Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Römische Monumente nus Neümagen.

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züglichste ist ein ganz kleiner (ettva 3 Centimeter hoher)
Herakleskopf, von energischster Modellirung, nächst
ihm ein Prächtiger Hermeskopf, der größte der Reihe
settva 8 Centimeter) und der formvollendetste detaillir-
teste, alS wäre er in Marmor gemeißelt; danu ein
Pendant eines Athena- und eines Athleten-Kvpfes, ein
Aphroditenköpfchen, graziös zur Seite geneigt, und eine
lachende Satyrmaske, chargirt aber meisterhaft, endlich
drei fast völlig verschleierte Demeter- (?) Köpfe von
einfachem, gehaltenem Ausdruck.

Leider muß ich darauf verzichten, die Münzsannn-
lnngen von Bar. Hirsch (Süditalien, Thrakien, Aeolien,
Mysien), Paravey (Sicilien und Macedonien), die
Cameen und Jntaglien der de Montigny'schen Aus-
stellung (davon etwa 150 antike), die Lemns'schen Gold-
schmuckarbeiten aus dem kimmerischen Bospvrus, so-
wie die mehr oder weniger reichhaltigen Sannnlungen
antiker Gläser, Glasgefäße, Glasemails und Glas-
cameen, vor allem I. Grsan's (Cypern), dann Bellon's
der Fürstin Czartvryszki nnd der Grafen Dzialinski
nüher zu besprechen, muß es auch mit der bloßen Er-
wähmmg der Andrs'schen gerippten Glasschüssel in Jas-
pisimitation, eines Unicums an Schönheit des Fabrikats
nnd der Erhaltung, genügen lassen, um noch für einen
flüchtigen Ueberblick der römischen Kunst Raum zu
gewinnen. C. ». Fabriczy.

(Schluß folgt.)

Rönnsche Monumente aus Neunragen.

Unter diesem Titel bringt die Köln. Zeitg. aus
der Feder Ur. Felix Hettner's über die neuesten Funde
in Neumagen einen interessanten Bericht, welchen wir
im Nachfolgenden reproduciren:

„Jn Neumagen an der Mosel ist ini Verlaufe
des-vergangenen Jahres ein Fund römischer Stein-
skulpturen von hervorragender Bedeutung gemacht wor-
den, welcher jetzt für das Provincialmuseum in
Trier erworben ist und in demselben zwei große Säle
anfüllt. Nicht nur die Anzahl und Größe der zu
Tage geförderten Monumente, deien Gesammtgewicht
etwa 2000 Centner beträgt, lassen alle anderen bis
jetzt in Dentschland gemachten Funde dieser Art weit
hinter sich, sondern auch die Kunstfertigkeit, mit welcher
die meisten dieser Sknlpturen behandelt sind, setzt die
Lleumagener Dtonumente über die Masse der Pro-
dukte der rheinischen Steinmetzen, welche als Votiv-
und Militärgrabsteine die rheinischen Museen anfüllen.
Der Hauptwerth dieses Fundes besteht jedoch in der
großen Anzahl auS dem täglichen Leben gegriffener
Darstellungen, welche sowohl im Allgemeinen unsere
Kenntniß antiken Lebens erweitern und ini Besonderen

uns einen Einblick gestatten in den Handel und Wan-
del der Bewohner Neumagens zu römischer Zeit.

Selten wohl ist ein so werthvoller Schatz niühe-
lvser gehoben worden. Als man eine Schiefermauer,
den letzten sichtbaren Rest einer mittelalterlichen Burg,
abbrach, stieß man in den Fundamenten auf ein rö-
misches Relief. Bald zeigte es sich, daß die ganze Burg
mit römischen Monumenten fundamentirt war.

Es ist ein sür uns unbegreislicher Vandalismus,
mit dem das Mittelalter die großen Römerbauten zer-
störte, um sie als Baumaterial in die Erde zu ver-
senken. Und dennoch verdanken wir der Zerstörnng
dieser Monumente ihre Erhaltung. An der Jgeler-
Säule, welche, für ein Heiligenbild gehalten, der Zer-
trümmerung durch Menschenhand entging, hat der
Regen und Frost der Jahrhunderte fast alle Darstel-
lungen bis zur Unkenntlichkeit verlöscht. Die Neu-
magener Skulpturen dagegen sind so erhalten, als
kämen sie eben aus der Werkstätte des Steinmetzen und
des Malers. Fast aüe prangten bei ihrer Auffindung
noch im vollen Farbenschmucke.

Ueber das römischs Noviomagus ist uns von den
alten Schriftstellern wenig überliefert. Am bekanntesten
sind die Worte Auson's:

Ut tanclsm xrimis UslAurum oonsxieor oris

I7ivoms,Aum, äivi oastrg, iuol^ta Loustantim.

Und so behauptete man denn natürlich anfänglich,
daß die anfgefundenen Alterthümer Reste des Con-
stantinischen Baues seien. Aber es lehren die Dar-
stellungen der Skulpturen, es lehren auf das unzwei-
deutigste die Jnschriften, daß, wenn nicht alle, so dvch
sicherlich die meisten Steine zu Grabmonumenten ge-
hört haben. Diese Grabdenkmäler waren von sehr ver-
schiedener Größe. Theils sind es nur einfache Jn-
schriftsteine, meist in der in der hiesigen Gegend üb-
lichen Tonnenform, theils sind es etwa zwei Meter
lange und einen Meter breite Monumente, auf deren
Vorderseite der Verstorbene in einer Nische stehend in
überlebensgroßer Gestalt dargestellt ist. Ein Monu-
ment aber kommt der Jgeler-Säule in Forni und
Gestalt nahe, wenn es derselben auch an Größe nach-
stehen mag. Seine Zusammensetzung ist bis heute
noch nicht gelungen. Es heben sich nur aus der Masse
der Neumagener Skülpturen eine Reihe heraus, die
sicherlich zu einem Monumente gehört haben müssen.
Eine Zusammensetzung erschwert den Nmstand, daß
nicht alle Stücke mehr vorhanden sind. Manche mögcn
noch in Neumagen vergraben liegen, welche weitere
Nachforschungen — hoffentlich — zn Tage fördern
werden. Aber da wir wissen, daß schvn im Ausgang
des 16. Jahrhunderts der Graf von Mansfeld, Statt-
halter von Luxemburg unter Philipp II., um seine
Gärten nach Weise der rvmischen Großen zu zieren,
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