Zeitschrift für christliche Kunst — 1.1888

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1888. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 11.

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Sehen wir uns nach Gegenständen um, die
eine mit dem Herdringer Kelche ähnliche oder
doch analoge Arbeit bieten, die in demselben
Charakter gehalten sind und dann also vielleicht
auch dem Meister Otto Meier zuzuschreiben
wären, so hat Herr Professor Dr. Kotthoff in
Paderborn schon lange vor Kenntnifsnahme jener
hier veröffentlichten Kalendernotizen Schätze
entdeckt und uns auf dieselben aufmerksam zu
machen die Güte gehabt, welche nunmehr eine
erhöhte und andere Bedeutung gewinnen.

Es befinden sich noch zur Zeit in Pader-
born drei Kelche, welche augenscheinlich von
der Hand desselben Goldschmieds gefertigt sind,
zwei im Domschatz, der dritte in der ehe-
maligen Jesuitenkirche. Alle drei erinnern in
der stilistischen Behandlung und ihrem Aufbau,
in der ganzen Art der Arbeit ganz entschieden
an den vorerwähnten Kelch in Herdringen. Der
eine im Dom, der herrlichste der drei, vom
Paderborner Domkämmerer Johann von Hanx-
leden im Jahre 1614 geschenkt, und der in der
Jesuitenkirche sind sich in Auffassung und Be-
handlung sehr ähnlich, prachtvolle Arbeit der
Renaissance ohne jeden Anklang an Gothik, und
besonders hervorragend durch die reiche ge-
schmackvolle Emaillirung an den Verzierungen
und der am Fufse angebrachten Wappenschilder.
Der in der Jesuitenkirche ist ein Vermächtnifs
der Äbtissin von Neuenheerse und Frau zu
Oelinghausen, Odilia von Fürstenberg, der schon
oben erwähnten Schwester Dietrich's und Cas-
par's, und das ist auch der zweite im Domschatz.
Die Inschrift an beiden nennt ihren Todestag
1621 März 7 und es ist aus ihrem (im Gräflich
Fürstenberg'schen Archiv zu Herdringen befind-
lichen) Testament und Kodizill bekannt, dafs sie
diese Kelche anzufertigen bestimmt und aus-
drücklich angeordnet hat, dafs der für den Dom
mit Perlen geziert werden sollte, was auch
geschehen ist. Sollten wir in dem Verfertiger
dieser drei Kelche, wozu der Herdringer als

vierter tritt, nicht vielleicht den aus vorstehen-
den Nachrichten neu aufgefundenen Otto Meier
als Meister vor uns haben ? Kein Zeichen freilich,
keine dahin deutenden Buchstaben, keine In-
schrift, soviel bisher konstatirt, bezeugen es oder
überliefern uns den Namen des Künstlers, dem
wir sie zuschreiben möchten. Also lediglich
Vermuthung — auf die Zeit, die Arbeit und
einige andere Momente aufgebaut.

Da Caspar von Fürstenberg schon im Jahre
1603 mit ihm in Verbindung trat, so wäre es
sehr wohl denkbar, dafs der dem Fürstbischof
Dietrich befreundete und verwandte Domherr
Johann von Hanxleden (Sohn der Catharina von
Canstein), der bei der Wahl unter Denen sich
befand, die ihm die Stimme gaben (Pieler S. 95)
ebenso wohl wie die Testaments - Exekutoren
Odilias, der Münstersche Domkellner und Dom-
herr von Paderborn Dietrich von Plettenberg,
ihr Vetter und ihr Neffe Friedrich von Fürsten-
berg, Caspar's Sohn, gerade diesen ihnen bereits
bekannten vaterländischen Meister mit jenen Ar-
beiten beauftragt hätten. Genauere Beschreibung
dieser schönen Kelche späterer Mittheilung vor-
behaltend, wird hoffentlich genauere kunst-
kritische Nachforschung Sicheres darüber an's
Licht bringen, ob unsere hier ausgesprochene
Vermuthung Anspruch auf Wirklichkeit erheben
kann und ob thatsächlich der durch Caspar's
Kalender der Vergessenheit entrissene und so
zu sagen neu ausgegrabene Goldschmied Meister
Otto Meier von der Lichtenau, der Vollender
des Herdringer Kelchs, dieselbe Person ist mit
dem künstlerisch so bedeutsamen und hoch-
begabten Goldschmied, welcher auch diese Ar-
beiten geliefert hat.

Der Erwerb eines neuen Künstlernamens
für Westfalen, den wir Caspar's von Fürsten-
berg Kalendern verdanken, wird Antrieb sein,
der Persönlichkeit und den Werken desselben
näher nachzugehen.

Godelheim.

Graf J. Asse bürg.

Die religiöse Malerei auf der internationalen Kunstausstellung in München.

was sie zu leisten im

ie Maler aller Nationen Europas und
selbst mehrere der neuen Welt haben
sich in diesem Sommer ein Stell-
dichein in der alten deutschen Musen-
stadt München gegeben, um die ganze grofse
Schaar der Kunstfreunde aller Länder zu er-

freuen und zu zeigen,
Stande sind. Lustig flattern die Fahnen ihrer
Heimathländer auf hohen Masten vor dem Ein-
gang zum Glaspalaste und bezeichnen die Stätte
des edlen Wettstreits. Vornehm und imponirend
empfängt den Eintretenden die mächtige Central-
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