Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 38.1927

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INNEN-DEKORATION

OBERBAURAT JOSEF HOFFMANN-WIEN WOHNHALLE IM LANDHAUS AST IN VELDEN

MATERIAL UND S C H Ö PFE R WILLE

DIE WECHSELWIRKUNG VON GEIST UND MATERIAL

Die Frage nach dem Verhältnis der inneren Gesetze Wertvolleres oder Wertloseres) enthält, als die Intention
des Materials zu dem »Schöpferwillen« des des Schöpfers hineingelegt hat. . . In allem, was wir
Menschen läßt sich dahin beantworten: eine geistige schaffen, besteht außer dem, was wirklich wir schaffen,
Kraft muß hinter dem »Zwang« gegenüber der Materie noch eine Bedeutung, eine Gesetzlichkeit, eine Frucht-
stehen, jenem Zwange, dem — wenn auch widerstrebend barkeit »jenseits« unserer eigenen Kraft und Intention«.)
— der Stoff sich fügt. Träger der geistigen Macht ist Freiheit und Zwang sind beides Faktoren, die des
allein die vollentfaltete Persönlichkeit, nicht eine Menschen Leben gestalten, und so vermögen sich beide
schöpferische Impotenz voll handwerklichen Geschicks, im Kunstwerk zu objektivieren als Ausdruck des Lebens-
die sich genialisch gebärdet. . Nur den Sieg des Wert- gefühles ihrer Schöpfer. Zur Erzielung eines ästhetischen
vollen erträgt unser Empfinden; es genießt den Ausdruck Wertes kommt es nur darauf an, daß eine harmonische
des Zwanges, den der Geist dem Stoffe aufdrückt, aber Wechselwirkung von Geist und Material oder ein ent-
es versagt seine Nachfolge der Herrschaft des »Pseudo«- schiedenes Uberwiegen des einen über das andere im
Geistes über das Objekt, wobei der Eindruck bloßer Ver- Kunstwerk sich offenbart. Eine wesentliche Eigenschaft
gewaltigung entsteht. . Mit dieser Einschränkung aber des Kunstwerkes ist es, daß es zur Verwirklichung in
glauben auch wir, »daß in einem Menschenwerk, vielleicht der äußeren Welt erst gelangt, nachdem es durch die
in jedem, das ganz aus der Schöpferkraft der Seele stammt, »Vision« des schöpferischen Menschen hindurchgegangen
mehr ist, als in seine Form hineingeht — wodurch ist. . Kunstwerke sind den Gesetzen des Naturgeschehens
es sich von allem bloß mechanisch Entstandenen unter- nur insofern unterworfen, als die »Willkür« des Menschen
scheidet«. (Georg Simmel: »Allenthalben spielt zwi- selbst durch die ewigen Gesetze allen Geschehens be-
sehen Schöpfer und Werk dieses einigermaßen unheim- stimmt und gebunden erscheint, vornehmlich also durch die
liehe Verhältnis: daß das zu Selbständigkeit gelangte historische Struktur des Bewußtseins und dessen psycho-
Werk noch etwas anderes (mehr oder weniger etwas logischen Aufbau. . . dr. leo adler. (in »wesen der Baukunst.»)
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