Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Die Ausgrabungen in Mykenä.

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Jn Florentiner Urknnden, welche G. Milanesi dem
Pariser Gelehrten mittheilte, führt derselbe den Titel
,,irms8bro äsl popolo äi 8un Uorsimo"; er ward
am 22. April 1430 in die Aste der „mus^tri äi
pistru s äi IsAimms" seiner Vaterstadt eingetragen
nnd figurirt dort bis 1479; von 1465 an erläßt man
ihm die Taxen, da er das 65. Äahr überschritten hatte.
Jn den Florentiner Aufzeichnungen sindet sich der Bei-
satz: „tu oupomus8tro äsl zmpu"; über die Jden-
tität der Person kann also kein Zweifel obwalten und
wir sind somit über eine der bedeutendsten künstlerischen
Persönlichkeiten am Hofe Papst Nikolaus V., die sick
bisher dem Auge der Forscher entzogen hatte, reicher
geworden. — Auch in Betreff des Aristoteles di
Fioravante von Bologna, des berühmten Technikers
und Theoretikers, der einen Thurni — ohne ihn ab-
zutragen — zn versetzen verstand, führt Müntz den
Beweis, daß er mit dem Titel „umsLtro" in Diensten
des Papstes Nikolaus stand.

Wir übergehen die Meister Giacomo di Cristo-
fvro da Pietrasanta und andere, für Bildhauerwerke
nnd sonstige dekorative Zwecke verwendete Küvstler
und sehen uns nach den Malern um, welche der Papst
beschäftigte. Fiesole fand Nikolans bereits in Rom,
als er den Stuhl Petri bestieg. Am 13. März 1447
(eine Woche nach fciner Wahl und sechs Tage Vvr
der Krönung) begannen die Arbeiten in der nach
Nikolaus benannten Kapelle des Vatikans'ch. Müutz
fand im Zahlungsbuch v. I. 1449 (das, beilänfig be-
merkt, so schadhaft ist, daß es dem Leser unter den
Händen zu zerfallen droht) einen Posten von 182
Dukaten für die Ausmalung des „stuäio" (Arbeits-
kabinet oder nuch vielleicht Privatkapelle?) des Papstes
„sios psr 8ulurio äi b'ru Ciovunni äu b'irsnris st
8uoi AlmrEii" sto. Man ersieht aus den Rech-
nungen, wer unter diesen „Aimr^oni" des Fiesyle zu
verstehen ist: unter Anderen Benozzo Gozzoli, der
ja den Meister auch nach Orvieto begleitete, um ihm
in der Kapelle des Doms zn helfen, wenn es während
der Sommermonate in Nom ihres Bleibens nicht war;
ferner Giovanni d'Antonio aus Florenz, Jachomo
d'Antonio aus Poli, Carlv di Ser Lazaro aus
Narni und Pietro Jachomo aus Forli. Auch für
die sonstigen, in der Kapelle ausgeführten Kunst-
arbeiten bieten die Quellen zahlreiche Nachweisungen,
aus denen man ersieht, mit welcher Prachtliebe und
zugleich mit welcher Sorgfalt für das minutivseste

") Es ist auffallend, daß die Kapelle in den Rech-
nungen wiederholt „obaxslln. cli 8. llistro" genannt wird,
während sie doch Sakramentskapelle hieß und auch nicht in
S. Peter, sondern im Vatikan sich befindet. — Müntz
weiß disse Schwierigkeit nicht zu lösen. Sollte es sich da
nicht etwa doch um zwei verschiedene Kapellen handeln?

Detail Alles in diesem kleinen Raum ausgestattet
und durchgeführt wurde. Mit dem Jahre 1450
begannen dann, aus den reichen Mitteln der Jubi-
läumsgelder, die Arbeiten in den übrigen lRäumen
des Palastes. Hier tritt, unter den nach Rom be-
rufenen llmbriern, vornehmlich Benedetto Buon-
figlio, einer der bedentendsten Vorläuser des Peruginv,
uus entgegen (Crowe und Cavalcaselle, Gesch. d. ital.
Mäl. IV, 148 ff.). Jn den Rechnungen heißt er ein-
fach „Benedetto da Perugia"; 1450 kommt er hier
zuerst vor, drei Jahre später finden wir ihn in seiner
Baterstadt, wo er dann 1454 die Wandbilder in der
Kapelle des Rathhnuses beginnt. Die von Vasari
erwähnten Malereien im Batikan fallen also vielleicht
in die Zeit zwischen 1450—53, nicht erst, wie man
meinte, unter das Pontifikat Jnnocenz' VIII. — Der
Lehrer des Niccolo Alunno, Bartolommeo di To-
mafo, tritt ebenfalls unter den von Nikolaus V. be-
fchäftigten Künstlern auf; er malte in dem „zweiteu
Saale" des Vatikans. — Endlich, um nur dieseu Eineu
noch hervorzuheben, war auch der treffliche Andrea da
C astagno in seinen letzten Lebensjahren bei den großen
römischen Unternehniungen mit betheiligt (Müntz, S.
94). — Und nicht nur alle tüchtigsten Kräfte der
Schulen Jtaliens bemühte sich der Papst in seine
Kreise zu ziehen: auch einzelne Deutsche uud Nieder-
länder finden wir theils auf den Listen der Arbeiter,
theils erscheinen sie als Gäste auf dem Boden Roms
und erregen durch ihre uaturwahren und farbenpräch-
tigen Bilder dis Bewunderung Jtaliens.

6. v. D.

(Schluß folgt)

Dis Ausgrabungen in Mykenä.

Athen, am 24. Febr. 1870.

Nächst den am Alpheios gemachten Funden hat
der immer noch so fruchtbare Boden Griechenlands
seit Langem nichts herausgegeben, was an kunst- und
knlturhistorischem Jnteresse den von Or. H. Schliemann
auf der Akropolis von Mpkenä gehobenen Schätzen
zu vergleichen wäre. Wenn ich ini Folgenden zu der
schon vorhandenen Literatur noch einige Bemerkungen
füge, so geschieht es, weil ich die Diskussion über diese
merkwürdigen Gegenstände noch als eine offene betrachte.
Nachdem es mir, Dank der Güte des Herrn vr. Ku-
manudis juii., gestattet war, das ueue Museum, das
jetzt in dem kaum vollendeten Athenischen Polytechnikum
neben dem Patissia-Museum ein pasfendes Unterkommen
gefunden hat, auf's Genaneste zn betrachten und die
einzelnen Stücke zu untersuchen, habe ich einen andern
Eindruck gewonnen, als es durch die bloßenAbbildungen
möglich war nnd die Wahrscheinlichkeit einiger ueuer
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