Zeitschrift für christliche Kunst — 1.1888

Page: 265
DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/zchk1888/0159
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
26S

1888.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 8.

266

band in einer anderen und zwar ungleich mafs-
volleren Weise gebildet ist, welche indefs für
eine Darstellung auf ebener Fläche geeigneter
sein mag, als auf stark gekrümmten Kappen.
Auch zeigt hier die Ornamentik einen von jener
der übrigen Gewölbefelder sehr verschiedenen
Charakter. Die Verzierungen der anderen Kappen,
in denen sich ebenso wie in der gleichzeitigen
Buchornamentik naturalistische Blumen unter das
stilisirte Blattwerk mischen, sind stellenweise
etwas steif und ungeschickt gezeichnet. Doch
diese und andere kleine Mangel, wie z. B. die
nicht immer schönen Formen in den Schwin-
gungen der Spruchbänder, übersieht man gerne,
zumal die Maler es verstanden haben, neben
den vielen anderen Vorzügen ihren Werken auch
den Reiz gröfster Mannigfaltigkeit und Frische
zu verleihen. Jede der Figuren ist von den
übrigen verschieden, ja man darf wohl vermuthen,

dafs ein Gleiches auch in Bezug auf alle ehe-
mals an den Gewölben der Salvatorkirche dar-
gestellten Engelfiguren der Fall gewesen sei. Die
erstaunliche Phantasie mittelalterlicher Künstler
pflegt sich in derartigem Wechsel der Formen
auf das Glänzendste zu offenbaren.

Dem formalen Werthe der Duisburger
Gewölbemalerei entspricht auch ihr Inhalt.
Betrachtet man diese lieblichen Engelgestalten,
von denen jede ein Spruchband mit den Ver-
sen des unvergleichlich erhabenen ambrosia-
nischen Lobgesanges in den Händen hält, so
wird man unwillkürlich in eine weihevolle
Stimmung versetzt: man glaubt den feierlichen
Gesang jener himmlischen Bewohner zu ver-
nehmen, wie er durch die weiten Räume der
Kirche schallend, ununterbrochen das Lob des
dreieinigen Gottes verkündet.

Essen. G. Humann.

Zwei Denkmale Kölner Dombaumeister aus dem XV. Jahrhundert.

Mit Lichtdruck (Tafel XIV).

wei der trefflichen Meister, denen im
fünfzehnten Jahrhundert die Leitung
der Kölner Dombauhütte anvertraut
war, sind im Innern des Tempels
durch Epitaphien geehrt worden, wovon gegen-
wärtig, an verschiedenen Stellen zerstreut, nur
noch Bruchtheile vorhanden sind. Zu dem
älteren dieser Denkmale haben die vier in Stein
gemeifselten Statuetten gehört, welche auf der
beifolgenden Bildtafel über der gröfseren In-
schriftplatte aufgestellt sind. Durch die ihnen
beigegebenen Attribute sind sie sämmtlich als
Baukünstler charakterisirt. Der links zuvorderst
stehende, ein Mann mit ernsten, würdevollen
Gesichtszügen, hat den Mantel nach der rechten
Seite verschoben, wo aus einem Einschnitt die
linke Hand hervorkommt und eine Tafel hält,
auf der er mit der freigewordenen Rechten eine
Zeichnung zu entwerfen scheint. In ihm haben
wir den Obermeister zu erkennen, dessen Mit-
arbeiter und Untergebenen die drei übrigen sind.
Neben ihm folgt ein Mann, der, wie kleine Ueber-
bleibsel erweisen, in jeder Hand ein Werkzeug
gehalten hat. Was sich davon noch erkennen
läfst, ist zu unbedeutend, um einen sichern
Schlufs auf das Fehlende zuzulassen. Als Dritter
folgt ein Steinmetz, in der einen Hand den

Hammer, in der andern den Meifsel haltend.
Der Vierte könnte ein Parlirer sein. Mit beiden
Händen hat er einen Winkelhaken gefafst, an
welchem ein Richtblei angebracht ist. Dieses
Werkzeugs bediente er sich bei der Beauf-
sichtigung der Hüttenarbeiten und ihrer Auf-
stellung. Die Figuren sind von fast gleicher
Gröfse, etwa 42 cm 7 mm hoch; nur die des
Meisters überragt die übrigen um ein Geringes
durch die höher aufsteigende Kopfbedeckung.
Die zweite und vierte haben ein mönchisches
Aussehen. Alle sind polychromirt, in dieser
Beziehung jedoch in recht schadhaften Zu-
stand gerathen, theils durch Abstofsen, theils
durch Beschmutzung der Farben. Die Köpfe
sind in entschiedener Individualisirung dem
Leben nachgebildet.

Diese vier Statuetten befinden sich gegen-
wärtig im erzbischöflichen Diözesan-Museum.
1823 hatte der damalige Dom-Kirchmeister
Krakamp sie dem Dom-Steinmetz- und Maurer-
meister Joh. Jos. Schmitz zur Aufbewahrung
anvertraut. Dieser starb 1839. Im Jahre 1849
wurden' sie dem bekannten Kunstschriffsteller
Dr. Fr. Bock für das zu errichtende erzbischöf-
liche Museum übergeben, in welchem sie denn
auch bald darauf eine würdige Stätte für ihren
loading ...