Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Iahrgang.

Nr. 6.

Beiträge

2(. November

Insorate

ü 25 j)f. für die drei
Mal gespaltc-ne j?etit-
zeile werden von jeder
Buch- u.Aunsthandlnng

t878.

Beiblätt zur Zeitschrift für bildende Kunft.

Erscheint von September bis )uli jede woche arn Donnerstag, von Iuli bis September alle hq. Tage, für die Abonnenten der „Zeitschrift für
bildende Aunst" gratis; für sich allein bezogen kostet der Iahrgang A^Mark^ sowohl im Buchhandel als auch bei den deutschen

prds Neuer Aatalog der Berliner Gemäldegalerie. —A. A. Schwerdgeburth -s. — Münchener Akademie. — Ronkurrenz-

entwürfe für die plastische Dekoration der deutschen Reichsbank. — Runstgewerbliche Lokalausstellungen im Iahre H879- — A. v. Humboldt-
Denkmal für St. Louis. ; Or. Otte; Oberbaurath Lr. Schmidt; Gelnhausen; Marburg. — Auktionspreise. — L^eliochromographie. —
Aeitschriften. — Inserate.

Die antike Aunst auf den: Trocadero.

(Fortsetzung.)

Für das große Publikum, welches den Kunst-
werth der Bronzen im Allgemeinen nicht ermessen
kann, bilden die tanagräischen und die ähnlichen
Terracottafiguren kleinasiatischen Fundvrtes
den Hauptanziehungspunkt der antiken Abtheilung.
Dies ist auch nicht anders möglich, wenn man,
ganz abgesehen von dem für die weitesten Kreise be-
stechenden Reize der darin behandelten Motive, nur
die nunisrische Reichhaltigkeit dieser Abtheilung in's
Auge faßt. Um von derselben einen Begriff zu geben,
führen wir an, daß der Schaukasten Camille Lecuyer's,
allerdings der reichste von allen, 124 Statuetten und
kaum weniger Köpfe enthält, daß aber das in diesem
Genre außerdem Ausgestellte diesc Zahlen um das
Drei- nnd Vierfache übertrifft. Die Lecuyer'sche
Sammlung ist nicht nur der Zahl, sondern auch der
Auswahl nach die hervorragendste. Jhr Reichthum
an Darstellungen scheint ebcnso unerschvpflich, wie die
Vorzüglichkeit der einzelnen Exemplare bewnnderns-
werth. Jch greife nur einzelnes Prägnante aus der
Masse heraus: eine sitzende bekleidcte Frau, dem Liebes-
gott, den sie mit einem Arm umfängt, eine Eichel
zeigend; eine andere Frau, auf eineni Felsstück ruhend
und eine auf ihrem Knie sitzende Taube fütternd; eine
auf das eine Knie niedergehockte Knöchelspielerin, mit
herrlichen Gewandmotiven; eine majestätische Frauen-
gestalt (aus Pagae), die das Himation mit der
crhobenen Linken iiber die Schulter hervorzieht, wäh-
rend ihr der PeploS bei dieser Bewegnng vvm Busen

glcitet, wobei sich cine Reihe der edelsten Gewand-
motive wie von selbst entwickeln; mehrere Ball wer-
fende und auffangende weibliche Gestalten, in wech-
felnden Lagen dasitzend; ein Mädchen, das eiligen
Schrittes, ein zweites auf dem Rücken tragend, vor-
schreitet (aus Korinth) von größter Natürlichkeit; eine
Folge Vvn Amoretten, ballwerfend, Vögel kaufend und
fliegen lassend u. s. w., der schönste daruntcr ein ganz
kleines Figürchen, ein lauteschlagender Eros in einen
Kapuzenmantel gehüllt, aus dem beide Flügel köstlich
naiv hervorragen, von ganz besonderer Schärfe im
Gesichtsausdruck; ein anderer (aus Thisbe) im vollen
Lauf mit langhinwallendem Mantel; eine Doppelflöten-
bläserin (Athen); eine Aphrodite Anadyomene, reizend
in eine Muschel hineinkomponirt, deren Schalen oben
ein Liebesgvtt auseinanderhält; ein Apollon Musagetes
(aus Thisbe), eine der wenigen Figürchen, die bei dem
Verbrennen auf dem Scheiterhaufen einen rußigen An-
flug bekommen haben; eine ganze Reihe von Silenen,
einer davon eine meisterhaste Groteskfigur, den kleinen
Dionysos, der sich ungezogen auf seinem Schooße hin-
und herwirft, beruhigend, ein zweiter aus dem geliebten
noch vollen Weinschlauch ruhend, selig im Vorgefühle
kommcnden Genußes; ein halbnackter Jüngling, den
Kranz im Haar, das Salbgefäß in der einen, ein
entrolltes Perganient in der anderen Hand, mit herr-
lichster Gewandung; cin alter Sklave, köstlich charak-
terisirt, seinem Herrn Salbgefäß, Striegel und Faust-
handschuhe in das Gymnasion nachtragend. Ein wahrcs
Juwel der Sammlung ist ein kleiner (etwa 3 Centi-
meter hoher) weiblicher Kopf mit Perlenohrgehäiigc,
vvllständig unbcrührt, die Bemalnng sehr schön erhal-
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