Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Der deutsche Architektentag in Dresden.

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Der deutsche Architektentag in Dresden.

—s. Jn den ersten Tagen des September fand
in Dresden die 3. G eneralversammlung des Ver-
bandes dentscher Architekten- und Jngenieur-
Vereine statt. Dieselbe war von gegen 600 Theil-
nehmern aus allen Gauen Deutschlands besucht; doch
hatte ntan auf noch mehr gerechnet. Durch das freund-
liche Entgegenkommen der königlichen und städtischen
Behörden, wie namentlich auch durch die 'glücklichen
Arrangements des Lokal-Komits'S, wurde den Gästen
der Aufenthalt in Dresden möglichst angenehm und
nutzbringend gemacht.

Der Generalversammlung gingen am 30. und
31. Aug. die Berathungen der Delegirtcn des Verbandes
voraus. Es hatten sich hierzu von 18 Vereinen 32
Abgeordnete eingefunden, welche den Geh. Regierungs-
rath Funk aus Köln zum Vorsitzenden wählten. Die
Hauptgegenstnnde der Verhandlung waren: Die Dauer
der Eisenkonstruktionen, insbesondere der eisernen Brücken.
Kosten der Binnenschifffahrt. Einheitliche Bezeichnung
mathematisch - technischer Größen. Aufstellung einer
Statistik des Bauwesens. Publikation bedeutender
Bauten. Baurechtliche Bestimmungen über Hochbauten.
Haftpflicht bauleitender Techniker. Vereinigung der
Jnteressen von Communication und Landeskultnr. Be-
zeichnung metrischer Maße und Gewichte beim privaten
Verkehr. Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale
des deutschen Reiches. Honorirung technischer Sach-
verständiger. Prüfungsanstalten und Versuchsstationen
für Eisen, Stahl und Baumaterialien im Allgemeinen.
Transportmethoden bei der Canalschifffahrt. Aufstellung
von Normalprofilen sür Walzeisen. — Die Ergebnisse
dieser Verhandlungen werden in dem Organe des Ver-
bandes, der „Deutschen Bauzeitung" zum Abdruck ge-
langen. Noch wurde mitgetheilt, daß der Verband znr
Zeit 25 Bereine mit 6 >35 Mitgliedern nmfaßt. Für
die nächste Delegirten-Versammlnng wurde Heidelberg
gewählt und die Geschäftsführung dem mittelrheinischen
Architekten- und Jngenieur-Verein übertragcn.

Die zur Generalversammlung eingetroffenen Gäste
wurden am Abend des 1. Sept. im festlich geschmückten
Belvedere der Brühl'schen Terrasse von ihren Dresdener
Collegen bewillkommnet. Am Morgen des darauf-
folgenden Tages sand in der Aula des Polytechniknms
die erste Plenarsitzung statt, welche durch die Gegen-
wart Sr. Majestät des Königs ausgezeichnet wurde.
Nach der Eröffnungsrede des Vorsitzenden, Geh. Regie-
rungSrath Böttcher (DreSden), begrüßten die Ver-
sammlung noch im Auftrage des Finanzministerinms
Geh. Finanzrath Köpcke und im Namen der Stadt
Dresden Oberbürgermeister Or. Stübel, worauf Bau-
rath Lipsius aus Leipzig einen trefflichen Vortrag über

die ästhetische Behandlung des Eisens im Hochbau hielt.
Den Schlnß dieses ersten Versammlungstages bildete
am Abend ein Kellerfest im Waldschlößchen. Die großen
Kellerräume dieses beriihmten Bierlokals waren mit
grünen Reisern, mit Fahnen und Wappen und humo-
ristischen Malereien phantastisch geschmückt, nnd ebenso
fehlte es, zur Erhöhung der Feststimmung, nicht an
Musik und Gesang.und allerhand Lazzi's.

Der 3. September war den Abtheilungs-Sitzungen
gewidmet. Jn der Abtheilung für Hochbau hielt
Architekt Gurlitt (Dresden) einen Vortrag über den
Einfluß der Renaissnnce auf die deutschen Steinmetz-
hütten. Diesem folgte im Anschlusse an den in der
ersten Plenarsitzung gehaltenen Vortrag des Bauraths
Lipsius eine Discussion über die Verwendung des Eisens.
Jn der Abtheilung für Jngenieurwesen wurden drei
Vorträge gehalten. Zunächst sprach Regierungsrath
Wernekinck (Charlottenburg) über Anlage und Trans-
portmethoden von Wasserstraßen, wie Kosten der Binnen-
schifffahrt, die, mit anderen Transportmitteln verglichen,
in Deutschland noch wesentlicher Verbesserung bedürfe.
Sodann berichtete Bezirksingenieur vr. Fritzsche (Dres-
den) Uber die gemachten Erfahrungen bezüglich der
Dauer der Eisenkonstruktionen. Jn einem dritten Vor-
trag endlich erörterte Civilingenieur Scharowsky
(Dresden) noch die wichtige Frage wegen Aufstellung
von Normalprofilen für Walzeisen. Die Bildung einer
Abtheilung für Maschinenwesen war, aus Mangel an
Theilnehmern, nicht gelungen. Am folgenden Tage
Wurde bereits früh 8 Uhr die Arbeit in den Abthei-
lungen wieder aufgenommen. Jn der Abtheilung für
Hochbau referirte Maschinenfabrikbesitzer Friedrich (Plag-
witz-Leipzig) über DesinfectionSanlagen für Privat- und
öffentliche Gebäude; während in der Abtheilung fiir
Jngenieurivesen Gsh. Finanzrath Köpcke (Dresdens einen
interessanten Vortrag über Messungen von Bewegungen
an Bauwerken unter Vorführung der dazu erforderlichen
Jnstrumente hielt und Oberingenieur Kitzler (Dresden)
über das Princip des Zahnradbetriebes sprach und zwar
in Anweudung auf die Ersteigung des Erzgebirges von
böhmischer Seite. Den genannten Vorträgen folgten
in bciden Abtheilnngen noch verschiedene Referate. Jn
der Mittagsstunde desselben Tages fand die zweite
Plenar- nnd Schlußsitzung statt, welchcr Finanzminister
v. Könneritz beiwohnte.

Die Zeit vor nnd nach den Sitzungen wurde von
den Theilnehmern der Versammlung fleißig zum Be-
suche der Sammlungen, wie namentlich anch zur Be-
nutzung der hervorragendsten indnstriellen Etablissements
und Bauwerke benutzt; wozu das als Festschrift ver-
theilte Werk: „Die Bauten von Dresden", sich als
zweckentsprechender Führer erwies. Ein näheres Ein-
gehen auf dieses instruktive und trefflich ausgestattete
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