Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 38.1927

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INNEN-DEKORATION

AUSSTELLUNG: »DIE WOHNUNG«-STUTTGART GARTENZIMMER IM HAUS PROF. HANS POELZ1G

DIE NEUE BAU-GESINNUNG

RANDBEMERKUNGEN AUS DER PRESSE

Der starke Impuls, der von der gemeinsamen Ver-
wirklichung neuzeitlicher, schon lange angebahn-
ter Baugesinnung und Raumgestaltung in der Stuttgarter
Werkbund-Ausstellung ausgeht, rindet in der in- und aus-
ländischen Presse eine bemerkenswerte Resonanz. Einige
gutgefaßte Äußerungen seien hier wiedergegeben:

»Es geht darum«, — urteilt die »Frankfurter Zeitung«,
»mit den Mitteln der modernen Technik Menschen eine
Wohnung zu schaffen, die in rationellen Großbetrieben
stehen, Auto und Flugzeug benutzen, im Stadion den not-
wendigen Sport treiben und durch ihr massenhaftes Auf-
treten im Wesen bestimmt sind. Die neue Wohnung
muß zu dem veränderten Raumgefühl dieser Menschen
passen, sie hat sich polemisch zu verhalten zu der privaten
Abgeschlossenheit. . . Vielleicht deutet wirklich die An-
lage des Bebauungsplanes und der immer wiederholte
Versuch, durch das Einreißen von Zwischenwänden die
frühere Insichgeschlossenheit des Einzelmenschen nach
außen hin abzubauen, auf eine noch ungegebene Struktur
der Gesellschaft vor; vielleicht soll er aber auch nur dem
anonymen Sein des der kapitalistischen Wirtschaft ver-
pflichteten Massenmenschen Ausdruck verleihen. Alle
diese Erscheinungen sind mindestens doppeldeutig. Gleich-

viel aber, ob sie unter anderem auch über das herrschende
soziale System sich hinaus erstrecken: jedenfalls ent-
sprechen sie ihm, wie zu Beginn dargelegt wurde, in einer
bisher nicht erreichten Weise. Sie sind sein vollendeter
Spiegel; was immer sonst sie noch sein mögen. Bedürfte
es eines Beweises für diese ihre Spiegelhaftigkeit, so wäre
es durch den Puritanismus erbracht, den sie in allen ihren
Teilen bekunden. Nicht das Menschliche wird in den
neuen Wohnungen unmittelbar freigesetzt, sondern eher
der Mensch des heute geltenden Wirtschaftssystems, der

asketisch sein muß, wenn er ehrlich sein will.......

»Wir sehen in diesen modernen Einfamilienhäusern
übereinstimmende Züge, die in die gleiche Richtung
weisen«, — bemerkt die »Vossische Zeitung«. — »Keine
Protzerei mit einer, wenn auch kleinen »Flucht« von
Räumen zu Wohn- und Geselligkeitszwecken: vielmehr
genügt ein größerer Raum, meist abgeteilt in Wohn-
abteilung und Speisesegment, das oft, um die Trennung
zu betonen, eine Stufe oder zwei höher gelegt ist und,
selbstverständlich, in unmittelbarer Verbindung mit der
Küche steht. Oder man sieht für diesen größeren Raum
des Hauses eine Eventualteilung vor: durch harmonika-
artig verschiebbare Wände. Im übrigen erscheinen kleine
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