Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 38.1927

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INNEN-DEKORATION

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PROFESSOR GEORG ALEXANDER MATHEY-LEIPZIG WANDMALEREI IM SPEISEZIMMER Dr. M. K.-LE1PZIG

mit dem geistlosen Kopieren alter Vorbilder wäre nichts ein modernes Rokoko heiterster Prägung. Oder an die

getan, der Schaden bei weitem größer als der Nutzen. vornehme Gehaltenheit Wals er'scher Fresken im Hause

Ich bin überzeugt und möchte es wünschen, daß eine Paul von Mendelssohn, darin der ganze Reichtum einer

großzügige Tapetenfabrik diesen Plan sehr bald aufgreift. sehr kultivierten Palette. Von alten Bauten aber an die

EinBedarf ist bestimmt vorhanden, Räume für Mal er ei luftigen Zaubereien aus Papier und Leimfarbe in diesem

oder Bilder-Tapete sind genug da, und bei Neubauten Kleinod an der Havel, das wir so heben: dem Schlößchen

sollte viel mehr mit der Möglichkeit ihrer Anbringung Paretz. Räume, die immer wieder neu und beglückend sind,
gerechnet werden. Ländliche Räume, die sich mit Türen Genug endlich mit dem Verzicht auf Farbe, den man

ins Grüne öffnen, Musikzimmer, Speisezimmer, Winter- uns so lange vorgepredigt hat — es kommt nur darauf

gärten sind wie geschaffen dazu. Freilich sollte solche an, die richtige Farbe an die richtige Stelle zu setzen.

Malerei immer etwas Blühendes haben —: lichte, Vielleicht werden eines Tages wieder die Maler mehr

heitere Farben müssen die Materie von der Schwere Räume, und weniger Ölbilder malen. Dies aber wäre

befreien. Ich denke gerade an eine entzückende Arbeit das Zeichen, daß die Malerei nicht mehr länger heimatlos

von S1 e v o g t im Hause Hugo Simon in Berlin: ein Winter- ist, sondern wieder eingeordnet in denlebendigen Kreis des

garten, die Malerei Ol auf Goldmosaik, sehr frech, im Lebens. Die gepriesene Freiheit der Kunst ist oft nur

ersten Moment frappierend — und in der Wirkung be- Formlosigkeit — wir jedoch, wir glauben an ihre ewige

zaubernd. Aus dem schimmernden Grunde heben sich Bindung. »Um zu leben, braucht sie den Zwang — aber

braune Akte, glitzernde Vögel und leuchtende Blumen: sie stirbt an der Freiheit« (Andre Gide)......G. A.M.

1927. IV. 4.
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