Zeitschrift für christliche Kunst — 1.1888

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1888. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 8.

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Bei 2 bilden farbige (abwechselnd gelbliche,
grünliche, röthliche) Seidenkordeln die Kon-
turen, während die Ausfüllung der Ranken
und Blätter durch nebeneinandergelegte Gold-
fäden gewonnen wird, bei denen der farbige
Ueberfangstich zum Effekte wesentlich beiträgt.
Die Blättchen an den Rankenausläufern sind
roth und gelb im Stilstich behandelt. — Zwischen
den einzelnen sich wiederholenden, aber or-
ganisch nicht verbundenen Rankengebilden
könnte je ein Inschriftfries besondere Gedanken
und nähere Beziehungen ausdrücken.

Bei 3 sind die Stickereien nicht direkt auf
den rothen Grund, sondern auf weifses Leinen
aufgetragen, welches entsprechend der Muste-
rung ausgeschnitten und durch Goldfäden-
konturirung auf dem Grunde befestigt ist. Ein-
zelne Linien innerhalb des Blumenornaments
sind durch bläuliche, röthliche, schwärzliche
grünliche Kördeichen markirt, während der weifse
Leinengrund durch eine Art von gestickter

Schraffirung nur an einzelnen Stellen eine
farbige Belebung erhalten hat.

Bei 4 besteht der gemusterte Grund aus
nebeneinander gelegten Goldfäden, denen der
röthliche Ueberfangstich eine vortrefflich wir-
kende Rautendessinirung verschafft hat. Diese
füllt den ganzen Grund aus bis auf diejenigen
Stellen, die von der Inschrift und den Rosetten
eingenommen werden. Farbige Seidenfäden und
Kördeichen haben sich auch hier zu der präch-
tigen Wirkung vereinigt, die der Achtpafs mit
den Lilienausläufern erreicht, eine vorzügliche
Umrahmung für das Wappen mit seinem Silber-
grunde und rothen Sparren.

Die vorstehenden näheren Angaben in Bezug
auf Technik und Färbung genügen vielleicht, um
den vier Stabmustern den Grad der praktischen
Brauchbarkeit zu verleihen, der auch geübten Di-
lettantinnen ermöglicht, aus ihnen gute Kartons
fürKaselkreuze u.-Stäbe, zu gewinnen, aber auch
für die Ausstattung des Zimmers. Schnütgen.

Kleinere Beiträge.

Roman. Taufstein zu Angelmodde.

Bei den von dem Architekten W. Rincklake
zu Münster geleiteten Restaurationsarbeiten
der Pfarrkirche zu Angelmoddel) — einem ein-
schiffigen, dem XII. Jahrhundert angehörigen
Gewölbebau — wurde jüngst ein interessanter
Fund gemacht. In der Nordwand der Kirche
stiefs man auf einen Stein, dessen Form sich von
dem ihn umgebenden Mauerwerk derart unter-
schied, dafs man sich zu einem Herausbrechen
desselben entschlofs. Die hieran geknüpften Er-
wartungen wurden nicht getäuscht, denn es kam,
wenn auch arg verstümmelt, ein Taufstein zum
Vorschein, der sich seiner ganzen Formgebung
nach als Altersgenosse der Kirche kennzeichnete.

Der Taufstein zeigt die nach unten etwas ver-
jüngte cylindrische Form; der sich über dem ein-
fach profilirten Sockel erhebende Mantel ist völlig
schlicht ohne irgend eine Verzierung; der obere
Abschlufs besteht aus Platte und kräftig vortreten-
dem Wulst. Der letztere ist mit einem reichen,
tief ausgearbeiteten Rankenornament verziert.

Der Durchmesser des Taufsteines war gröfser
als die Wandstärke: man hatte ihn deshalb auf

') Bekannt als Wohnort der Fürstin Gallitzin, die
auch hier an der Südseite der Kirche ihre Grabstätte
erhalten hat.

einer Seite in seiner ganzen Höhe um etwa
7s abgearbeitet, und fanden sich die hierbei
abgefallenen Bruchstücke ebenfalls noch vor.
An der Einmauerungsstelle war früher eine
Thiir. Dem Taufstein hatte man keinen höheren
Werth beigemessen, als sie schliefsen zu helfen.
Es dürfte das vorige Jahrhundert, sein, welchem
dieses Vergehen zur Last fällt, wenigstens zeigt
das jetzige Taufbecken — eine Steinhauerarbeit
gewöhnlicher Art — die Formen jener Zeit.

Es wird beabsichtigt, den Taufstein wieder her-
zustellen und ihm wiederum die Stelle einzuräu-
men, von der er verdrängt worden ist. W. E.

„Eine Galerie antiker Porträts."
So lautet die Ueberschrift über einer Reihe
von Artikeln, welche Georg Ebers zuerst in der
Allgemeinen Zeitung, sodann in Form einer
Broschüre veröffentlicht hat (die aufserdem einen
Aufsatz von Richter's über „die enkaustische Ma-
lerei der Alten" enthält). Es handelt sich um eine
grofse Anzahl von Bildern, die Herr Theodor
Graf in Wien mit zahllosen frühchristlichen
Geweben aus den seit einigen Jahren aus-
gebeuteten alten Begräbnifsstätten Oberägyptens
erworben hatte, und über die ich im Feuilleton
der Kölnischen Volkszeitung am 20. Sept. 1887
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