Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 38.1927

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INNEN-DEKORATION

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PROFESSOR KARL PULLICH. PFEILERSPIEGEL, TISCHCHEN UND LACKVITRINE. AUSFÜHRUNG: J. G. MÖRGENTHALER-ZUFFENHAUSEN

VOM PATHOS UND VOM ETHOS

DAS SACHLICHE UND DAS PERSÖNLICHE

Dem Deutschen eignet von allen Völkern Europas das war der Deutsche von jeher in diesem Verstände. Daher
geringste »Ethos« und das größte »Pathos«. Er die National-Eigenschaften der Innigkeit, der Sinnigkeit,
ist nur in Ausnahmefällen im gleichen Sinn »von innen des wertbetonten Gemüts. Daher seine Vorliebe für
heraus selbstbestimmt«, wie der Romane, der Angel- »Romantik« in jeder Form, seine Hochschätzung der
sachse. Er bestimmt sich selbst typischerweise nur Stillen im Lande. . Dem ausschließlich ethisch Einge-
mittelbar, von Herausstellungen aus, wie Wissenschaft- stellten erscheint hingegen jeder Wirker bedeutender,
liehe Richtigkeiten, soziale Wünschbarkeiten, konstruierte als der ethisch Unzulängliche, der in seinem Kämmerlein
Ziele, Pflichten. Entsprechend steht ihm das Sachliche noch so tief erlebt. Zweifelsohne ist auch wahr, daß
höher als das Persönliche, versteht er kaum, wenn je, »pathische Einstellung« einem Volk den Weg zur
wie rein Persönliches als solches geistig bedeutsam sein äußeren Größe sehr erschwert, — denn immer wie-
kann. »Erleben« — ein in andere Sprachen unüber- der stolpert es da über seine eigene »Freude am Erleiden«,
setzbares Wort — ist ihm seines Lebens subjektiv letzte Was den Menschen, prinzipiell gesprochen, zum Men-
Instanz. Und da der Mensch gewohnt ist, von sich auf sehen, zur Persönlichkeit macht, ist nicht sein Pathos, son-
andere zu schließen, so mißt er den Grad vorhandener dern sein Ethos: die mögliche Selbstbestimmung im
Tiefe am Grad vorhandenen Erlebnis-Werts, — dessen kosmischen Zusammenhang. Und die gelingt nur aus dem
gänzlich unbewußt, daß nur die Tiefe möglichen »Erleidens« Logos heraus, dem Prinzip aller Initiative. Wer im
so zu messen ist, nicht die des Tuns . . Die meisten ken- Pathos das letzte und höchste sieht, entscheidet sich
nen »Erleben« einzig in Form des »Fühlens« schlechthin, damit für das Objekt im Gegensatz zum Subjekt. .
und dies ist meist ohne tiefen Hintergrund. »Subjektivist« graf hermann Keyserling (in „menschen als Sinnbilder")
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