Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Iahrgarig.

Beiträge

sind an j?rof. Dr. L. oon
tützow (Wien, There-
sianumgasse 25) oder an
die verlagshandlung in

HZ. F>.'bruar

Nr. H8.

Inserate

ü 25 j?f. für die drei
!Nal gespaltene j?etit-
zeile werden von jeder
Buch- u.Runsthandlung
angenonimen.

s87Y.

Beiblätt zur Zeitschrift für bildende Kunft.

Lrscheint von September bis Iuli jede woche am Donnerstag, von Iuli bis September alle ^ Tage, für die Abonnenten der „Zeitschrift sür
bildende Runst" gratis; für stch allein bezogen kostet der Iahrgang 9 Mark sowohl im Buchhandel als auch bei den deutschen

und österreichischen s)ostanstalten.

Inhalt: Französische Illustrationsliteratur. — Fr. Ld. Meyerheim f. — s)"blikation über das wiener Belvedere. — Internationale Runst-Aus-
stellung zu München. — Archäologische Gesellschast in Berlin; Die silberne Hochzeit des österreichischen Raiserpaares. — Zeitschristen.
— Gingesandt. — Inserate.

Frauzösische Illustrationsliteratiir.

Die dleusahrSzeit ist der Leuz des franzvsischcn
Biicheruiarktes. Da sproßt und keiiut es, regt und
riilirt cs sich überall uud eine Auslese des Schönsten
und Besten zieht als Weihefrichling iu die Fremde.
Bei uns sindet vorzüglich die Jllustratiousliteratur
Auklang, dcren Prachtausgabeu sich auf den Biicher-
tische» einzubürgcrn bcginneu, während Auerbach's Von
Vautier illustrirtes „Barfüßele" dagegen zu unseren
tsiachbaru gewandert ist. Wenu der Deutsche das
trauliche Weihnachtsfest im Familienkreise feiert, sv
hält dcr Pariser dafür den offiziellen Neujahrstag,
wo dic Damen des Hauses im Salvn sitzen und ncben
dcn Glückwünschcn der HauSfrcunde und Verwandten
die kostbaren Bonbonspendcn in Empfang nehmeu,
dercn Darbringung die gute Sitte zum Gesetze er-
hvben hat. Sowohl der behäbige Junggeselle, eine be-
svnders zahlreich vertretene Klasse, als auch der jugend-
liche Volontär, sein zukünftiger Nachfolger, müssen
sich ihm bcugen; doch macht sich in den letzten Jahren
ein Umschwung in der Art der Gaben geltend. Mit
jeder Saison hatten Boissier und seine Genossen ihren
zierlichen Leckerbissen elegantere nnd kostbarerc äußere
Hüllen geschaffcn; bald waren es hellfarbigc Mvirse-
beutel mit Goldlettern und Goldfranzen, bald atlas-
gefütterten Schmuckkästchen nicht nnähnliche Behälter,
nnd die Preise stiegen in demselben Verhältnisse, wie
dieser thörichte Lurus, bis die Känfer ungeduldig
wurden und ein schönes Bnch vorzogen. Seitdem hat
das Bonbonfieber abgenommen, das illustrirte Pracht-
werk ist Modeartikel sür die slrsnnss geworden, und

die Verlegcr kommen der neuen Strömung gern ent-
gegen. Zwar ist das goldene Zeitalter dcr Kupfer-
stecherkunst in Frankreich mit der Epoche eines Fran-
yois de Poilly und eines Robert Nanteuil, eines
Antoine Massvn und eines Gerard Edelinck, welche
ihren letzten Auslänfer in den beiden Drevet fand,
dahin, nnd auch ihr Epigone Calamatta, dcr seinem
Stiche von Jngres „Gelübde Ludwig's XIII." sieben
Jahre Ividmete, ist in die Gruft gesunken. Nnr we-
nige Säulen der vergangenen Pracht, ein Henriguel
Dupout, Fran^ois, dann manche tüchtigen Radirer, ein
Flameng, Gaillard, Jagueniart n. A., stehen noch auf-
recht. Jm großcn Ganzen aber befindet sich die graphische
Kunst und dic Jllustrationsliteratur der Franzosen
auf keincm gntcn Wege, die Ueberproduktivn hat die
svrgfältig ansgeführte Radirung und den gediegenen
Holzschnitt immer mehr zurückgedrängt und dic Ueber-
handnahme der Helio- und Zinkographie begünstigt.
Dieser Abstand zwischen sonst nnd jetzt tritt unS in
den Jllnstrationcn der großen Pariser Kunstblätter
scharf nnd schneidend entgegen. Die Kraft der nieder-
ländischen und deutschen Genossen war den Franzvsen
niemals eigen; aber dafllr waren sie die Ersten, wo
es Eleganz, Anmnth und Mildc auszudrücken galt.
Schade, daß die moderne Schnle den alten Tradi-
tionen nicht die Treue zu bewahren Ivußte und am
liebsten dem Barockstile mit seinen ivildcn tNanieren
huldigt.

Angesichts dieser Verhältnisse frent es uns doppelt,
unter der Fülle der Novitäten dieses Jahres auf
einige wirklich treffliche Werke hinweiseu zu können.
An ihrer Spitze stehen die Erzengnisse der rühmlich
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