Zeitschrift für christliche Kunst — 1.1888

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1888.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 12.

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die Siegel Ruotberts 949 (Urkdb. Nr. 220),
Heinrichs 959 (eb. Nr. 234), Theoderichs 973
(eb. Nr.276) sind entweder überhaupt unecht oder
gehören erst dem XII. Jahrhundert an (vgl. dazu
M. F. J. Müller, Trierische Kronik 1823, 123 f.
zu Hontheim Hist. dipl. I, 835). Müller
a. a. O. hat ein Siegel Eb. Egberts von 978
als frühestes Bischofssiegel beigebracht. Ur-
kunden Egberts von 978 (Mittelrh. Urkdb.
Nr. 286), 979 (eb. Nr. 288), 981 (eb. Nr. 293)
tragen in der That ein solches: aber ich bin
auch in Betreff ihrer Echtheit keineswegs be-
ruhigt, und die letzterwähnte Urkunde ist sicher
nur eine Ausfertigung des XII. Jahrhunderts,
wie das auch Görz gesehen hat (eb. II 634).
Festern Grund gewinnen wir auch mit den
Urkunden Ludolfs (a. 1000, Nr. 311 mit Lut-
winus dei gratia archiepiscopus!) noch
keineswegs. Erst mit Poppo scheint die Serie
unzweifelhafter Bischofssiegel mit dem Bild-
nifs des Erzbischofs zu beginnen. Von den von
ihm erlassenen und erhaltenen Urkunden tragen
die Nrn. 346 (a. 1036), 365 (a. 1016—47?),
368 (a. 1023—47) ein Siegel; die Urkunden
Nr. 350 (a. 1038) und 359 (a. 1042) sind wie-
der unecht und kommen darum nicht in Be-
tracht. Von Poppo's Nachfolger Eberhard haben
Siegel mit Bischofsbild die Nrn. 379 (a. 1052),
380 (a. 1052), 381 (a. 1052), 383 (a. 1053),
392 (a. 1058), 393 (a. 1059), 396 (a. 1061), von
Udo die Urkunden Nr. 414 (a. 1071), 419
(a. 1075). Wir kommen so zu Eb. Egilbert,
von welchem das Mittelrh. Urkdb. die beiden
Nrn. 423 (a. 1084) und 428 (a. 1088) als sigillirt

angibt. Aber auch die unter Nr. 449 angeführte
Urkunde Egilberts für den Grafen Wilhelm
von Luxemburg (vom Jahre 1095—1101?) war
besiegelt. Günther gibt zu Cod. dipl. L
Nr. 74, auf Tab. III Nr. XVI die allerdings
sehr unvollkommene Abbildung dieses Siegels,
welche indefs hinreicht, um die völlige Iden-
tität mit unserm Geringer Siegel erkennen zu
lassen. Das Siegel zeigt das Brustbild des
Prälaten, welcher mit dem Pallium bekleidet
ist, dessen oberer Arm den Hals des Bischofs
viereckig umschliefst (diese Parthie ist auf
dem Geringer Exemplar zerstört). Das Ge-
sicht ist bartlos, die Stirn ist abgeschnitten;
das Geringer Siegel hat den Kopf vollständig
und läfst eine Petrus-Tonsur erkennen. Es
zeigt weiter in der Linken des Bischofs das
(geschlossene) Evangelienbuch, welches dem
Güntherschen Abdruck wieder fehlt; beiden
fehlt der unzweifelhaft der Rechten beigegebene
Stab. Von der Umschrift hat die Günthersche
Kopie nur T V S Dl G — genau an den
unseren Geringer Siegel entsprechenden Stellen
— erhalten.

Es erhellt aus dem Vorstehenden, dafs Eb.
Egilbert zwischen 1079—1101 der Kapelle zu
Gering den Altarstein konsekrirte und über-
sandte ; zu dem Stein verwandte er eine alt-
christliche Grabschrift aus St. Maximin oder
St. Matthias, das Reliquiar verschlofs er mit
seinem Siegel; mit dem Ganzen hinterliefs er
uns einen willkommenen Beitrag zur Geschichte
des mittelalterlichen Altares.

Prof. Dr. F. X. Kraus.

Die gewebte Retable des Domschatzes in Regensburg.

Mit Lichtdruck (Tafel XVIII).

nter den im Spätherbste des Jahres
1887 zu Krefeld ausgestellten älteren
Webereien erregte eine dem Dom-
schatze in Regensburg gehörige
gröfsere Bildertafel die besondere Aufmerksam-
keit aller Sachverständigen. Und sie verdient es
in der That, weshalb ich sehr gerne der Auf-
forderung, in einer eingehenderen Beschreibung
sie zu würdigen, nachkomme. Zu dem Ende
wurde, da ihr etwas defekter Zustand eine
direkte photographische Wiedergabe nicht em-
pfahl, durch einen in der Stilistik erfahrenen und
gewissenhaften Zeichner der Schneider'schen

Glasmalereianstalt dahier unter Kontrolle eine
sorgfältige Kopie in der Gröfse des Orginals
angefertigt, und hiernach die photographische
Aufnahme, wie sie dieser Beschreibung beige-
geben ist, bewerkstelligt.

Das kostbare Gewebe ist Ende der fünfziger
Jahre durch Herrn Domvikar Dengler in Re-
gensburg, welcher damals als Student mit dem
Begründer des Diöcesan - Kunstvereins, Herrn
Pater Ildephons Lehner von Metten, eine
kleinere Forschungsreise machte, in der Sakristei
der Schlofskapelle zu Wörth a. d. D., vier
Stunden von Regensburg entfernt, zusammen-
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