Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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I Iahrgang.

Beiträge

7. August

Nr. ^-0.

Inserate

ü 25 j)f. für die drei
Mal gespaltene ^)etit-
zeile werden von jeder
Buch- u.Kunsthandlung
angenommen.

s87Y.

Veiblatt -zur Zeitschrift für bildende Kunst.


Inhalti Die internationale Runst-Ausstellung zu München. I. — Der Ratalog der Sammlung Richard Lisher's in Hill Top. — Die Leipziger
Runstakademie. — Aus Tirol^ — R^ths, Landschaftliche^vorlagen^für^Schul-^uno ^riva^nterricht^TH.^Ltro^mer, Nlurillo. Leben

No 41 Ver Kunstchronik erschcint mit dem 11. Hcft dcr Zeitschrift am 21. August.

Die internationale Aunst-Ausstellung
zu LNünchen.

I.

Seit dem 19. Juli ist in München die erste der
internationalen Kunst - Ausstellungen eröffnet, welche
dort fortan in regelmäßigen Zwischenräumen von fe
vier Jahren stattfinden sollen. Schon seit Monaten
bildeten Lie Ausschmiickung des Glaspalastes und die
von auswärts erwarteten Sendungen und Anmeldungen
das Tagesgespräch der Kunstkreise. Nachdem die Fran-
zosen sich erst zur Betheiligung bereit erklärt hatten,
erfolgte Anfangs Juli eine Ablehnung, welche wiederum
wenige Tage später durch die Erklärung des Kabinettes
Grevy an die bayerische Regierung, Frankreich werde
die internationale Ausstellung offieiell und privatim
beschickeu, aufgehoben ward; in Folge all dieser Wider-
sprüche waren die franzvsischen Kunstwerke im letzten
Momente nicht zur Stelle, so daß die für sie be-
stinnnten Räume am 19. Juli noch leer standen. Auch
über die ersehnten Prunkstückck, Makart's „Einzug
Karl's V. in Antwerpen", Munkacsy's „Milton seinen
Töchtern das verlorene Paradies diktirend" nnd Anselm
Feuerbach's „Titanenschlacht", sowie dessen „Medea"
waren die Verhandlungen noch nicht zum Abschlusse ge-
diehen, und Franz Lenbach war noch unentschieden, ob er
seine neuesten genialen Schöpfungen, die Porträts von
Bismarck und Moltke, ausstellen würde. Dem Komits
gebührt trotzdem volles Lob; wohl blieb seiner Thätigkeit
unter diesen Verhältnissen noch ein weites Feld offen,
aber der Fortschritt gegen 1876, ivo der auch dies Mal

zwar mangelhafte aber doch Pünktlich erschienene Ka-
talog wochenlang auf sich warten ließ und überall
Berge von Kisten den Besucher anstarrten, ist doch
ein erfreulicher.

Vor dem Glaspalaste slatterten die bayerischen
und die Reichsfarben von venetianischen Masten, und
im Jnnern hoben frische Laubgewinde die schwerfällige
Pracht der Gobelins, welche den Hauptschmuck der
zugleich als Repräsentationsraum gedachten architek-
tonisch dekorirten Borhalle bildeten. Zu den Ver-
tretern der Münchener Künstlerschaft, welche den Prinzen
Luitpold in seiner Eigenschaft als Vertreter des Königs
erwartete, hatten sich die Ehrengäste gesellt, außerhalb
des abgesperrten Raumes drängten sich die Aussteller
und die zuni Eintritte berechtigten Besitzer vvn Ehren-
karten, und auf der Tribüne über dem Haupteingange
wohnte ein bunter Damenslor der festlichen Eröffnung
bei. Da über den Verlauf derselben bereits berichtet
worden, machen wir gleich einen Rundgang durch das
Gebäude und schildern kurz die ersten Eindrücke, die
wir empfangen.

Die von Triumphbogen überragten Eingänge zu
den verschiedenen Abtheilungen münden sümmtlich in
die mit Pflanzengruppen reich ausgestattete Vorhalle,
wo die plastischen Kunstwerke zwischen dem Laubwerke
Platz gefunden haben. Professor Lindenschmit, Andr.
Müller und A. Wagner, Aug. Spieß, Lossow und
Claud. Schraudolph zun. haben die Zwickelbilder über
den Bogen, deren Ungleichheit wohl auf Rechnung der
Hast zu schreiben ist, ausgeführt. Ueber den Eingängen
praugen zwischeu Plastischen Gruppen Schilder mit
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