Zeitschrift für christliche Kunst — 1.1888

Page: 175
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/zchk1888/0107
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
175

1SSS. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST

176

Ausgegründetes Steinbild werk.

Mit Abbildung.

anzig nimmt unter den an architektonisch-malerischer
Schönheit hervorragenden Städten der norddeutschen
Tiefebene eine bedeutsame Stelle ein: nicht mit Un-
recht wird es gepriesen als das Nürnberg des Nor-
dens. Mehr als die kirchlichen Bauwerke sind es
die verschiedenen öffentlichen Gebäude, die statt-
lichen hauptsächlich dem XVI. und XVU. Jahrhundert
angehörigen Bürgerhäuser, welche der Stadt ihr cha-
rakteristisches Gepräge verleihen. „Man findet", so
sagt Lübke (Geschichte der Architektur, 6. Aufl. 1886,
II. Bd. S. 496) „in den älteren Theilen der Stadt
eine Menge reich geschmückter Fagaden von durchaus mittelalterlichem Auf-
rifs, aber mit antikisirenden Pilasterstellungen dekorirt. Am Aeufseren dieser
Häuser bilden eine Specialität Danzig's die sogen. Beischläge, breite Vor-
plätze vor den Fagaden, die mit Ballustraden oder auch prächtigen Gittern
eingefafst und mit Bänken versehen sind: als Ruheplätze in den Feierstunden.
Leider mufsten diese für den Gesammtprospekt der Strafsen höchst wirkungs-
vollen Anlagen, wie in anderen Städten, so auch in Danzig, den Anforderungen
des modernen Verkehrs immer häufiger zum Opfer fallen."

Dafs die Beischläge eine Spezialität Danzig's bilden, ist nun allerdings
nicht ganz zutreffend, aber richtig ist es, dafs dieselben sich nirgendwo in
solcher Schönheit und solchem Reichthum vorfinden wie in Danzig.
Die Bänke der Beischläge sind meist in Stein hergestellt: der üblichen Anlage nach stehen
sie senkrecht zur Front des Hauses. Als das der Strafse zugewendete Stirnstück einer
solchen Bank dürfte die mit dem Bilde des heil. Sebastianus geschmückte Platte zu erachten
sein, welche sich gegenwärtig in dem städtischen Museum zu Danzig befindet und in neben-
stehender Abbildung zur Darstellung gebracht ist. Ihrem ursprünglichen Zwecke mufs sie

Obige Initiale D ist einem Psalterium entnommen,
welches sich ehemals auf der Reichsabtei Werden be-
fand und gegenwärtig in der Pfarrbibliothek dortselbst
aufbewahrt wird. Die Pergamentblätter des stattlichen
Bandes enthalten eine reiche Zahl von Intitialen in ver-
schiedenartiger Ausführung und verschiedenen Gröfsen.
Wir verzichten darauf, an dieser Stelle nähere An-
gaben über die Farben-Anordnung zu machen: wir
denken die schönsten jener Initialen in dieser Zeit-
schrift mitzutheilen und wird es sich dabei vielleicht
ermöglichen lassen, die eine oder andere als Farben-
druck zu geben, da sonst doch kein ganz richtiges Bild
gewonnen werden kann.

Wir haben von einer Wiedergabe auf photographi-
schem Wege absehen müssen, weil die zarten, von dem
vergilbten Pergament sich vielfach nur schwach ab-
hebenden Linien nicht mit ausreichender Deutlichkeit
zum Vorschein kommen: wir haben deshalb der aller-
dings mühsameren, aber gröfsere Klarheit gewährenden
zeichnerischen Darstellung den Vorzug gegeben. Selbst
ohne Zuhilfenahme der B'arbe dürften diese flott ent-
worfenen Buchstaben vielfacher Verwerthung fähig sein.

Unsere Abbildung zeigt den Buchstaben in der halben
natürlichen Gröfse.

Das Psalterium enthält keine Angabe darüber, wann
und wo es geschrieben worden ist, gewährt also in Be-
zug auf die Entstehungszeit der Initialen keinen be-
stimmten Anhalt. Von der ehemaligen Abtei herrührend
befindet sich aber auf der Pfarrbibliothek zu Werden
noch ein Missale, welches in Schriftcharakler und Aus-
stattung mit dem Psalterium eine so nahe Verwandtschaft
zeigt, dafs man wohl berechtigt ist, für beide Bücher
den gleichen Ursprung anzunehmen. In seinem Schlufs-
satz enthält nun dieses Missale die Mittheilung, dafs es
am 81. Juli des Jahres 1481 von Johannes Sensenschmidt
im Kloster bei Babenberg (Bamberg) vollendet worden ist.
Derselben Zeit wird also auch das Psalterium zuzu-
schreiben sein. Die Initialen desselben reihen sich also
ebenso wie die des Missale zeitlich jenen des 9.—11. Jahr-
hunderts an, deren Veröffentlichung in dem ersten Heft
dieser Zeitschrift (S. 47/ 4S) in Aussicht gestellt worden
ist. Bei den späterhin milzutheilenden Initialen werden
wir uns kurz auf die Angabe beschränken, ob dieselben
dem Psalterium oder dem Missale entnommen sind.
loading ...