Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Ausstellung von Handzeichuungeu alter Moister in Paris

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mischen Details; eine Federzeichnung Hans Memling's
(aus der Sammlung F. Didot in die L. Galichon's
übergegangen), eine jnnge Fran vor einer lceren Wiege
stehend, früher Hnbcrt van Eyck zugeschrieben und erst
durch Waagcn als Memling erlannt, endlich unter
mehreren Blättern der vlämischen Schule des 15. Jahr-
hunderts eine trefflich komponirte „Anbctung dcr Kv-
nige" (Malcolm, Feder^eichnung in Bister, lavirt) von
jener liebevoll minutiösen Ausführung des Details in
Physiognomien und Gelvändern, die den alteu Fla-
mänderu auch in ihren Bildern eigen ist.

Die deutschcn Schulcn sind fast ausschließlich
durch ihre beiden berühmtesten Meister, Dürer und
Holbein, repräsentirt. Unter den siebenundzwanzig
Blättern des Ersteren seicn angcführt: die Federzeick-
nung von „Jesus vvr Pilatus" (Dumesnil), Studie
zu ciner der Kompositionen dcr grünen Passion in der
Albertina, der lautespielende Engcl an dcr Balustrade
(Mitchell, Silberstiftblatt) gestvchen in der OuLstts äos
dsuux-urts Bd. XVI, S. 217, zwei Aquarellskizzen
vom Schlosse zu Trient und einer anderen Tiroler
Burg (Malcolm), von der venezianischen Reise her-
rührend, das Brustbild des Meisters Hieronymus, Ar-
chitckten des Fondacv dei Tedeschi (Gigoux, Tuschzeich-
nung, mit dem Pinsel weiß gehöht), ein sorgfältig aus-
geführtes Blatt vom venezianischen Aufenthalt her-
rührend, gestochen in der OmLstts äss bsuux-urts
Bd. XII, S. 267, eine Studie zum Allerheiligenbilde
des Belvedere (d'Aumale, Federzeichnung in Blau und
Bister, mit leichten Aguarelllasuren) reproducirt in der
Omsstts äss bsaux-urts Bd. VII, S. 26, das Por-
trät des Bürgermeisters Muffel (Dumesnil, Schwarz-
stift), dasjenige Lord Morley's (Mitchell, Schwarz-
stiftzeichnung auf grünem Grund), eine Studie für den
Kopf des h. Paulus der Münchener Pinakothek (Mit-
chell, Schwarzstift auf braunem Grund) und ein Bild-
niß Friedrich's des Weisen (Armand, Silberstiftzeich-
nung) gestochen in der durwtts äss bsuux-urts B.
XIX, S. 273. Von Holbein dem Aelteren ist ein
Selbstporträt (d'Aumale, Silberstift mit Röthel anf-
gehöht) und das Brustbild eines Greises mit Pelz-
mlltze (d'Aumale, Silberstift), — von Holbein dem
Jüngeren das Bildniß eines Mannes (Malcolm, Sil-
berstift) von markiger aber noch etwas schwcrer Bc-
handlung, aus der Zeit vvr dem englischen Aufent-
halte herrührend, insbesondere aber das Porträt des
Johannes Trithemius (d'Aumale, Federzeichnung in
Bister, darüber lavirt, nnd mit Röthel und Weiß ge-
höht, nur der Kopf ausgeführt) voll unmittelbar lebens-
vollen Ausdruckes, mit eigenhändiger Bezeichnung des
Meisters anzuführen; außerdem noch von M. Schon-
gauer eine liebliche Madvuna mit Kind (Mitchell,
Federzeichnüng auf rothem Grunde) vvn Hans Bal-

dung ein phantastisch cvifsirter Frauenkopf (Mitchell,
Federzeichnung in Braun und Weiß >auf rothem Grundc)
und die Federskizze einer Frau, deren Schleppe der
Tod trägt (Mitchell), endlich von Barthel Beham ein
großes männliches Brustbild (de Chennevisres, Blei-
stistzeichnung in Schwarz und Roth mit leichten Aqua-
relllasurcn) von flotter und sicherer Ausführung.

Vvn den uun folgenden Blättern der Brabanter
nnd holländischen Meister des 17. JahrhundertS sei
nur ganz flüchtig das Bedeutendste herausgehoben:
unter zehn Rubens eine Skizze des die Wundmale
empfangenden h. FranziskuS (v. Beckerath, Federzeich-
nung), Studic sür zwei Schulbilder im Museum zu
Köln und Gent, eine Skizze des Raubes der Sabine-
rinnen (d'Aumale, Farbenstiftblatt), endlich eine Röthel-
skizze dcr drei Grazien (Dumesnil) gestochen von Peter
de Jode; serner nntcr fünfzehn Van Dyck's ein Amor-
reigen (d'Aumale, Kohlen- und Kreidezeichnung), eine
Pinselskizze in Hister zum Porträt des Kardinals Ben-
tivoglio im Pal. Pitti (Dutuit); sowie Schwarzstist-
porträts von Gaspar Crayer (Dutuit), Gerhard Seg-
herS (Armand), Daniel Mytens (Lange) und Wilhelm
de Vos (Dutnit); — drei köstliche Marinen von van
Goyen mit genial hingeworfenen Staffagen (Dumesnil,
Charras), zwei feine italienische Landschaftsskizzen von
Jan Bvth (Dutuit und d'Aumale, Federzeichnungen mit
Tusch lavirt), cin halbes Dutzend Ostade'scher Wirths-
hausscenen (d'Aumale), zumeist miniaturhaft sein in
Aguarell ausgeführt; — unter dreiundzwanzig Rem-
brandt's, worunter freilich manche apokryph erscheinen:
ein prachtvoller liegender Löwe (dÄumale, Federzeich-
nung in Bister, lavirt) offenbar nach der Natur, von
überwältigender Kraft und Sicherheit der Charakteristik
und Zeichnung, jeder Strich den Meister verratheud,
—- Judas das Sündengeld den Richtern zurückgebend
(Galichon, Federzeichnung mit Tusch lavirt), gestochen
in der Ourwtts äss bsuux-urts Bd. XVI, S. 78, eine
wunderbar ausdrucksvolle Studie der Figur des Vaters
(Mitchell, Röthelzeichnung) zu der Radirung des Mei-
sters: Joseph seine Träume erzählend (Bartsch, Bd. I,
S. 40), eine scharf charakterisirende Federskizze zu einer
Gruppe von acht Figureu, die einer Predigt lauschen
(v. Beckerath, Bister), endlich ein nackter Akt zu einem
Christus an der Säule (d'Aumale, sorgfältig ausge-
sührte Federzeichnung in Bister und Tusch lavirt), ein
Gegenstand, der nach demselben Modell mehreremale
vorkommt, u. a. in der Sammlung Warwick zu Lon-
don; — drei Ruisdael's (Dutuit, Dumesnil, dÄumale),
Federzeichnungen auf Pergament mit grünen Lasuren,
Baumgruppen därstellend; drei Potters, darunter die
weidende Kuh, von rückwärts gesehen (Arago, Roth-
stift) eine Studie zu dem gleichnamigen Blatte (Bartsch
I, S. 43); endlich zwei Schwarzstiftblätter mit Tusch
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