Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 38.1927

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INNEN-DEKORATION

DAS »MODERNE« UND DAS »NEUE«. Es wird
in der Gegenwart viel von »Modernität« gespro-
chen: zuviel, sagt man. Ich kann dem nicht völlig zu-
stimmen. Das »Moderne«, das Zeitgemäße, auch zeitlich
Bedingte, wird in Zeiten künstlerischen Aufschwunges
immer die Künstler heftig bewegt und stark beschäftigt
haben. Ich glaube nicht an eine Automatenhaftigkeit,
durch welche — wie von selbst — ein Stil geboren wer-
den kann. »Stil« setzt immer eine geistige Ordnung
voraus. Trotzdem kann man zugeben, daß nichts rela-
tiver und flüchtiger ist, als das »Moderne«, dessen äußere
Erscheinung, gemäß seiner im Wesen hegenden Verän-
derlichkeit, immer wieder eine andere ist und sein muß.

Es läßt sich das »Moderne« definieren als das »Wech-
selnde« im Sinne des »Werdenden«, d.h. des »Sich-Ent-
wickelnden«. Demnach braucht das »Moderne« nicht
immer zu gleicher Zeit auch das »Neue« zu sein. Defi-
nieren wir das »Moderne« als das Individuell-Wer-
dende, das »Neue« als das Kollektiv-Werdende,
— ein Unterschied von fundamentaler Bedeutung für die
Entwicklung der Kunst — so ergibt sich daraus gleich
die Tatsache, daß von einem Beginn des »Modernen«
oder des »Neuen« nie die Rede sein kann. Ursache und
Wirkung hängen untrennbar zusammen und folgen auf-
einander im Laufe des Geschehens: es gibt keinen Anfang
und kein Ende: es gibt nur Bewegung. . . j. j. p. oud.
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