Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 38.1927

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INNEN-DEKO RATION

E. WEDEPOHL
GLASDECKE
U. LAMPE IM
SCHLAFRAUM

GLAS ALS BAUSTOFF IM INNENRAUM

NEUE ARTEN VON KRISTALL-SPIEGELGLAS

Bei den hier gezeigten Räumen (Seite 89—91) wurde
dem Architekten vom Bauherrn die Aufgabe ge-
stellt, Kristall-Spiegelglas als Baustoff zu verwenden.
Dieser Wunsch konnte ohne Schwierigkeiten erfüllt
werden bei der Gestaltung des Bücherschrankes im
Herrenzimmer, der vier große Schiebetüren aus Kristall-
Spiegelglas erhielt. Die Scheiben laufen auf Kugellagern
und haben den Vorteil gegenüber aufgehenden Flügel-
türen, daß ihre Konstruktions-Breite nicht so beschränkt
ist, daß sie nicht gerahmt zu werden brauchen, und daß
sie vor allem beim Einordnen und Herausnehmen der
Bücher in keiner Weise hinderlich sind. Der Einbau des
Bücherschrankes in eine vorhandene Nische ergab die
Möglichkeit zu einer neuartigen Beleuchtung, indem die
Decke der Nische mit sechs Scheiben aus chartreuse-
grünem mattiertem Kristall-Spiegelglas ausgelegt wurde.
Ueber diesen Scheiben ist die Beleuchtung angebracht,
wobei mit Hilfe von Reflektoren ein gleichmäßiges Licht
erzielt wird. Die Wirkung dieses zartgrünen Lichtes ist
eigenartig und reizvoll. . Schwieriger war für den Archi-
tekten die Aufgabe, einen Kamin ganz aus Glas herzu-
stellen. Glas ist ein so konsistenzloser, unkörperlicher
Baustoff, daß seine Verwendung ein großes Maß von

Vorsicht erfordert. In vorliegendem Falle wurde eine
Art Messinggerippe nicht nur als statisch-tragend, sondern
auch als optisch- körperbildend gewählt. Dieser Aufgabe
dient auch ein zartes Gitterornament, das die zwölf Tier-
kreise darstellt. In diese Messingrahmen wurden die Glas-
platten eingesetzt, und zwar als betonte Mitte ein großer
Spiegel, der die Aufgabe der Raum-Erweiterung hat.
Ihm zur Seite zwei Leuchtkästen aus chartreuse-grünem
Kristall-Spiegelglas, das auf der Innenseite mattiert ist.
Am Tage wirken diese Kästen schwarz, bei künstlicher
Beleuchtung schimmern sie in einem magischen Grün.
Der Unterbau ist aus einem neuartigen Material, nämlich
tief braun-violettem Opak-Glas, das wie geschliffener
Achat aussieht. Der ganze Raum erhielt eine indirekte
Beleuchtung in der Hohlkehle und keinen plastischen Be-
leuchtungskörper, alles Licht ist hier hinter die Raum-
grenzen zurückgerückt. . Für die Decke des daneben
liegenden kleinen Schlafraums (S. 89) wurde weißes
Alabasterglas gewählt, dessen milchweißer Schimmer
ausgezeichnet zu der glatten Fläche des Schleiflacks
stimmt. Das Licht der kleinen Deckenbeleuchtung wird
durch eine darunter gehängte Kristall-Spiegelglasscheibe
verteilt. Ein eigenartiger Versuch ist mit dem Wandarm
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