Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 38.1927

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INNEN-DEKORATION

Iii

ausstellung gebr. schürmann-köln speisezimmer. entwurf: fritz aug. breuhaus

KULTUR UND TECHNIK

grundsätzliches, von GRAF hermann keyserling

Das Wort Kultur bedeutet, eigentlich verstanden, stand. . . Nie mehr wird die Technik aus der Welt zu

nicht mehr und nicht weniger als: Lebensform als schaffen sein, sie wird ganz sicher weiter erobern und

unmittelbarer Geistes-Ausdruck. Diese kurze Be- siegen, bis daß sie den ganzen Planeten unterworfen hat.

Stimmung schließt alles ein, was über Kultur überhaupt Und dies vor allem aus dem Grunde, daß es sich beim

ausgesagt werden kann: daß sie »Gebundenheit« ist an Technischen nicht um Außerordentliches, sondern um

eine lebendige Vergangenheit, — und damit »Verpflich- »Selbstverständliches« handelt. . Wenn die Technik das

tung«; daß jede ihrer Äußerungen »sinnbildlich« ist, — schlechthin Selbstverständliche ist, dann wird sie bald

in der doppelten Akzentuierung, daß alles Kulturhafte auch faktisch als selbstverständlich gelten. . . .

sowohl Sinn darstellt, als diesen in entsprechender Bild- ★

haftigkeit verkörpert; daß sie »ausschließlich« ist und Und dies bedeutet, daß die Technik das menschliche

eben deshalb äußerlich streng begrenzt; daß sie ein wesent- Interesse bald kaum mehr bannen wird. Schon heute be-

lich »Einheitliches« ist, weshalb jedes Einzelne an ihr deutet sie — trotz ihrer größeren Ausbreitung — nicht

immer das Ganze voraussetzt und auf dieses zurückweist. annähernd mehr soviel als vor zwanzig Jahren. Ihr »Uber-

★ raschungs-Charakter« ist dahin und wird nie wieder-
Kultur ist ein geistiger Organismus. Die gleiche kehren — denn grundsätzlich ist alles der Tech-
Definition bestimmt, wann äußere »Zivilisation« — die nik fortan noch Mögliche vorauszusehen......

sehr wohl Kultur sein kann, — nicht mehr Kultur ist: ★

wenn ihr Ausdruck nichts Innerliches mehr bedeutet. Die Errungenschaften der neuzeitlichen Technik wer-

★ den so zur an sich unbeachteten Grundlage jedes
Die unbegrenzte Anwendungs-Möglichkeit, — unab- späteren Zustandes. Und damit wird Kultur im Sinn
hängig von Raum, Zeit und allen sonstigen Bindungen,— von »Lebensform als unmittelbarem Geistes-Ausdruck«
die jedem Produkt der reinen Technik eignet, wider- aufs Neue möglich werden, — und zwar in einem um-
spricht an sich möglicher Kultur, wie solche bisher ge- fassenderen Sinne als je vorher. Der Geist wird sich ver-
blüht hat; was allerorts und jederzeit als Lebensform mittels der technisch beherrschten Natür grundsätzlich
möglich ist, kann nicht unmittelbarer Geistes-Aus- ebenso »eigentümlich« ausdrücken können, wie nur
druck sein. . Wo die Technik hindringt, dort hält keine je in der Antike und im Rokoko. . Hier liegt denn die Er-
Lebensform des vortechnischen Zeitalters auf die Dauer lösung von der Technik, — soweit solche nötig ist. G. h. k.
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