Bund Deutscher Kunsterzieher [Hrsg.]
Kunst und Jugend — N.F. 7.1927

Seite: 258
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laffe sich werfeii von den besonderen Umständen,
nnter denen er seine Arbeit verrichtet, folge persön-
lichen Nelgungen seiner S6)üler und seiner selbst,
sowett er sie innerlich vertreten kann als der Er-
zleherarbeik znlrnglich. Dann aber, nach diesem ge-
trennken Gehen, heijzk es für uns: vereink schlagen.
Unsere Orksgruppen, Proviiizialverbände, die bisher
als „Verelne" im üblichen Vinne ihre Äefriedigung
fanden im Debakkieren, sie inüssen zusammenwachsen
zu „Arbelksgeinelnschaflen" init dem Ziel der Her-
nusskellung unserer neuen Ziele. „An Ihren Früchken
sollt Ihr sie erlienneii". Alnn wende nicht ein, dasz
daS als Äelilame llberfliissig odec gar unserer un-
wlirdlg sei. 2n diesem unferin demokrakischen Zeit-
alter mik Ihrem Wahlspruch: Freie Vahn dem Tüch-
kigen — heiszt es, seine Tüchtlgkelk, die elnem freie
Bahn schaffen soll, öffenklich nachzuweisen. Dazu die-
nen geineinsame Ausskellungen an öffenklichen
Orken, in Museeii oder sonskigen passenden, günstig
gelegenen öffenklichen Gebäuden. Man läd die
Pre se, vervollständigk und verlebendigt das Bild
durch Führungen, Borkräge, Aussprachen, Borfüh-
rungen, gewährk Hospitakionen in geeigneten Schu-
len. 2n allen gröszeren Skädten, überall In Nord und
Süd ein solches Aufzeigen nnseres pädagogischen
öiönnens, es müszke und wttrde uns Frllchte ein-
tragen in Form von Anerkennung, Würdigung und
Unkerstllszung, wo wir bisher auf Gleichgülkigkeit
oder Ablehnung stieszen.

Elne solche Schau wäre lange und gewissenhaft
vorzubereiken, mit verkeilken Rollen wäre an die
grosze GemeinschaskSarbelk zu gehen, die doch wie-
üer auf einen feskzulegenden Zielpunkt loszuftreben
HStte.

Themen für Beranskalkungen gesäzilderter Art
ergeben sich mannigsach. Umfaffend wäre vielleicht
der Kunst- und Merkunterricht In seinem heukigen
Umfang aufzuzeigen. Alles was an Zelchnen und
Malen nach der Natur, aus dem Gedächknls, üer
Phankasie, an graphischen Techniken, Enkwerfen, For-

men, Schrift, alles was an Werkkechniken in iiiiser
Gebiet fällt und von uns durch gute Beispicle zu
belegen wäre, wllrde ln einer solchen Schau zur ruhi-
gen, ästhelischen, einwandsreien Wirkung gebrachl
werden und so erst die Möglichkeit geben, unser In
dis Tiefe und Äreike aujzerordenklich gewachsenes
Gebiet zu Lberschauen und zu werten.

Weikere Möglichkeiken ergeben sich leichk, so z. B.
der Mensch im Kunstunterricht: Der Mensch in der
Darskellung des noch nicht schulpflichkigen, llber daS
Krlhelstadium eben hinausgewachsenen Kindes, die
schematische Darskellung der ersten Schuljahre, beides
in ein paar Veispielen vorbereitend. Dann daS gleich-
falls gedächtnismäsiige, kypisierendeGeskalken in Sezka-
Quarta, das den Menschen unbefangen selbstsicher
in all seinen Berrichkungen und Zuskänden ersasii,
darüber hlnaus die skudienhafken Bemühungen des
Schülers der Mikkelsrufe, und danach die zusammen-
fassende, von reiferem Können getragenen Darstel-
lungen der Oberstufe, unter Anwendung der ver-
schiedensten Techniken. Weiter wäre zu zeigen die
Berwendung der menschlichen Form im Äerkunker-
richk, in der Papparbeit ekwa ihr Aufkreken in
Schmuckpapieren, bei Schakkenspielen, Masken, auf
Kästen, Lampen, Transparenken, in der Holz- und
Metaliarbeit bei Aussägearbeiken und Neliefs, end-
lich seine bühnenmäszige Darstellung, die im Ge-
stalkungsunterrichk durchdacht und vorbereitei wird.

Ein weiteres Gebiet wäre dle Darskellung heimak-
licher Formen, Skadt- und Landschaflsbilder, kunst-
geschichtlicher Einzelheiken an Bauken, Darslellungen
aus Museen und so fork. Damik liesze sich verbinden
eine Auslegung von Äeiseskizzen und Bildern, Reise-
mappen, Neisekagebüchern und dergleichsn.

Möglichkeiten geschilderter Art gibk es noch eine
Reihe. Es wäre Berhandlungsgegenskand der einzel-
nen Gruppen, darllber ins Äeine zu kommen und
ekwas zu sinden, was eineskeils als Arbeit zusagke,
andernkeils unserer Sache und unserm Ansehen zu-
träglich wäre.

Farbe, Form und Lon

Ueber die Darslellung musikallscher und anderer akusklscher Elndrücke lm Kunskunkerrlchk

Bon Nudolph G

3m 1. Zefk des „Kunskblakts der 3ugend" (1927)
heiszk es in einer mit H. F. unkerzeichneken Bespre-
chiliig der Lüszläschen Farblichkmusili: „Zugrunde liegt
jene bereiks wissenschaftlich als nichk haltbar
erwiesene Anschauung, es gebe in der musikalischen
Vorstellung des Menschen Verbindungen der Töne
mik Farben, Veziehungen, die alle Menschen ge-
meinsam empfinden." Ahgesehen von der osfen-
baren Berwechslung von „Borstellung" und „Emp-
sindung", sei zunächst vorweg genommen, dajz es um
den wisienschafklichen Nachweis weik günstiger stehk,
ja, dasz er keilweise sogar schon erbracht isk,
wie es der 1. Kongres; für „Farbe-Ton-
Forschung", der im März 1n 'Hamburg tagte,
ergeben hak.

Wlr werden uns hier Indessen nicht mik der wis-
senschaftlichen Seite dieses hochinkeressanken Pro-
blenis zu befasien haben, mit dem sich bereits Män-
ner wle Goethe, Newkon, Nousseau und die Roman-

hlbeck - Schwerln

tiker eingehend beschäfkigken, als vielmehr mik der
Bedeutung, die es in künsklerischer und kunskerziehe-
rischer Ainsicht hak. Es wird noch eine weikere
Einschränkung nökig sein: Die Fähigkelk des kaksäch-
lichen, einwandfrei nachgewiesenen sog. „Farben-
hörens" (in den seik 2 siahrhunderken etwa 800 vor-
liegenden Abhandlungen vielfach als „audition colo-
ree" bezeichnek) auszuschalken und zunächsk die ge-
fühlsmähige Zuordnung von Farben zu
Tönen zu belrachken. Daß wlr es hier mik einer in
der Tat allgemein-menschlichen Fähigkeit zu kun
haben, skehk meines Erachtens auszer jedem Zweifel.

Schon im Sprachgebrauch begegnen wir häufig
soläzen Zuordnungen. Man svricht von einem
„schmekkernden Rok" oder „knailendem Gelb" und
umgekehrk von „dunklem Alt" oder „hellem So-
pran", Gerade diese leszken Prädikake wirken so
selbskverskändlich, daß man nicht darauf achkek, wie
hier speziflsche Merkmale aus der opiischen Welt
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