Zeitschrift für christliche Kunst — 1.1888

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1888. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 6.

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gegeben sind, da wähle man getrost Messing-
beschläge ohne Versilberung, doch lasse man
Handarbeit fertigen. Wir können uns nicht
verhehlen, dafs dies nicht überall und so ohne
weiteres möglich ist. Dennoch wird selbst an
sehr kleinen Orten sich ein Schlosser oder ein
Kupferschmied finden, der nach einem vorge-
legten alten Originale eine sehr gute Buchecke
wird treiben und mit dem Ziehpunzen einfache
Ornamente wird aufbringen können. — Sollte
dies nicht der Fall sein, so ist Jeder, der mit
dem Zeichnen umgehen kann, in der Lage, eine
vorher fertig gernachte Ecke zu ätzen. — Die
Ornamente werden mit gewöhnlichem Asphalt-
lack, dem zur Verdünnung etwas Terpentin zu-
gesetzt wurde, und einem feinen Pinsel auf das
Metall aufgemalt, alle Kanten und die Rück-
seite aber ganz mit Asphalt gedeckt. Die so
vorbereitete Ecke wird in eine Porzellanschale
gelegt, die das Aetzwasser — halb Wasser, halb
Scheidewasser — enthält. In verhältnifsmäfsig
kurzer Zeit ist die Arbeit tief genug geätzt; die Ecke
wird in's Wasser geworfen, gut ausgewaschen, der
Asphaltlack entfernt, und der Beschlag ist fertig.

Sollen auch die Schliefsen gespart werden, so
kann man Binderiemchen — 1j2 cm breite Leder-
streifchen — einziehen, was durchaus richtig
ist, dabei einen immerhin guten Verschlufs ab-
gibt. — Was die Form von Ecken und Schliefsen
anlangt, so müssen wir auf die alten Vorbilder,
welche durchaus nicht selten sind, verweisen.
Der gedachte Zweck liefs es wünschenswerth
erscheinen, hier und da etwas breit zu werden;
möge diese Breite dem Schreiber verziehen wer-
den, der sich bemüht hat, auch dem Fachmanne
eine Anleitung zu geben, die diesen ohne Wei-
teres zum Versuche befähigt; auch ist ersterer
zu weiterer Auskunft gern bereit. — Mögen
diese Ausführungen dazu dienen, einer wenig
geübten Arbeitsweise im wohlverstandenen Inter-
esse des kirchlichen Kunstgewerbes die Wege
zu ebnen und den Handwerker der Erkenntnifs
näher zu führen, dafs zur Ausführung künst-
lerischer Arbeiten ein kostbarer Werkzeugbestand
durchaus nicht Bedingung ist, sondern dafs es
besser ist, das Handwerk zur Kunst entwickeln,
als aus der Kunst ein Handwerk machen.

Düsseldorf. Paul Adam.

4> Die alte Jakobikapelle zu Gielsdorf bei Bonn.

Mit acht Abbildungen.

nweit Duisdorf, der ersten Station an
der von Bonn nach Euskirchen
führenden Bahnstrecke, auf der öst-
lichen Abdachung des Vorgebirges,
liegt, von Obst- und Weingärten umgeben, das
freundliche Gielsdorf, ein zur Pfarre Lessenich
gehöriges Oertchen von etwa 400 Einwohnern.
Wie so manche Ortsansiedelung am Rhein, so
führt auch Gielsdorf seinen Ursprung auf die
Tage der Römerherrschaft zurück. ]) Die Stelle,
an welcher jetzt die Kapelle sich erhebt, im
Herzen von Gielsdorf, hatten die Römer zum
Bau einer Villa ausersehen. In dem Thurme
der Kapelle findet sich schräg über dem Ein-
gang ein Bruchstück eines römischen Grabdenk-
mals eingemauert, über dessen jetzt durch Verputz
verdeckte Inschrift die „Annalen des historischen

') Dr. Karl Theodor Du m ont „Geschichte der
Pfarreien der Erzdiöcese Köln", XXIV. Band, Dekanat
Hersei, bearbeitet von Pfarrer G. H. Chr. Maafsen,
S. 164 ff.

Vereins" weitere Auskunft geben.z) Bei der Er-
bauung einer neuen, südlich der alten belegenen
Kapelle im Jahre 1879 entdeckte man im trocke-
nen Mergel eine Begräbnifsstätte mit Skeletten
in sitzender Stellung; dicht neben dem Thurme
zeigten sich die Fundamente eines runden Ge-
bäudes und in Verbindung damit, an der Nord-
seite, Reste einer Gufsmauer aus verschiedenen
Steinarten; in der Mauer römische Münzen der
Kaiser Hadrian, Septimius Severus, Konstantin
des Grofsen, Konstantin IL, Tetricus und Valens.
Auf den Trümmern des untergegangenen
Heidenthums entstand die christliche Kultur des
Mittelalters: an der Stelle des römischen Land-
sitzes erhob sich die mittelalterliche Burg. Auch
sie ist verschwunden im Laufe der Jahrhunderte;
erhalten geblieben sind aufser der Schlofskapelle

2) „Arrnalen des histor. Vereins für den Niederrhein",
37. Heft, 1882: „Die römische Staalsslrafse etc. und
der Römerkanal am Vorgebirge", von Maafsen,
S. 90, 91.
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