Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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56Z Todesfälle. — Kunstuntsrricht u. Kunstpflege. — Kunstgeschichtliches. — Personalnnchrichten. — Kunstvereine.

lavirt von Hobbema (Dutuit, dÄuniale), ländliche
Gebäudestaffagen darstellend. —

Noch kürzer uiüssen lvir uns über die zweihuudert-
fünfundfünfzig Blätter der französischen Schule,
insbesondere jener des 18. JahrhundertS fassen, die für
die Franzosen wohl ein begreifliches Jnteresse, für uns
aber weniger Anziehungskraft haben. Von den Künst-
lern des 16. Jahrhunderts wäre Clouet mit vier zart
und fein modellirten Porträts (d'Aumale, Farbeustift-
blätter, theilweise lasirt), worunter besonders das der
Prinzessin Jsabella, Tochter Heinrich's II. sich aus-
zeichnet, sodann die beiden Delaune's, ihrerzeit die ge-
suchtesten Goldschmiede, mit einer Neihe Entwürfen von
Goldschmiedearbeiten anzuführen. Die beiden großen
Meister des 17. Jahrhunderts, Nic. Poussin und Claude
Lorrain sind, der Erstere mit sechzehn, der Letztere init
neun Blättern repräsentirt; unter jenen sinden sich
zwei Federskizzen zur Anbetung der h. drei Könige im
Louvre, unter diesen mehrere Ansichten aus Roni,
(alles dies zumeist aus dem Kabinete d'Aumale). Der
Entwurf zur Statue einer liegenden Venus von Puget
(d'Aumale, Tusch- und Röthelzeichnung) zeigt uns die
kühne und sichere Behandlung des Meisters, wenn auch
wohl nicht ganz fest steht, was der Maler David in
eine Ecke des Blattes geschrieben: ,,Is vons snAaxs ü
ssuräsr ss ässsin. II sst aussi bsau gu'uu Uiollsl
^nAs". — Watteau ist durch sechzehn Blätter ver-
treten (zumeist de Goncourt und d'Aumale), worunter
mehrere sehr lebendige mit weiblichen Studienköpfen
in Röthel; Boucher mit einem Dutzend Blättern, dar-
unter einige reizende Mädchenköpse in Pastell, die uus
zeigen, daß selbst dieser berüchtigte Repräsentant des
18. Jahrhunderts Vortreffliches leistet, wo er nichts
anderes, als eine getreue Kopie der Natur nnstrebt;
Greuze mit neun Blatt, darunter eine Skizze des Ab-
schieds (Dutuit) uud des bestraften Sohnes (Armand)
im Louvre; Fragonard mit zweiundzwanzig Blatt, zu-
meist Genresceneu, aber auch einigen Landschaftsstudien,
die viel erfreulicher sind als jene. Auch die übrigen
Maler des Reifrockes und Zopfes, die St. Aubin,
Nattier, Latour, Vanloo, Moreau, Lepicier, Carmon-
teüe und wie sie alle sonst heißen, werden über Gebühr
reichlich vorgeführt. Den Schluß macht eine Reihe
von fünfundzwanzig Blättern von Prudhou, aus-
schließlich Schwarzstiftzeichnungen auf grauem Grnnde,
mit Weiß gehöht (zumeist d'Aumale), allegorische Kom-
positionen und Einzelgestalten, friesartig komponirte
Darstellungen der Jahreszeiten in antikisirenden Mo-
tiven, Jllustrationen zu Tasso, eine Studie, endlich,
seines Gemäldes im Louvre: Gerechtigkeit und Rache,
das Verbrechen verfolgend, — bei denen allen man
die unendliche Sorgsalt und das technischs Geschick
der Ausführung wohl bewnndern, auch der Korrektheit

der Zeichnung (mit wenigen Ausnahmen) alle Ehre geben
muß, die uns aber doch in ihrer Pseudo-antiken Manier
heute keine rechte Sympathie mehr abgewinnen können.
Paris, Mitte Mai 1879. 6. v. IV

Todesfälle.

Johann v. Schraudolph, Historienmaler, geb. 1808 zu
Obersdorf im Allgäu, ist am Mai in München gestorben.

Aunftunterricht und Aunstpsiege.

1!. Kunstpflcge iu Bayern. König Ludwig hat genshmigt,
daß aus dem budgetmäßigen Fonds fürFörderung und Pflege
der Kunst nachstehende Äeiträge geleistet werden: für die
Herstellung eines monumentalen Brunnens in der Stadt
und Festung Jngolstadt 15,000 Mk.; für die Hsrstsllung eines
Deckengemäldes in dem Vorbildersaal des neusn Gewerbe-
museums zu Kaiserslautern 15,000 Mk.; für die Ausführung
eines Altargemäldes in der katholischsn Kirche zu Arberg
2500 Mk.; sür die Vollendung der Wandgemälds in dsr
katholischen Kirche zu Friedberg 4000 Mk.; für die Herstellung
eines Glasgemäldes in der protestantischen Kirche zu Bam-
berg 1700 Mk.; für Herstellung eines Deckengemäldes in
der katholischen Kirchs zu Waidhaus 4000 Mk.; für die Er-
wsrbung des Kurzbauer'schen Gemäldes, betitelt „ländliches
Fest'", für die Staatsgaleris 8000 Mk.

Aunftgefchichtliches.

Neuentdeckte etruskische Gräberstadt. Wie die „Itulis"
meldet, hat man kürzlich eins für dis Archäologen sehr in-
teressante Entdeckung gemacht. Beim Bau einer Straße,
welche Antimo mit Montorso verbinden soll, fand man un-
wsit Poggio-Mirteto ein etruskisches Grab. welches mehrere
Amphoren und Vasen verschiedener Größe enthielt. Die
Aufsichtsbehörde hat Ursache anzunehmen, daß dieses Grab
nicht allein steht und daß sich ehemals an dieser Stelle eine
ganze Nekropols befunden hat. Das Ministerium des öffent-
lichen Unterrichts hat daher angeordnet, die Untersuchungen
fortzusetzen, da sie von Bedeutung für das Studium der
struskischen Geschichts sein können.

Aus Olympia wird berichtst: Von der Heroengestalt
zur Rechten des Apollo (vom Westgiebel des Zeustempels)
nach welcher bis jetzt vergeblich gesucht war, scheinen jetzt
die ersten Stücke zu Tage zu kommen, namentlich ein Arm-
stück, welches auf die Bsschreibung des beilschwingenden
Theseus bei Pausanias paßt. Auch ist zum ersten Male ein
Gewandstück vom Giebel gefunden, an welchem die Farbe
sich vortrefflich erhalten hat.

jDersoiialiiachrichten.

R. Der Architckt Professor Thiersch in Frankfurt a. M.,
ein Enkel des berühmten Philologen und Philhellenen, ist
als Professor an die technische Hochschule Aiünchen berufen
worden und hat diesen Ruf angenommen.

Aunstvereine.

Der Vorstand der Verbindung für historische Kunst hat
beschlossen, seine siebzehnte Hauptversammlung, welche auf
Anfang September in Kassel anberaumt war, wegen der
gleichzeitigen internationalen Ausstellung zu München am
28., 2g. und 30. August in München im Lokale des dortigen
Kunstvereins abzuhalten. Fertige Geschichts-Bilder, sofern
sie nicht in der internationalen Kunstausstellung ausgestellt
sind, sowie Skizzen und Entwürfe sind bis zum 24. August
an den Kunstverein zu München zu senden. Das Pro-
gramm zur Versammlung wird Ende Juni versandt werden.
Nähere Nachricht ertheilt der Geschäftsführer der Verbindung,
Schulrath Looff in Langensalza, bei welchem die zur Kon-
kurrenz einzusendenden Kunstwerke anzumelden sind.

Der Kuiistverein fiir Rheinland und Westsalen feiert
am 23. Juni in Düsseldorf das Fest seines 50jährigen
Bestehens. Die Enthüllung des Cornelius-Denkmals
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