geeigneter
Stelle ausgeführt, von angenehmer Wirkung.
Umstehendes Muster ist aus Schildern zusammen-
gesetzt, deren ausgeschweifte, weichliche Kon-
turen einen sehr wirksamen Gegensatz in den
äufserst streng stilisirten Blattgebilden finden,
mit welchem jede einzelne Fläche geschmückt ist.
Bei etwaiger Nachahmung dieses ganz flach, ohne
irgendwelche Andeutung von Teppichfalten in
grüner Farbe') auf weifsem Grunde ausgeführten
Musters, dürfte es sich aber empfehlen, entweder
die Zwischenräume zwischen den Schildflächen
etwas schmaler, oder besser die Blattkomposi-
tionen unbedeutend gröfser zu zeichnen, damit
letztere, den ein netzartiges Muster bildenden
Zwischenräumen gegenüber, noch etwas mehr
zur Geltung kommen, als dies auf umstehender
Zeichnung der Fall ist. Auch mufs man bei
derartigen Kompositionen darauf achten, nicht
in gewisse Fehler zu fallen, welche bei Schablonen-
malerei nicht immer leicht zu vermeiden sind.
So hat der Maler bei Anfertigung der Schab-
lonen zu den Schildern jenes Musters nicht
genügend die (allerdings nicht leichte) Aufgabe
zu lösen vermocht, sowohl den Schildflächen als
auch den durch Aneinanderreihung der letzteren
sich ergebenden Zwischenräumen eine gleich
schöne Form zu geben. An den zwischen den

') Die grünen Flächen sind auf der Al)bildung
schraffirt.
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