Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 1.1925/​1928(1928)

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Was gerade örese Anlage so wichtig macht, ist öer Hmstanö, dast es bis
jetzt öie römische SieöÄung ist, öie hier am weitesten gegen öen Schwarzwalö
vorgeschoben erscheint. Svdann 'liegt sie an einer austeroröentlich wichtigen
Stelle öes von öem Gelänöe vorgeschriebenen Verkehres der Menschheit. Hier
hat die im Altertum unö im Mittelalter nie begangene Schlucht der Schlücht
ihr Ende erreicht und weitet sich in einem lielichen, flachen Talgrunöe. Von
hier geht der alte Pah hinüber über öie Mettma (über Riedern) hinauf nach
Beerau mit dem vorgeschichtlichen Ringwall. Don hier aus erschlieht fich
auch der ganze Rieöel zwischen Mettma unö Schlücht bis hinauf nach Bug-
genried und Seewangen. Hier mündet auch der Verkehr vom unkeren
Schlüchttal über die Hvchfläche. Hier konnte öer Verkehr an einem wichtigen
Knotenpunkte erfastt weröen. üknd nach Analogie ähnlicher Anlagen unserer
Gegend zweifle ich nicht öaran, dast unsere Anlage eben der Kontrolle unö
Erleichterung, fowie der Sicherung dieses Verkehres diente. Dast sich diese
Anstalt auf die Landwirt'schast und Viehzucht stühen mustte, ist selbstverständ-
kich, und so öürfen wir gewih von einer villa rustica reöen, vhne das übrige
von vornherein ausM'schliehen.

Zum Schlusse sei noch bemerkt, dast auch diese Anlage in der Aähe eines
„ingen"-Ortes liegt^ da bekanntlich in unserem Alamannenkande diese Jngen-
orte die ältesten al-amannischen Siedelungspunkte darstellen.

Karl Heck. Professor, Waldshut.

Kastell HLLfingen.

Ein vorläufiger Bericht^.

Wenn ich hier eine Darstellung öer Grabungen öer letzten Jahre im
Kastell Hüfingen gebe, so bin ich mir selbst am meisten bewustt, dast die
Llntersuchungen noch nicht so weit gediehen sind, öast ich abschliehende Er-
gebnisse bringen kann. Aber ich glaubt emich trotzöem öem VZunsche eineck
Äeberblicks über das bisher Gefunöene nicht ver'sagen- zu dürfen, hier einmal
die bisherigen Ergebnisse, so lückenhaft sie noch sind und so sehr sie nöch
weiterer Stützung durch Grabungen bedürfen, öem stlrteil öer.Fachgenossen
vorzulegen. Wer in dem beigegebenen Plane, öen Prof. Leonhard entworfen
und in den ich die letzten Grabungen eingetragen habe, öie snLrgische Ver-
solgung einmal angeschnittener Fragen vermiht, der mag bedenken, dah
unsere Vewegungsfreiheit durch die Vücksicht auf die Feldbestellung stark
eingeschränkt wurde und dah wir manchmal gerade da aufhören muhten, wo
eine Fortsetzung der Grabung starke Förderung versprach, ohne dah es uns
auch in der folgenden Grabung möglich war, da wieöer einzusetzen, wo wir
vorher aufhören muhten.

Kastell Hüfingen liegt etwa 4 tzm südlich der Donauquelle auf dem Gal-
genberg, einer Höhe, die das Südufer der Vreg, des südlichen Quellflusses
der Donau, begleitet, kurz ehe sich diese in die Ebene des Aieps ergiejstt.
Die Höhe gehört geologisch bereits dem Keupergebirge an, das hier in seinen
obersten Schichten aus sogen. Gipskeuper besteht. Währe-nd im weftlichen
Teil des Kastellgeländes grobzellige, poröse Zellendolomite das gewachsene
Gestein bilden, in das die Kastellgräben unö Fundamentgruben einge-
schnitten sind, sind es im südöstlichen Teil schmutzig grüne Keupermergel.
Auf dieser Llnterlage liegt in den westlichen und nördlichen Partien eiue
20—60 cm tiefe Ackerkrume. Die römifche Kulturschicht ist hier vollständia
abgeschwemmt und nur in Fundamentgruben und Kastellgräben erhalten.
Sowohl westlich wie südlich des Pfeilerbaus öagegen hat sich eine starke
Kulturschicht erhalten. Wie die Verhältnisse im südlichen Teil öes grvsten
Lagers liegen, vermag ich noch nicht zu sagen.

Steil fällt der Vordhang der Höhe in das Vregtal ab,' ebenso hat öer
Galgenberg im Westen einen Steilhang nach einem Trockental zu, in öem öas
Kastellbad steht. Auch an der Ostseite zog einstens eine kleins Mulöe vom

^ Erschien auch in der „Germania", 1926.
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