Zeitschrift für christliche Kunst — 1.1888

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1888. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 11.

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Vom religiösen Standpunkt befriedigt wohl
kein Gemälde der Ausstellung mehr als Friedrich
Keller's „Grablegung", ein Bild von mäfsigem
Umfang. Der traurige Vorgang ist ohne Rück-
sicht auf Nebendinge nicht nur mit ergreifender
Wahrheit und Natürlichkeit geschildert, sondern
auch — im Geiste der klassichen Italiener der
besten Zeit — im Gewände einer Schönheit,
welche bis zur idealen Verklärung durchdringt.

Wenn sich nun auch dem Besucher der
Münchener internationalen Kunst-Ausstellung
unter den religiösen Gemälden manches tadelns-
werthe aufdrängt, so kann er doch in vielen
Hinsichten etwas lernen und sieht viel ernst-
liches Streben, das von tüchtiger Begabung
zeugt, sowie mehrere hohe Leistungen, wahre
Monumente des künstlerischen Schaffens un-
serer Tage.2)

Geifslingen a. St. Albert Fuhrmans.

2) [Verschiedene von nicht minder urtheilsfähigen
Besuchern der Münchener Ausstellung mündlich oder
schriftlich mir zugegangene Mittheilungen, auch mehr-
fache Aeufserungen in der Presse lassen den vor-
stehenden Bericht des verehrten Herrn Verfassers in
einigen Beziehungen als etwas zu günstig, die Kritik
an einigen Stellen als etwas zu milde erscheinen. Um
so entschiedener spricht sich im „Archiv für christliche
Kunst" Nr. 11 der Herausgeber (Herr Prof. Dr. Keppier)
aus, der dem Artikel: „Eindrücke von den Münchener

Ausstellungen" eine längere Erklärung folgen läfst, aus
der die Heraushebung einiger Stellen sich empfehlen
dürfte. „Wir haben", so heifst es dort, „die Aus-
stellung verlassen mit einem unüberwindlichen Gefühl
des Ekels und der Nichtbefriedigung. Die ungefähr
zwölf schönen Profanbilder, die vortrefflichen englischen
Porträts, die fünf oder sechs ordentlichen religiösen
Darstellungen, die paar gut gemalten Landschaften
können nicht aufkommen gegen die gewaltige Ueber-
zahl von impressionistischen Schmierbildern, welche
lästig sich von allen Seiten herandrängen, um uns
mit dem Ekelhaften und Häfslichen in der Wirklich-
keit vertraut zu machen, von geistlosen Naturauf-
fassungen, von unsäglich blöden, witz- und sinnlosen
Genrebildern und endlich von tendenziösen Leistungen,
die mit bisher nicht dagewesener Frivolität das Heilige
im Koth umherziehen." — „Da erscheint es denn
doch als Pflicht, offen und laut Anklage zu erheben
__ nicht gegen die Künstler, welche ausstellen, son-
dern gegen die Ausstellungskommission, welche über
Zulassung und Nichtzulassung der Bilder entscheidet.
Sie hat sich selber gerichtet, hat der Münchener Kunst
vor allem den schwersten Schaden zugefügt und hat
dem grofsen allgemeinen Interesse der Kunst tiefe
Wunden geschlagen." — Den Beweis für die Berech-
tigung dieser schweren Anklage bleibt der Referent
nicht schuldig. Eine scharfe Kritik, die namentlich
für Uhde in jeder Hinsicht vernichtend lautet, führt
die wichtigsten Gravamina auf. — Am Schlüsse wird
in längerer feierlicher Apostrophe der Hoffnung Aus-
druck gegeben, dafs endlich die Erhebung erfolgen
werde, weil die Verirrung und Verwirrung den höchsten
Grad erreicht habe. Möge diese Hoffnung nicht zu
Schanden werden! D. IL]

Der hl. Christophorus in der romanischen Kirche zu Niedermendig.

Mit Abbildung.

ur ein Wandge-
mälde war bis-
her in der roma-
nischen Kirche
zu Niedermen-
dig sichtbar; es
stellt die Mut-
ter Anna und
Maria mit dem
Jesuskind dar.
Der Stil der Malerei und die Inschrift:

o sent anna hilff felber drittem

in gothischen Minuskeln weisen die Arbeit
dem Anfang des XV. Jahrhunderts zu. Damit
beschäftigt, dieses Bild zu kopiren, konnte
ich der Versuchung nicht widerstehen, sonst
die Wände auf Farbenschmuck zu untersuchen.
Ich klopfte an dem Sims des Pfeilers: es zeigte

eine goldene, blaue und rothe Färbung; ober-
halb des Sims zeigten sich überall Spuren von
rother, blauer und schwarzer Farbe, die sich
allmählig als Theile einer Bogenverzierung dar-
stellten. Auf rothem Grunde sind Säulchen, von
Bogen überspannt, in weifser Farbe ausgeführt,
die Zwickelfeldchen sind schwarz. Diese Arkaden
stehen konzentrisch auf dem Bogen, der selbst
wieder mit einem quadratischen Muster in Roth
und Weifs geziert ist. Wenn Gemälde vorhanden
sind, dann finden sie sich auf der Fläche unter-
halb der Fenster des Hauptschiffes; so dachte
ich und nachdem eine Leiter angestellt war,
dauerte es nicht lange und eine zwei Meter
grofse, von einer romanischen Architektur um-
gebene Figur eines Heiligen kam unter der
vier- bis fünffachen Tünche hervor. Die Archi-
tektur bestand aus zwei Säulen, deren Schafte
tief roth, deren Kapitale und Sockel schwarz-
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