Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 1.1925/​1928(1928)

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fanö ich in den genannten Akten nnd in einer unbekannten Arbeit Pechers
im „Rastatter Wochenblatt", 1806, S. 62, nvch einiges, das nicht uninteressant.

Der Grabstein wurde 1778, „zur -Zeit, öa öec Fkuß sich auf eine andere
Seite wandte", „aus dem verlassenen Grunde von Fischern gefunöen." Es
lagen „noch dreh solcher Monumente unweit der Brücke in der Kinzig".
Diese Brücke könnte vielleicht die Brücke zwischen Dorf Bühl und Weier,
nicht. die Osfenburger Kinzigbrücke sein. Jn dem Geh. Ratsprotokoll vom
8. Oktober 1803 besagt eine Stelle: „von dem Amtmann Pecher zu Bühl
entdeckten römischen Denkmäler (!) in der Kinzig", in dem Conclusum
wird Bühl als Wohnsitz des Amtmanns Pecher bezeichnet,' tatsächlich
war er auch im Frühjahr 1806 vorübergehend Amtmann und Amt--
schreiber in Stadt Bühl (vorher, 1805 in Oberkirch mit Sitz in Durbach,
später, Herbst 1803 in Offenburg). Die drei Steine aber konnten, weil zuöiel
Kies daralls lag, und weil nach dem Arteil öes Städtmeisters Hug bei öer
vorgerückten Jahreszeit „öie Menschen im nassen Grunde bei der iezigen
Witterung ohne Aachteil der Gesundheit (nicht) arbeiten könnten" (1803)
nicht geborgen werden. Der Grabstein unseces Centurio wurde nach Auf--
findung (1778) „sofort aus obrigkeitliche Beranstaltung in den hiehigsn Bür-
gerhof, ein städtisch-wirtschaftliches Gebäude, gebracht." Dort „hat man ihm
einen bösen Stand angewiesen; denn ec befindet sich dermalen neben einem
Dunghaufen an eine Ecke gelehnt, wo, wie es in der Bibel hsiht, der Mann
an die Wand p., und wo die vorbeyfahrenden Wagen daran streifen. Der
lehtere Amstand hat in der Mitte des Bildnisses Schaden getan, und der
erstere machte, dah die Jnschrift unterhalb wie mit grünem Moose über-
wachsen war." Pecher nahm sich darauf des Steines an und hat fich bei
dem Offenburger Magistrat bemüht, dem „Denkmal einen schicklicheren
Standort anzuweisen. Aber vergebensi denn in der hiefigen Gegend liebt
man heidnische Denkmäler nicht."

Die späteren Geschicke des Steines sind bekannt: 1854 befand sr sich iin
Garten des Kaufmanns Guerra (heute Borschuhbank) und ging von da 1839
durch Kauf in die Altertumssammlung Karlsruhe über.

Offenburg. Batzer.

Die Offenburger Läule des Lepümius Leverus.

Weihgerber, dem wir das Auffinden und Erhalten des Offenburger
römischen Meilensteins vom Jahre 74, „eines Denkmals allerersten Aanges"
verdanken, hat diese Arkunde im Offenburger Gymnasialprogramm von 1841
irrig in die Zeit des Kaisers Septimius Severus und zwar 202 n. Chr.
angesetzt, u. a. „weil ich (Weihgerber) endlich auch einen etwa 5 Fuh hohen
alten Stein hier fand mit der Aufschrift--B C-->.' welche ich, mit Zustim-
mung eines ausgezeichneten Altertumskenners, des Geh. Hofrates Kärcher,
öer den Stein besichtigt, so erklärte:

(^ dem Kaiser Septimius Severus, dem Afrikaner)."

(Seite X). Rappenegger führt die Jnschrift in seinen „Aöm. Jnschriften".
S. 106, wieder aufi Zangemeister ist sehr mihtrauisch und meint, wenn die
Inschrift antik sei, so handle es sich doch gewih um ein lat. Fragment („West-
deutsche Zschr.", 3, 248). Wagner verzeichnet sie in seinen „ Fundstätten"
nicht. Der Stein galt schon bei Zangemeister als wieder verloren gegangeni
doch stand er im Garten des Handelsmannes Guerra, in dem eine ganze
Sammlung aufgestellt war, auch die röm. Denkmale Offenburgs, und wurde
später voin Borschuhverein dem Städtischen Museum geschenkt. Das Denkmal
ist eine einfach profilierte Säule der Renaissance, die im Kapitäl die Zahl
1557 in den damaligen Zügen trägt!

Off enb ur g. B a tz e r.

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