Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 1.1925/​1928(1928)

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mnen Dodendurchme.sser von 20 cm. Sie ist von Hand gefertigt, auhen rauh,
erdfarbig unö trägt unter dem weMg auslchd-enden Rande eine Linie ein--
gestochener dreieckiger Punkte. Die Wandstärke beträgt 12—12 min. Das
Gefäh säklt auf, einesteils durch seine auherordentliche Gröhe, andernteils
duvch seine Form. Während die cklrnen öieser Zeit sich gewöhnlich oben,
über der Schulter verengen unö in einen zhlinövischen Hals übergehen, ist
dies hier nicht öer Fall. Die Vorgänger öieser Form dürsen wir in öen
grohen Vorratsgefähen der Michelsberger Kultur der Steinzeit erblicken.
Ein verwandtes Stück sand sich in einem Grabhüge-L im nahen Ried bei
Khringen h ein weiteres auf dem älrnen-Frieöhof bei Rheinweil^r 2, sowie
2 blrnen, die zu Endingen gesunden worden sind i 2lus öem Elsah ist mir
diese Fvrm nur einmal bekannt von einem Gräberfelöe an der DanngrenzL
öer beiden Gem^inden Ober- unö Vieöerenzen, Kreis Gebweiler, aber alle
öiese ülrnen sind kleiner als öie von Jhringen.

Man kann vermuten, dah sich aus der Lerrasse „Sohle" noch mehr solcher
Brandurnen befinden, aber sie sitzen jedensalls zu tief, um bei der Bear-
beitung der Reben getroffen zu weröen. Die Befitzerin des Grundstückes
mit öer cklrne versicherte mir, es wäre ihres VZissens noch niemals etwas
gefunden worden. Diese Angabe bestätigte ein 80jähriger Anwohner. cklr-
sprünglich hat unsere cklrne sicher nicht 2 m unter öer Bodenvbersläche gestan-
den, der hohe Erdauftrag erfolgte erst im Laufe der Bahre durch Äuf-
schwemmung und öie Kulturarbeiten.

Die VZohnstätten und öas Ackerlanö der Leute, welche ihre Toten aul
der „Sohle" beisetzten, öürften in nächster Aähe zu suchen sein. Jch nehme
an, öah sie auf öer unteren gröheren Terrasse, dem „K irch graben",
lagen, wo der ckleberlieferung nach öie erste Kirche öes Dorfes -Jhringen ge-
standen haben soll. cklnb hier erhob sich jedenfalls auch öie Siedelung der
unmittelbar folgenden Hallstattleute, die ihre Verstorbenen in den 21 Tumuli
des vorgelagerten Riedes bestatten, dessen Boden damals vielleicht noch nicht
anbaufähig war.

Karl S. Gu 1 mann, Breisach.

Line neuenldeckle Höhensiedlung bei Zechlingen.

Ülm dieMitte des Monats April 1924 stieh der Rebmann Markus Gerhard
in Jechtingen bei Erstellung einer neuen Rebanlage auf seinem Grundstück
oben auf dem Rücken des 250 m hohen „Hohberg", Gewann „Geihhorn".
auf eine bedeutende Kvhlen- und Aschenschicht, in der sich viele Tonscherben
und Tierknochen befanden. VZenige Tage vor Pfingsten erhielt ich hiervon
gelegentlich Aachricht. Heute, den 6. Juni, Psingstmontag, nahm ich im
Beisein des Eigentümers Gerhard eine Ortsbesichtigung vor. Glücklicher-
weise war längs des einen Rebgrabens eine freigelegte VZand teilweise stehen
geblieben und deshalb der gröhte Teil des Profils sichtbar. Bch war mir
sofort klar, dah es sich um eine prähistorische Wohngrube handelt, öie 3,20 m
lang war. Das Profil zeigte oben 40 cm Ackererde, öarunter 40 cm asch-
graue und schwarze Kulturschicht, worauf 50 cm eingefüllter Löh solgten,
unter welchem, nach Aussage Gerhards, eine etwa 35 cm mächtige Aschen-
und Kohlenschicht lag, dann kam öer festgetretene Boden der Grube. Jn der
untersten Schicht, im nördlichsten Teile öer Grube, befand sich eine Herdstelle,
erkenntlich an der reinen Asche, an den am Rande öes Feuers liegenden
verkohlten Holzteilen, an dem von der Glut rötlich gebrannten Lehmboden
und einigen gröheren Herdsteinen. Jn dieser Schicht lagerten sowohl Scher-
ben als auch Tierknvchen, auherdem einige Lehmpatzen vom Hüttenbewurf.
Die obere Kulturschicht soll nur Scherben enthalten haben aber in reicher
Anzahl. Der Zugang zur Grube wurde von Gerhard genau erkannt: er

^ VZagner, Fundstätten und Funde I, 1908. S. 192/93.

2 VZagner, Fundstätten und Funde I. 1908. S. 171.

^ VZagner, Fundstätten und Funde I. 1908. S. 199.

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