Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 38.1927

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INNEN-DEKORATION 225

ARCHITEKT THILO SCHODER-GERA SPEISE-SAAL. BLICK ZUR BÜFETTWAND

UEBER RAUM-EMPFINDLICHKEIT

ZUSAMMENHANG VON RAUMKRÄFTESPIEL UND KÖRPERGEFÜHL

Was ist es, das wir in Innenräumen, die uns gefallen, so Bindungen fällt, den einzelnen Innenraum schon in dieser

genießen? Sind es die Zutaten: die einzelnen Möbel, Grund-Anlage wohltönend zu gestalten. Gerade unser

Teppiche, Bilder, die Farben, die den Raum im tiefsten heutiges, auf möglichste Platz- und Tragwand-Ausnutzung

Sinne »wohnlich« machen? Oder ist es nicht vielmehr ein angewiesenes Bauen kann nur eine oft sehr gleichförmige

Anderes, etwas, das hinter dem allem wirkt: ist es nicht und allem Intimeren abholde rechteckige Zelle schaffen,

vielmehr der »Raum« selbst, der uns gefangen nimmt und die dann eben von dem Innenarchitekten mehr oder minder

umfängt, und dem wir unser wohliges Empfinden danken?.. glücklich ausgenutzt, zum Wohnraum gestaltet werden muß.

Man gehe nach Pompeji und sehe, wie stark noch diese Und da haben nun all jene Einzelheiten der Möbel, der

leeren Räume auf uns wirken in ihren angenehmen Kurven Tapeten, der Farben und Teppiche große Bedeutung. Ihre

oder Nischen, obgleich kein Dach mehr mitwirkt an den Form, Farbe, Stellung gibt dem Räume dann jene »Phy-

Raumbildern. Man kann in solchen Raumgebilden wirk- siognomie«, die uns entweder erfreut oder verletzt. Hier

lieh von »absoluter Raumwirkung« sprechen..... liegt die Arbeit des Innen-Architekten, und es gab eine

Aber damit weichen wir aus ins Gebiet des grund- Zeit, in der sie fast höher eingeschätzt wurde als die des
planenden Architekten. Dessen Werk ist immer solche Außen-Architekten. Ich meine jene problematische Uber-
Grund-Anlage der Räumlichkeiten, und je feiner er räum- gangszeit, wo man in Bezug auf Außenarchitektur schon
körperlich — ja körperlich im menschlichen Sinne! — etwas resigniert, sich mit einem überkommenen Typus ab-
empfindet, eine umso durchgreifendere »Wohnlichkeit« gefunden hatte, und nun die ganze Intensität der Empfin-

wird er den Innenräumen zugrunde legen können...... dung und der Erfindung nach Innen verlagerte. Vorteile

Aber eben nur zugrunde legen. Nur den »Grund- und Schwächen solcher Einstellung stehen hier nicht zur

Akkord« weiß er damit anzugeben, auf dem dann der das Diskussion. Hier soll nur betont werden, daß unsere

Innere ausgestaltende Meister weiterbauen muß. Aber wir neueste Entwicklung der Gesamt-Architektur diese Sorge

wissen, wie schwer es bei all den Forderungen von außen, um Ausgestaltung der Innenräume mithereingenommen

von Konstruktion und Massierung eines Baublocks, von hat ins Heute, und daß es heute ein Ruhmestitel des

Schachtelung und bester Ausnutzung der einzelnen Innen- guten Wohnbaues ist, daß in ihm »Außeres« und »Inne-

räume im Gesamt-Grundriß, wie schwer es bei all diesen res« in den besten Leistungen »wie aus einem Guß« sind.

1927. VI. 2.
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