Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Patzold, Steffen
Episcopus: Wissen über Bischöfe im Frankenreich des späten 8. bis frühen 10. Jahrhunderts — Mittelalter-Forschungen, Band 25: Ostfildern, 2008

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.34736#0050

DWork-Logo
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
II. Wandlungen im Wissen über Bischöfe:
Die Jahre um 800 und um 900 im Vergleich

Im Laufe des 9. Jahrhunderts wandelte sich das Wissen über Bischöfe, über ihren
Platz in der Ordnung der irdischen Welt, über ihr Verhältnis zum Herrscher und zu
den Geistlichen und Laien ihrer Diözesen grundlegend - und damit auch die Macht,
über die die Prälaten verfügten. Wie tiefgreifend der Wandel war und welche As-
pekte er umfaßte, möchte ich in diesem Kapitel zeigen. Zu diesem Zweck zeichne
ich vorerst nicht die gesamte Entwicklung nach, sondern stelle am Beispiel der Hi-
storiographie, der Kapitularien, der Konzilsakten, der Urkunden und der Hagiogra-
phie ausgewählte Texte aus der Zeit Karls des Großen und aus den Jahren um 900
nebeneinander. Auf diese Weise werden die Veränderungen im Wissen über Bi-
schöfe am besten erkennbar. Der so aufgezeigte Wandel ist dann in den beiden
nachfolgenden Kapiteln mit weiterem Material zu belegen, zu differenzieren, ge-
nauer zeitlich zu verorten und zu erklären.

A. Historiographie:
Die »Annales regni Francorum« und Reginos »Chronicon«

Die jüngere Forschung hat ein genaueres Bild von den Funktionen und dem gesell-
schaftlichen wie politischen Kontext der Geschichtsschreibung in der Karolinger-
zeit erarbeitet. Fest steht inzwischen, daß die meisten Historiographen dieser Zeit
gewissermaßen cMm im cf sfMdio arbeiteten. Wer im 9. Jahrhundert Geschichte zu
Pergament brachte, wollte in der Regel nicht nur Bericht erstatten, sondern verfolgte
weitergehende Ziele, oft politischer Arb. Absicht der Verfasser war nicht der fakten-

1 Den besten Überblick bieten nach wie vor WATTENBAcn/LEVisoN, Geschichtsquellen 1953;
WATTENBAcn/LEVisoN/LöwE, Geschichtsquellen 1973; und DIES., Geschichtsquellen 1990; die
Editionen und die einschlägige Literatur werden jeweils bei der Analyse der Einzelwerke ge-
nannt. Einen Überblick über die karolingische Historiographie geben GANsnoF, L'historiogra-
phie 1970,645-660 und 663-684; McKiTTERicx, Audience 1994; iNNEs/McKiTTERicx, Writing
1994; sowie umfassend jetzt McKiTTERicx, History 2004; vgl. außerdem GoETZ, Verschriftli-
chung 1993, und DERS., Vergangenheitswahrnehmung 1999. Zur Kriegsdarstellung: ScHARFF,
Kämpfe 2002,87-105. Speziell zur späten Karolingerzeit: LÖWE, Geschichtsschreibung 1967. Zu
den Herrscherbiographien HAGENEiER, Topik 2004.
2 Vgl. für die Reichsannalen schon RANKE, Kritik 1854; als neuere Beispielstudien BECHER, Eid
1993 (zu den Reichsannalen) und DERS., Krise 2003 (zu weiteren Texten bis zur Zeit Ludwigs
 
Annotationen