Zeitschrift für christliche Kunst — 1.1888

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1888. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 6.

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zigung, die Pietagruppe und die Auferstehung
zur Darstellung gebracht. Die 'Wandgemälde ge-
hören der gothischen Zeit an und sind, wenn
auch nicht unbeschädigt, verhältnifsmäfsig wohl
erhalten. 2)

Zu einer genaueren Datirung des Chorbaues
fehlt es an einem bestimmten Anhalt; der Um-
stand indes, dafs an den Fenstern ausschliefs-
lich der Rundbogen zur Anwendung gekommen
ist, berechtigt zu dem Schlüsse, dafs die Er-
weiterung der Kapelle im XII. oder XIII. Jahr-
hundert vorgenommen worden ist. 2)

Da dieselbe für das Bedürfnifs der Jetztzeit
auch in diesem Umfange nicht mehr ausreichte,
wurde im Jahre 1880 nach dem Plane von
V. Statz in Köln eine neue gröfsere Kapelle
erbaut. Dieselbe ist aus freiwilligen Beiträgen
der Gemeinden Gielsdorf und Oedekoven als
zweischiffige gothische Hallenkirche in Ziegel-
rohbau ausgeführt; in der Richtung von Norden
nach Süden sich erstreckend, bildet der in ihrer

!) An der Ostseile sind sie durch einen unmittelbar
an die Wand gerückten Zopfaltar ebenso wie das hier
befindliche, aber jetzt vermauerte Fenster verdeckt.
Eine sachgemäfse Restauration dieser figurenreichen
Bilder wäre dringend zu wünschen. Auch in dem
älteren Theile der Kapelle sind Reste von Bemalung
sichtbar.

2) Otte-Wernecke „Handbuch der kirchlichen
Kunstarchäologie", 5. Aufl., 2. Bd. S. 69, erwähnen
unter den romanischen Bauten mit folgenden Worten
der Kapelle von Gielsdorf: „Kapelle, fünfseitig ge-
schlossen , mit schwerfälligem viereckigem Thurm.
Krypta". Diese Angabe ist dem Obigen entsprechend
richtig zu stellen.

Längenaxe liegende Thurm der alten Kapelle
ihren Nordabschlufs. Mit der alten Kapelle ist
sie durch die Anlage einer in der Westnische
der Südwand angebrachten, also der alten Nord-
thür analogen Thür in Verbindung gesetzt: eine
dieser entsprechende Thüranlage neben der West-
seite des Thurmes führt von Aufsen in das
westliche Schiff der neuen Kapelle. Es ist so
von dem (beiden Kapellen gemeinsamen) Thurme
nach Osten und nach Süden ausstrahlend eine
Gebäudegruppe reizvoller Wirkung geschaffen:
ein anziehendes und nachahmungswürdiges Bei-
spiel, den Forderungen der Gegenwart wie der
Vergangenheit in praktischer Weise zugleich ge-
recht zu werden. Wer da weifs, wie häufig noch
immer und nicht am seltensten in hochkultivirten
Städten, unersetzliche Werke der Vorzeit spur-
los vernichtet werden, wird den Männern die
Anerkennung nicht versagen, welche es sich
haben angelegen sein lassen, hier in ländlicher
Abgeschiedenheit ein mit dem Entstehen und
der Geschichte ihres Heimathsortes eng ver-
knüpftes Bauwerk zu erhalten. Gerne schliefsen
wir uns deshalb den Worten des Dumont'schen
Werkes an: „Die Kapelle ist eine uralte adelige
Stiftung, für die Geschichte der Baukunst wie
der Pfarre gleich interessant, und darum ihre
Erhaltung nach dem Neubau dankend anzuer-
kennen". Der hieran geknüpften Mahnung „nur
ja nicht durch neue Veränderungen die alte Form
zu zerstören", fügen wir den Wunsch an, dafs
die Zeit einer würdigen Wiederherstellung der
alten Kapelle nicht mehr fern sein möge.
Münster. W. E ffm a n n.

Kleinere

Das grofse Reitersiegel des Erzher-
zogs Rudolf IV. von Oesterreich. ')

Mit Abbildung.

Im Stadtarchiv zu Köln befindet sich das
Prachtsiegel an einer Urkunde vom 25. Mai 1363,
Haupt-Urk.-Arch. No. 2386. Der Text des
Privilegs, welches den Kölner Kaufleuten Ver-
günstigungen für den Tuchhandel in Oesterreich

Beiträge.

gewährt, ist durch Lacomblet, Urkb. f. d. Gesch.
d. Niederrheins Bd. 3 No. 648 zum Abdrucke
gebracht. Ennen hat dann in den Quellen
zur Gesch. d. St. Köln 4 No. 426 darauf hin-
gewiesen, dass ein dem gegenwärtigen sehr ähn-
liches Siegel desselben Fürsten bereits 1867 im
Geschichtsfreund (der fünf Orte Luzern, Uri etc.)
Bd. 22 veröffentlicht worden sei. Nun 'macht
aber weder die Lithographie in der schwei-

') Vgl. über diesen prachtliebenden Fürsten u. a.
A. Huber „Herzog Rudolf IV. von Oesterreich";
J. Schneller „Die schmucken Siegel Erzherzogs

Rudolfs IV. von Oesterreich" im (schweizerischen)
„Geschichtsfreund" 22 S. 1—18; A. Bruder „Stu-
dien über die Finanzpolitik Herzog Rudolfs IV. von
Oesterreich".
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