Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Das Bismarck-Denkmal in Köln.

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gckgentlich zugegen war, haben reichlichen Erfolg gehabt.
Jn den 4—5 Tagen nach Beginn derselben hat sich
bereits ein ansehnlicher Schatz zusammengefunden, dcr
hauptsächlich ans Thongeschirr besteht; außerdem sah
ich einige Kinderthonsärge, menschliche und thierische
Fignren aus gebranntem Thon, letztere von der bekannten
rvhen Form, und einige brvnzene Uhstra, Der Werth
des kleinen so gesammelten Schatzes, den in seinem
Hause zu betrachten, mir eben der Besitzer niit großer
Liberalität gestattete, beruht auf den Gefäßen, die der
Mehrzahl nach alterthiiinlichen Stiles (schwarze Fi-
guren resp, Ornamente auf röthlich braunem Grunde)
sind, Jin Ganzen scheinen es indessen Gräber wenig
bemittelter Leute gewesen zu sein, nach der ärnilichen
Ausstattnng zn schließen, Lvn der nur einige be-
achtensiverthe Auönahmen niachen, Bisweilen fanden
sich uber Gräbern der älteren Zeit solche nus späteren,
z, Th, römischen Jahrhunderten, Das meiste ist, wie
gesagt, Mittelgut, das unsere Kenntniß der altgriechischen
Gefäßbildung nicht erweitert, einzelne Stücke indessen
beansprnchen eine besondere Aufmerksamkeit, So die
Scherben einer sogen, Panathenäischen Vase, deren
es erst wenige geben svll; — es scheint, daß die
Trninmer eine vvllständige Zusammensetzung des Ge-
fäßes ermöglichcn, Vor Allem reizte mich eine jener
Iveißen Vasen speziell attischer Technik, eine der schönsten,
die ich mich gesehen zn haben erinnere, mit einer
kteiuen, sehr graziös gemalten Gruppe, Die nahe
Abreise verhinderte mich, den Schatz im Einzelnen zu
prnsen nnd die vollständige Hebung desselben abzn-
warten, Der wohlhabende Besitzer scheint die Sachen
nicht veräußcrn zu wollen,

Von anderen Gräberfunden in der Nähe von
Patissia meldeten einige der hiesigen Zeitungen; — es
ist »>ir indessen nicht gelungen, etwas Genaueres dar-
über zu erfahreu, was die mit den hiesigen Berhält-
nissen Vertranten nicht gerade Wunder nehmen wird,
Jch benutze diese Getegenheit, nm meineni obigen
Berichte als Ergänzung hinzuzufügen, daß von den im
Asklepieion gefnndenen Votivreliefs auch in deni 2,
Bande des hier- erscheinenden „Lullotin äs Lorrsspon-
äunos ksllsnigus" dnrch Paül Girard sechs als Heliv-
gravuren veröffentlicht worden sind.

Hier in Kerkyra (so Pflegen die Neohellenen das
als Cvrfü bekannte herrliche Eiland wieder zu nennen),
wo ich meinen Bericht schließe, befindet man sich in
einem jener Erdenwinkel, wo die Natur soviel für den
Menschen gethan hat, daß ihm sast nichts mehr zu
thun übrig bleibt, Auch die übelbekannten altkorin-
thischen Kolonisten haben nur.'geringe Spuren ihrer
Thätigkeit zurückgelassen, Das kleine Museum im
Gymnasium bietet wenig: ein nettes kleines Relief aus
guter Zeit, das Todtenmahl für einen Mann ritterlichen

Standes darstellend, jedenfalls attische Arbeit: ferner
einen dvrischen Sänlenknauf sehr merkwürdiger Bildung
mit einem plastisch geformtcn Blattüberfall zwischen
Hypotrachelion und Echinus, alsv ähnlich den Formen
des sogen, Ceres-Tempels in Pästum, Ein Hexamcter
auf dem Abakus besagt, daß wir die Grabstele des
ibenvareus (v ist ein Digamma) des Sohnes des Meiris
vor nns haben,

Diese und einige andere Kleinigkeiten, ferner in
den Straßen die Spuren alter Venezianischer Herr-
lichkeit sind das Wenige, das in Hinsicht der Kunst hier
zu erwähnen iväre, Aber die Natur hat dafür gesvrgt,
daß man diesen Mangel bei kurzem Aufenthalt kaum
empfindet, B. Försler,

Das Bismarck-Denkmal in Aöln.

Durch die Enthüllung des Bismarck-Denkmals
am 1, April beging die Stadt Köln den Geburtstag
ihres großen Ehrenbürgers in würdigster Weise, Der
Tag der Enthüllung ward zum Triumphe für den
llrheber des Werkes, den Bildhauer Fritz Schaper:
das sertige Standbild entsprach den kühnsten Erwar-
tungen und präsentirte sich, trotz der geringen Aus-
dehnung des Platzes, sv vvrtheilhaft als Zierde des-
selben, dnß bei dem der Feier folgenden Festessen, — ein
charakteristisches Zeichen für die allgemeine Befriedignng
und die vorherrschsnd patriotische Stimmung, — wei-
tere 40,000 Mark für ein projektirtes Moltke-Denkmal
gezeichnet wurden,

Ein Sockel vvn röthlichem polirtem Granit trägt
in Goldlettern die in ihrer Einfachheit vielsagende
Jnschrift „Bismarck" und darüber prangt die stolze
Reckengestalt des Reichskänzlers in voller wvhlgetroffe-
ner Porträtähnlichkeit. Der Kopf mit dem gelichteten
Haare und den dichten borstigen Brauen Uber dem
unerschrockenen Auge, mit dem kurzen Schnurrbart
und dem charakterfesten Profile, ruht leicht zurück-
gebogen auf dem kräftigen Nacken; die breite Brust
umschließt die wohlbekannte Uniform, doch nicht das
Hofkleid mit den blitzenden Epauletten und den Ordens-
sternen fast aller enropäischen Nationen, sondern der
zwanglose Jnterimsrock, den auch Kaiser Wilhelm
besonders liebt, Mit der Rechten greift der Kanzler
in die Uniform, aber so, daß die ganze zur Faust
geballte Hand sichtbar bleibt und nur der Daumen
halb verschwindet; die Linke hält den Pallasch und
stützt sich darauf in der nngezwungenen Haltung des
eleganten Reiteroffiziers. Das linke Bein ist vor-
gsschoben, als lausche der Redner eben in ruhiger
Aufmerksamkeit der Antwort des Gegners, Nicht minder
getreu als die Wiedergabe der Persönlichkeit ist auch
die der Uniformstücke, Von der Stellung der Knöpfe
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