Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 1.1925/​1928(1928)

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Folgerungen: Aus diesein Besund ergeben sich sür öie Vorgeschichte
Zentraleuropas ebensosehr wie für unsere Kenntnis der vorgeschichtlichen
Technik eine Reihe bemerkenswerter Folgerungen. Zunächst ist prhärtet,
dah die ostphrenäische Megalithkultur nur in ihrer ersten Stuse mit den
Glockenbechern verbunden ist; hierauf scheinen sich öiese irgendwie abge-
spalten zu haben^, die Megalithiker aber gelangten, besinfluht öurch die
Seine-Oise-Marne-Kultur, bis an den Hochrhein. Leider ist die Keramik
dieser letzten Stuse der Megalithkultur nicht bekannt. — Dah hiermit ein
zweimaliger Vorstotz (Glockenbecher, ostpyren. Megalithiker) beöeutenöer
Teile westeuropäischer Kulturen zu Beginn öer Metallzeit sicher nachge-
wiesen ist, unterstützt von neuem die Ansicht von Diollier und Kraft, dah das
erste Metall in die Westschweiz und an den Hochrhein voü Westen her ge-
langte. Jm Anzeiger für Schweizer Altertumslunde für 1927 bin ich hierauf
näher eingegangen und erinnere hier nur an die lilbernen Fingerspiralringe
von Riedisheim bei Mülhausen i. E. und Löhningen bei Schasshausen.

Für unsere Kenntnis der allgemeinen Kultur jener Zeit ist öie technische
Seite sehr wichtig. Der Sandstein muhte, obwohl Kalkstein näher unö
leichter zu erreichen ggwesen wäre, aufgesucht, gewonnen unö transportiert
werden, was einen gewissen primitiven Steinbruchbetrieb voraussetzt. Die
Vehauung des Kalkfteins ist mit öer Behandlung öer Steinmonumente der
Seine-Oise-Marne-Kultur wie der ornamentbedeckten Steins aus Kurhessen
zu vergleichen. Die Symmetrie von Aufrih und Grunörih öer Anlage wie
die das praktische Vedürfnis bei weitem übersteigende Höhe sprechen sür
eine Vaugesinnung, die auch uns Heutigen Ehrfurcht einflöht.

G. K r a f t - Freiburg i. Br.

Ueber emige prähistorische Aefugien
im siidöstlichen Vaden. II.

7. Die Erdbesestigung beiöer KapelleLinz (Abb. 100).

Sie kann koum als Ringwall bezeichnet weröen unö befindet sich nord-
westlich von Owingen und südlich vom Gehöft Häusern. Auf dem Vlatte
Heiligenberg Ar. 137 der topographischen Karte ist sie bei Sig. 707,4 und
ösm VZorte Cap. Linz roh bezeichnet.

Sie bedeckt einen etwa 250 in langen und höchstens 40 m breiten Verg-
vorsprung, der sich von der Hochebene aus nach Süden zu erstreckt und all-
seits steil und rasch in die Tiefe fällt. Man hat den Eindruck, als ob die
Ost- und VZestseite noch künstlich versteilt wären. Der Antergrund ist nur
aus den Sanden der oberen Sühwassermolasse gebildet.

Zunächst steigt der Vorsprung von der Hochsläche aus etwa 3 m rasch in
die Höhe. An der höchsten Stelle geht dann ein Graben und öaran an-
schliehend ein VZall quer über ihn hinweg. Veiöe sind etwa 40 m lang
und etwas nach Vorden gekrümmt. Der VZall mag 2 m hoch unö der

^ Dgl. Vosch-Gimpera in kevue ^rcbeoloxigue 1925: VZanderung der
Megalithkultur nur bis Südostsrankreich, hierauf Llebertragung der Glocken-
becher als einzelner Form an ein ostfranzösisches Dolk, öas nun nach Aorden
und Osten wandert; ich möchte aber sowohl für öie Megalithkultur wie für
die ältere Grottenkultur die VZanderung mindestens bis an öen Oberrhein
sich erstrecken lassen.

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