Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 38.1927

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XXXV1U. JAHRG.

DARMSTADT.

JULI 1927.

NEW BISMARCK-HOTEL IN CHICAGO

MODERNE DEUTSCHE EINRICHTUNGSKUNST IN AMERIKA

Im Zentrum von Chicago, gegenüber dem Rathaus
und Gerichtsgebäude, an der Hauptfinanzstraße
des Westens, Lasalle-Street, und der Haupt-The-
aterstraße, Randolph-Street, erstand, in der Rekord-
Bauzeit von 18 Monaten der gewaltige, zweiund-
zwanzig- und neunzehnstöckige Gebäude-Komplex
des mit allen Vollkommenheiten modernen Kom-
forts ausgestatteten, von Emil und Karl Eitel als
Bauherrn errichteten, von O tto K. Eitel geleiteten
»New Bismarck-Hotel«. Das Bauwerk, eines
der bedeutenden in der an Riesenbauten doch so
reichen Stadt Chicago — an der Stelle des seit
33 Jahren von Emil und Karl Eitel geführten alten
Bismarck-Hotels errichtet — umfaßt den eigent-
lichen Hotelbau mit neunzehn Obergeschossen und
vier Untergeschossen, das mächtige »Metropolitan
Office Building« mit zweiundzwanzig Stockwerken
und das 2500 Sitze fassende »New Palace Theatre«.
Die Baukosten mit Innenausstattung betrugen etwa
8 Millionen Dollar. Der Entwurf und die Bauleitung
oblagen den Architekten C. W. & G. Rapp in Chi-
cago, bei dem Entwurf der Fassaden war Architekt
Albert Eitel-Stuttgart mitbeteiligt, die künstle-
rische Innen-Ausstattung der Hotelräume er-
folgte in der Hauptsache nach Entwurf von Archi-

tekt Albert Eitel, der Hauptanteil der künst-
lerischen Einrichtung wurde unter Mitwirkung
deutscher Künstler und Werkstätten ausgeführt.
Architektonisch wirkt der Gesamtbau durch die
Einheitlichkeit und Geschlossenheit der Front be-
sonders imponierend. Im Erdgeschoß ist die Fassade
in grauem Granit ausgeführt, die nächsten drei Ge-
schosse sind mit Terrakotta verkleidet, die übrigen
in rotem Backstein belassen, mit Architekturteilen
in Terrakotta. Bei der Ausbildung der Fassaden
war der Architekt bestrebt, die Hauptwirkung
durch die Massen und das Material zu erzielen und
allen kleinlichen und konventionellen Zierat weg-
zulassen. Bei solchen Riesenbauten kann nur Sach-
lichkeit, welche durch die Konstruktion bedingt
ist, und allereinfachste Ausdrucksform gute Wir-
kung erzielen. Es war nicht möglich, von Grund
aus dieses Bestreben durchzuführen, da der Archi-
tekt nicht von allem Anfang an bei den Plänen mit-
wirkte und auch die Durchführung selbst nicht
überwachen konnte.. Auch im inneren Ausbau war
das Bestreben, von der überreichen konventionellen
Ausstattung abzusehen und die Wirkung in gutem
Material und nur einzelnen geschmückten Teilen
zu suchen. Der Hotelbau enthält im Erdgeschoß

1927. VII. 1.
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