Zeitschrift für christliche Kunst — 1.1888

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Abhandlungen.

Mittelalterliche
Grabsteinplatten zu Doberan.

Mit Lichtdruck (Tafel XI).

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ei Rostock, nicht
fern vom Strande
der Ostsee, liegt
Doberan.

Die Mönche von
Doberan waren
die Missionäre des
Christenthums für
Mecklenburg: ihre
nach einem Brande
von 1291 neu er-
baute und im Jahre
368 eingeweihte Kirche glänzt unter den Cister-
zienser-Kirchen Deutschlands als eine der edel-
sten Perlen.1)

In Holzschnitzaltären, Chorgestühl, Glasge-
mälden, musivischen Thonfliesen besitzt dieselbe
einen Schatz von Kunstdenkmälern, welche sich
verdienter Werthschätzung erfreuen.2)

Nur ihre kunstvollen, in ausgegründeter Ar-
beit hergestellten Grabsteinplatten haben bis
jetzt die ihnen gebührende Beachtung nicht
gefunden.3) „Neben den prunkenden Grab-
mälern mit lebensgrofsen plastischen Figuren,
an denen die Steinmetzen ihre höchste Meister-
schaft zu beweisen Gelegenheit fanden," so

Die vorgesetzte Initiale B ist dem Missale ent-
nommen, welches, wie wir S. 175/76 erwähnten, dem
Jahr 1481, also demselben Jahrzehnt wie der Dobe-
raner Grabstein, angehört. In der ornamentalen Aus-
schmückung gehört sie zu den einfachsten, in der
edlen, nur in Linien ausgeführten Zeichnung des heil.
Michael zu den schönsten des Buches.

') L(übke) im „Organ für christliche Kunst", B.Jahr-
gang (1853), S. 38. Mit Abbildung.

2) Vergl. über Doberan: H. Otte „Handbuch der
kirchlichen Kunstarchäologie".

3) C. Elis „Ueber Steininlarsien", Wochenblatt für
Architekten und Ingenieure, 0. Jahrg. (1884), S. 230 ff.,
ist der einzige, bei welchem wir sie erwähnt gefunden.

äufsertsich Knackfufs, „wurden selbstverständ-
lich auch manche sehr viel bescheidenere aus-
geführt. Selbst bei vornehmen Personen begnügte
man sich oft mit Wappen und Inschrift. In
anderen Fällen wurde das Bild des Verstorbenen,
von architektonischem Rahmen und anderm
Beiwerk umgeben, mit dem Meifsel in wenigen,
aber ausdrucksvollen und sicheren Linien in
einen flachen Stein eingeritzt. Solche Grab-
platten mit vertiefter Zeichnung waren besonders
in den Gegenden des Ziegelbaues beliebt, wo
kunstvolle Steinmetzenarbeit theuer und schwer
zu beschaffen war, während die zu bildnerischen
Werken anderer Gattung häufig verwendeten
Stoffe des gebrannten Thones und des Stucks
ebenso wie das nur ganz ausnahmsweise zur
Anfertigung eines Grabmals benutzte Holz nicht
dauerhaft genug erschienen, um das Andenken
eines Todten kommenden Jahrhunderten zu
erhalten. Für besonders anspruchsvolle Monu-
mente konnte allerdings eine mit dem Meifsel
gerissene Zeichnung nirgends genügen; zur Her-
stellung stattlicherer Denkmäler wurde daher im
Norden vorzugsweise Metall genommen".4)
Knackfufs kennt bezw. erwähnt, wie man sieht,
hier nur die einfachere, im blofsen Eingraviren
der Konturen bestehende Technik: unberück-
sichtigt läfst er jene andere kunstvollere Me-
thode des Ausgründens, über deren Unterschied
gegenüber dem ersteren Verfahren wir uns be-
reits früher in dieser Zeitschrift in einem Auf-
satze ausgesprochen haben, auf welchen, um
Wiederholungen zu vermeiden, hier einfach ver-
wiesen wird.6) Auch Alwin Scjutltz macht
keine weitere Unterscheidung: „durch Ein-
schneiden der Konturen einer Zeichnung in
eine Steinplatte", so sagt er, „kann eine zwar
bescheidene, aber doch trotzdem recht gefällige
Wirkung erzielt werden, zumal wenn diese tief
geschnittenen Linien mit einem farbigen Kitt
ausgefüllt werden und so sich von dem helleren
Stein deutlich abheben. Eins der ältesten Bei-

4) H. Knackfufs „Deutsche Kunstgeschichte",
1888, S. 408.

5) VV. Effmann „Ausgegründetes Steinbild werk",
Seite 175 f.
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