Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Iahrgang.

Nr. -l2.

Beiträge

sind an ssrof. Dr. L. von
Lützow (wien, There-

2. ^anuar

Inserate

ü 25 j)f. für die drei
Mal gespaliene jDetil-
zeile werden von seder
Buch- u.Runschandlung

1829.

Beiblatt ^ur Zeitschrift für bildende Kunst.


Inhalt: Die Rirche zu Lorch am Rhein uud ihre Restauration. — Der Bau des Rünstlerhauses zu Dresden. — B. Mannfeld, Durch's deutsche
Land. — Fr. v. Nerly -f-; L. Beisbarth -i-; Or. wilh. «Lngelmann -f-. — Biel-Ralkhorst'sche Stiftung. — Die Renovation des Ulmer
Münster; Das Fest der deutschen Aünstler rn Rom. — Aeitschriften. — Inserate.

Die Airche zu Lorch am Rhein und ihre
Restauratiou.

Schon wieder erschallt in Zeitungen und Fach-
journalen ein nur zu berechtigter Wehruf über die
Verballhornung ciues unserer schönen Baudenkniäler
am Rheiu, der im 14. uud 15. Jahrhundert errich-
teten Kirche in Lorch, durch einen Regierungsbau-
uieister, der, ohne irgend welches Berständniß seiner
Aufgabe, seit 1874 in traurigster Weise und dazu noch
mit opulenten Staatsmitteln nach Gutdünken daran
herumlaborirte. Einem Aufsatz von dem Architekten
P. Wallot iu Nr. 85 der Deutschen Bauzeitung, sowie
einem anderen in den Nr. 118 und 119 des Nassauer
Boten entnehmen wir folgende Thatsachen. Der Staat,
dem die Baupslicht für die sehr der Restauration be-
dürftige Kirche oblag, beauftragte selbstverständlich mit
ihrer Wiederherstellung den Beamten des Regierungs-
bezirks Wiesbaden, zu welchem die Kirche gehört, Herrn
Regierungs- und Baurath Cremer daselbst. 66,000
Mark wurden ihm zur Verfügung gestcllt. Der Chor
der Kirche war so sehr auseinander geschoben, daß
selbst die sein Jnneres nach allen Seiten hin ver-
spannenden Eisenanker in Kämpferhöhe nicht mehr zu
genügen schienen; diese Anker wurden sorgfältig kon-
servirt und noch ergänzt, dafür aber fast alle Fenster,
die Dienste im Jnneren, die Quaderverkleidung des
Aeußeren erneuert. Das grazivse Renaissance-Dach-
thürmchen wurde durch einen bleiüberzogenen „schwer-
fälligen kleiueren Collegen aus dem 19. Jahrhuudert"
ersetzt. Das Jnnere des Chores tvurde von unten bis
oben mit „der Lekannten grauen Uuiversalfarbe an-

gestrichen", die Pfeiler etwas dunkler als die Wand-
slächen, welche letzteren mit „einem schönen breiten
braunen Strich eingefaßt wurden". Die Fenster wurden
mit ordinärem Glas in den üblichen Rauten verglast.
Die alten Strebepfeileraufsätze wurden durch neue,
für geschmackvoller gehaltene Fialeu ohne Krabben
ersetzt, von deren Armseligkeit der Schreiber dieser
Zeilen sich selbst noch zu überzeugen Gelegeuheit hatte.
Die Wandflächcn, die am ganzen Rhein mit einem
vorzüglichen, in der Farbe goldig braun werdeuden
Mörtelverputz übcrzogen zu werden pflegten, sind an-
statt dessen mit dem abscheulichcn Spritzbewurf in
Binger Schwarzkalk bedeckt, wie wir ihn an „gewissen
Nutzgebäudchen, bei Bahnhofsanlagen rc." zu sehen
gewohnt sind.

Soweit die Notizen aus der deutschen Bauzeitung
über die Restauration des Herrn Regierungsraths, an
welcher noch der Korrespondent des Nassauer Boten
den schönen Steinplattenboden hervorhebt, wie er in
jeder Küche zu finden ist, sowie, daß man den Chor
angestrichcn hat, ohne zu untersuchen, ob Wandmale-
reien vorhandeu wareu, die doch dem Schisfbau nicht
fehlten, um wie viel wahrscheinlicher also auch nicht
dem Chor! Neuerdiugs übertrng die Kirchengemeinde
die Nestauration des Schiffbaues der Kirche dem Ar-
chitekteu Max Meckel, der, bei dem alten Praktiküs
Statz in Köln tüchtig eingeschult, später auf den
Dombaubureaus von Mainz und Frankfurt a. M.
wciter ausgebildet und seit einer Reihe von Jahren
als selbständiger Architekt in Frankfurt a. M. thätig,
iu der gvthischm Bauweise kein Neuling war. Meckel
verfuhr bei der Restauration der Kirche rationell, ohne
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