Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 38.1927

Page: 473
DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/innendekoration1927/0493
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
INNEN-DEKORATION

473

bundenheit hinaus sich erhebende Leben. Um diese Frei-
heit zu erlangen, muß äußerste Erleichterung der Bewirt-
schaftung unserer Wohnung nicht nur durch technische
Neuerungen, sondern schon im Grundriß vorgesehen sein. .
Der »Typ«, die Wohnung soll nicht etwas sein, was »bin-
det«, sondern etwas, was befreit. Für Massen-Woh-
nungen würde man damit schließlich dahin kommen, eine
vollkommene Elastizität des Grundrisses zu erreichen
und damit sich jedem Bedürfnis der Zeit anzupassen. . .

Eine neue Zeit hat neue Arbeits- und Wirtschafts-
formen gebracht, hat uns geistig entwickelt. Es ist not-
wendig, die Wohnung diesen neuen Bedingungen anzu-
passen. Es ist notwendig, von Grund aus sich klar zu
machen, welche geistigen und materiellen Be-
dürfnisse in jedem Einzelfalle die Grundlage der
Wohnung bilden, es ist notwendig, die Wohnung unserer
Zeit nicht nur als Isolierzelle aufzufassen, sondern sie
in jeder Beziehung in das Ganze einzuordnen. . . .

Es scheint uns jetzt hohe Zeit zu sein, diese »neue
Wohnung«, wie sie in unseren Gedanken lebt, mit dem
Leben in Berührung zu bringen. Man sollte bedenken,
daß es eine ungeheure Verschwendung an Mitteln und
Kraft bedeutet, wenn man die Wohnungen heute nicht
so vernünftig und gut baut, wie man irgend kann.« . r.

NATUR —LEBEN —MASCHINE

Die Maschine — Natur auch sie, jedoch überlistete
und gezwungen sich selber knechtende Natur —
kann Leben zerstören, niemals jedoch es erzeugen! Daß
wir die Wirklichkeit wahr begriffen, weil wir sie maschi-
nell bezwingen, das gälte nur in einer entnatürlichten
Welt, die auch ihrerseits eine Maschine wäre, wohin-
gegen den entsprechenden Beweis für eine lebendige
Welt erst die Lebens-Erzeugung auf dem Wege der
Leistung erbrächte. Allein, sowenig wir einem Toten
Leben einhauchen, sowenig ist es auch nur denkbar, daß
wir jemals eine Maschine erschüfen, welche empfände.
Und zeigt uns nicht der flüchtigste Blick auf den wirk-
lichen Sachverhalt, daß Werkzeug und Maschine das Reich
des Lebendigen befehden, die Organismen in riesiger Zahl
vertilgen, das Antlitz des Planeten in immer rasenderem
Tempo verwüsten? Drangen wir tiefer ein in das Wesen
der Adlerseele, seit wir Flinten haben, den Adler aus-
zurotten? Enthüllten wir das Geheimnis des Hochwalds,
nachdem wir Fabriken errichtet, die bald auch den letzten
Wald verwandelt haben in Zeitungspapier? . . Wir be-
zwingen freilich maschinell die Natur, allein nur im Maße
der Vertilgung des Lebens in ihr. . ludwig klages.

1. d. we1s-
senho;f-
siedlung

stuttgt.

prof. adolf g. schneck-st litt gart. bücherschrank mit verschiebbaren spiegelglas-scheiben
loading ...