Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 38.1927

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INNEN-DEKO RATION

architekt walther sobotka-w1en kleines wohnzimmer. kaminwand

VON DER NEUEN WOHNFORM

die kommende grosstadt-wohnung

Wohnung und Wohnen kann dem Wohnenden ver- Zweckes hin: die Loslösung und Befreiung des in beruf-
schiedenes bedeuten. In jedem Falle jedoch wer- liehen Bindungen angespanntest Arbeitenden zu gestalten
den, gefühlsmäßig oder bewußt, diese Dinge als etwas sein. . . Jenes Bedürfnis nach »Freiheit und Beweg-
von Beruf und Arbeit zu Sonderndes betrachtet, als et- lichkeit im Hause« ist als Gegengewicht gegen die
was, das neben diesem Pflichtmäßigen als sinnvoller und »Bindungen im Arbeitszusammenhang« begrün-
berechtigter Ausgleich seine eigene Geltung hat. . Das det, ist aber durchaus nicht mit dem Arbeitstempo als
Besondere einer Wohnung liegt nun darin, daß sie, auf die gleiche »Hast« oder »Unrast« zu identifizieren; es
den Menschen bezogen, zwar von Berufsmäßigem sich besteht für sich; man könnte, — um paradox zu formu-

prinzipiell sondert, aber doch mittelbar bestimmt ist Heren, — vom »Tempo der Ruhe« sprechen.......

durch die Art der Arbeit, die heute ganzer Lebens-Sinn Daraus ergibt sich aber auch die Tatsache, daß die

ist. Doch handelt es sich durchaus nur um eine Gesamt- Wohnung öfter gewechselt werden wird: der Großstädter

haltung; alles, was zum Arbeitstechnischen zu zählen ist, trägt letzten Endes wieder etwas vom »Nomaden« an

gehört nie in den Wohnraum. Neben der Art der Arbeit sich, der, ohne Zusammenhang mit einer Scholle, aus der

werden vor allem Arbeits-Rhythmus und Arbeits- er erwuchs, sich öfter verändert. . So wird eine Wohn-

Tempo von ausschlaggebender Einflußnahme auf die form entstehen, die als Voraussetzung größten Komfort

Wohnungsgestaltung sein. Am deutlichsten wird sich bei rationellster Raumaufteilung mit stets vorhandenen

das in einer Kulturphase wie der unseren manifestieren, Unterbringungs-Vorkehrungen — also vor allem eingebau-

deren wesentliches Symbol die Großstadt geworden ten Schrankgelassen — für alles, was Gepäck darstellen

ist, und die den Großstädter zum Typus des Kulturträ- wird, klug disponiert und in allem dabei die Möglichkei-

gers gemacht hat. Dem in großen, rationalisierten und, ten, der Wohnung das wesentlich Individuelle zu geben,

dem Sinne nach wenigstens, taylorisierten Zusammen- sie zu verlebendigen, unbenommen lassen muß. . Alles

hängen Tätigen wird bald auch seine Wohnung, — die Mobiliar wird dann von selbst, schon aus Rücksicht auf

wohl gar nichts mit seiner Arbeitssphäre zu tun haben Transportabilität jene »Leichtigkeit der Erschei-

darf, weil sie ihn völlig »entspannen« soll und muß, — nung« bekommen, die —■ sehr erziehlich — gediegenste

das werden, was man »Wohn-Maschine« nennen wird, handwerkliche Solidität in Material-Auswahl und Mate-

Das ist aber richtig zu verstehen: die Wohnung rial-Bearbeitung zur Bedingung macht, und die von uns

wird nicht nur im Technischen als Apparatur in gleicher jetzt schon angestrebt wird, um jenem ideellen Zwecke

Exaktheit, Sauberkeit und Konsequenz gebildet werden der Wohnung, der »Loslösung von starrem Zwange«,

müssen wie jede für eine bestimmte Leistung vom Ingenieur gerecht zu werden. . Das wird die neue Wohnung

geschaffene Maschine, sondern wird auch gleich rationell der Großstadt sein. Davor ängstigen sich noch viele,

und unsentimental auf eine Erfüllung ihres ideellen Aber der Weg führt dorthin.....Alfred wenzel-wien.
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