Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 38.1927

Page: 187
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/innendekoration1927/0207
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
INNEN-DEKO RATION

187

ludwig
k o z m a
wandarm
vergoldet

SCHÖPFERISCHES PRINZIP

Wir haben im Geistigen in erster Linie ein Wirk-
lich e s zu sehen. In Wirklichkeit gibt es nur leben-
dige Geister von bestimmter, einerseits einziger, an-
dererseits gewiß im Rahmen eines Typus begreifbarer
Einstellung, deren Wert für andere einzig davon abhängt,

ob und inwieweit sie f ö r d e r n.............

Zweifelsohne steht hinter dem Ich, nach innen zu
gesehen, ein Geistig-Wirkliches, dessen Wissen und
Macht jenes weitaus übertrifft. Dieses Wirkliche reicht
über das Individuum hinaus und wurzelt im Kosmos.
Gelingt es dem Menschen, mit diesem eins zu werden,
so kann sich daraus nur Steigerung, nicht Schwächung
ergeben. . Schöpferisches Wirken erfolgt nicht
von Ich zu Ich, sondern von Unbewußtem zu Un-
bewußtem, denn in diesem Urgrund liegen alle Bilde-
kräfte, wohingegen das bewußte Ich ein »ausgestaltetes«
Organ ist — ohne Wandlungsfähigkeit aus eigener Kraft.

Leben entsteht immer nur aus noch »Plastischem«
heraus. Nichts anderes besagt die uralte chinesische
Lehre, daß nur die »Keime« sich beeinflussen lassen. .

Warum gilt die bloß »technische« Leistung als
minderwertig neben der »inspirierten«? Weil die Ich-
Welt die Welt des grundsätzlich »Fertigen« ist: der
Normen und Normiertheiten, welche ein für alle Male da
sind und nach denen man »sich richten« kann.
Wesentlich schöpferische Techniker sind immer mehr
als Techniker, sie stehen innerlich über ihrem Können.
Technik im Sinne »bloßen Könnens« schafft, am Maßstab
echter Schöpfung gemessen, nie anderes als »Ersatz«.

Der »Magier« verkörpert das schöpferische Prin-
zip des Geistes in männlicher Modalität. An ein
männlich-geistiges spirituelles Prinzip unter Menschen
wird noch heute grundsätzlich nicht geglaubt. Unsere
Zeit denkt noch in den Kategorien des »weiblichen« Lo-
gos. . Der männliche Logos ist nur befruchtend: nur An-
stoß, Dynamik, Initiative. . graf Hermann Keyserling,

1987. Y. 3.
loading ...