Zeitschrift für christliche Kunst — 1.1888

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1888. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr.

188

Bücherschau.

"K Beschreiben de Darstellung der altern Bau -und
Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen.
Auf Kosten der Kgl. Staatsregierung herausgegeben
vom K. S. Alterthumsverein. 9. 10. u. 11. Heft.
Amtshauptmannschaften Auerbach, Oels-
nitz, Plauen. Bearbeitet von Dr. P. Steche.
Dresden 1888, Meinhold. 8°.
Den früher erschienenen Heften des vorstehend
bezeichneten Werkes ist von den verschiedensten
Seiten her so viel lobende Anerkennung zu Theil ge-
worden, dafs es einer Empfehlung desselben hierorts
im Grunde nicht erst bedarf. Besonders hervorzuheben
ist der sichere Takt, mit welchem Dr. Steche die
rechte Mitte zwischen dem Zuviel und dem Zuwenig
einzuhalten versteht, in stetem Hinblick auf den Zweck
des Unternehmens, das grofse Publikum für die Kunst-
schöpfungen der Vorzeit zu interessiren, auf deren
Würdigung und Erhaltung hinzuwirken. Diesem Zwecke
entsprechen namentlich die so zahlreichen, durchweg
gelungenen, dem Texte beigegebenen Abbildungen
einzelner Kunstwerke und ganzer Ortschaften, sowie
die Zerlegung des Ganzen in einzelne, abgesondert
käufliche Hefte, so dafs auch minder Bemittelte sich
die Beschreibungen desjenigen Kreises beschaffen
können, für welchen sie sich vorzugsweise interessiren.
Wer die mit der Herstellung einer solchen Monumenten-
statistik verbundenen Schwierigkeiten kennt, wird es
schwer begreifen, dafs die Kraft Eines, dazu noch
amtlich in Anspruch genommenen Mannes ausreichte,
um binnen nicht ganz 5 Jahren die in Rede stehende
so weit wie geschehen zu fördern. Das Königreich
Sachsen ist in 27 Verwaltungsbezirke (Amtshaupt-
mannschaften) eingetheilt; demnach findet sich jetzt
die Aufgabe zum grofsen Theile gelöst. Die vor-
liegenden drei Hefte enthalten nicht weniger als
70 Illustrationen zum Text und 12 Beilagen, davon
G Lichtdrucke aus dem Atelier der Hofphotographen
Römmler & Jonas in Dresden. Was nur irgend auf
Kunstwerth Anspruch machen kann, findet sich kurz
beschrieben. Bauwerke ersten Ranges führen die ge-
dachten Hefte uns nicht vor, wohl aber eine Anzahl
stets von Grundrissen begleiteter Abbildungen inter-
essanter Bauten mittlerer Gröfse. Dazu zählt nament-
lich die Jakobikirche in Oelsnitz, eine zweischiffige
Hallenkirche mit reichem Sterngewölbe, abgesehen
von den Thürmen, während des erten Viertels des
XVI. Jahrhunderts nach einem Brande der alten Kirche
erbaut, eines von den so zahlreichen Belegen dafür,
dafs die deutsche Gothik sich keineswegs „ausgelebt"
hatte, als die welsche Renaissance sie zu verdrängen
begann. Eher könnte man sagen, dafs erstere allzu
lebendig geworden, allzusehr in Flufs gekommen war.
Ein Seitenstück zu dem ebengenannten Baue bildet
die St. Johanniskirche zu Plauen, deren Sterngewölbe
fast wie eine Nachbildung des vorbezeichneten erscheint.
Unter den Abbildungen machen sich flott skizzirte
Federzeichnungen besonders bemerklich, welche ganze
Ortschaften nebst ihren landschaftlichen Umgebungen
darstellen.

Nicht blofs den Freunden der Kunst und der Ge-
schichte ist das in Rede stehende Werk bestens zu
empfehlen, sondern auch den ausübenden Künstlern,
da die darin enthaltenen Abi)ildungen denselben schätz-
bare Motive verschiedenster Art an die Hand geben.
Hoffen wir, dafs es auch fernerhin raschen Schrittes
seiner Vollendung entgegengeht.

Köln. A. Reichensperger.

Die vatikaniche Ausstellung in Wort und
Bild. Von der Ausstellungs-Kommission autorisirte
deutsche Ausgabe. Wien, St. Norbertus -Buch-
und Kunst-Druckerei. 40 Lieferungen M. 16.—
Die „Zeitschrift" hat bereits wiederholt auf die
hohe Bedeutung der aus Anlafs des Priesterjubiläums
Papst Leo XIII. im Vatikan veranstalteten Ausstellung
hingewiesen. Das vorgenannte literarische Unter-
nehmen, von dessen deutscher Ausgabe — aufserdem
erscheint eine italienische, französische und spanische —
bis jetzt die 28 ersten Lieferungen vorliegen, hat den
Zweck, die nicht blofs in religiöser, sondern auch in
kunstgeschichtlicher Hinsicht so bedeutsame Ausstellung
in Wort und Bild zu verewigen und ein Urtheil über
das zu Ehren des Papstes Geleistete auch denjenigen
zu ermöglichen, denen es nicht vergönnt ist, die Aus-
stellung aus eigener Anschauung kennen zu lernen.

Aufser den Porträts des Papstes und der um die
Ausstellung besonders verdienten Kardinäle, Bischöfe
und Laien bringen die bislang erschienenen Hefte
grofse, meist ganz- und doppelseitige Ansichten des
Vatikans sammt der Peterskirche, des Ausstellungs-
palastes, der Hauptsäle und Gruppen, sowie nament-
lich getreue und grofse Abbildungen der hervor-
ragendsten, dem Papste dargebrachten Geschenke.
Unter diesen beanspruchen diejenigen der Fürstlich-
keiten durch materiellen Werth und kunstvolle Aus-
führung unsere besondere Aufmerksamkeit: die reich
gestickte Mitra pretiosa unseres verstorbenen Kaisers,
das für den Studiertisch des Papstes bestimmte Pracht-
kreuz des Kaisers und die kostbare Albenspitze der
Kaiserin von Oesterreich, der Arazzo mit der Dar-
stellung der Kreuzigung vom Prinzregenten von Baiern,
die in ihrem äufserst charakteristischen und schönen
Einband wie in ihrem Innern gleich beachtenswerthe
Biblia pauperum vom König von Sachsen, die goldene
Kanne nebst Unterschüssel von der Königin von Eng-
land, das kunstreiche Brillant-Pectorale des Kaisers
und das geschmackvolle kleine Weihwassergefäfs der
Kaiserin von Brasilien, das Schreibzeug und die
Sevres-Vase vom Präsidenten der französichen Republik,
der Reliquienarm des heil. Blasius vom Herzog von
Cumberland, die vom Sultan und von der Königin
von Spanien gespendeten Pastoral-Ringe u. s. f. Da-
neben bewundern wir die Gaben einzelner Städte,
Diözesen und Genossenschaften: die Tiara der Stadt
Paris, den kunstvollen Tragsessel der Stadt Neapel,
den in italienischer Gothik nach einem Entwurf des
erst 27 lahre alten Prof. C. Moretti in Mailand aus-
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