Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Korrespondenz,

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Klecksereien erging, Der ganze Standpunkt ist ein
anderer und höherer geworden, die Kritik legt einen
strengern Maßstab an, anch das Publikum beknndet
seinen reifern Kunstsinn in der Wahl dcr Bilder, die
es ankauft, Zwar laufen immer noch Machwerke in
der Art der eben erwähnten mit unter, aber sie geben
nicht mehr die Färbung, können nicht als Maßstab
gelten nnd werden meistens eben nur geduldet, Wenn
die diesjährige Ausstellnng auch noch keine Werke dar-
geboten hat, welche mit den Schöpfungen der be-
deutenderen europäischen Künstler wetteifern könnten,
deren viele sich hier im Privatbesitz in den Samm-
lungen reicher Kunstfreunde befinden und zuvor in der
Goupil'schen Galerie ausgestellt waren, so machte sie
doch einen recht befriedigenden Eindruck, denn anf allen
Seiten giebt sich der Fortschritt in erfreulicher Weise
knnd, Da sind denn wieder besonders die Leistungen
der jüngeren Künstler hervorzuheben, und da diese
schon bei Gelegenheit der Ansstellung der Looist^ ok
^iuorionn ^rtists mehrfach besprochen worden sind,
so bedarf es keines ausführlichen Eingehens in die
einzelnen Werke, DieLandschaften von Charles Miller,
RobertSwainGifford,Wyant, Shurtleff, George
Jnneß demJüngern, dcn beiden Hart's, T, A, Richards,
David Johnson, die venezianischen Ansichten von
Twachtmann und die Seestücke vonArthürQuartlep
würden auch in jeder enropäischen Ausstellnng Aner-
kennung finden, Eine hervorragende Stelle nehmen
Thomas und Edward M oran ein, der Erstere in der
Landschaft, der Letztere in Darstellungen der See und
des Treibens am Strande, Voll Begabung und offenen
Sinnes und Auges fllr die belebte und unbelebte
Natur, sind sie ihren eigenen Weg gegangen, Sie sind
amerikanische Künstler in jedem Sinne, denn ihre Vor-
würfe sind sämmtlich amerikanischer Natur und ameri-
kanischen Zuständen entnommen, die sie in eigenthüm-
lichcr, brillanter Behandlung wiedergeben. Eine große
Landschaft mit vielen Figuren von Th. Moran „Ponce
de Leon in Florida" ist eine schöne Darstcllung des
südlichen Urwaldes. Nicht weniger bemerkenswerth ist
ein anderes Bild „Nach deni Aufthauen", Wasser,
Strand, Wolken und Fahrzeuge- in eigenthümlichen
Duft eingehüllt, poetisch und stimmungsvoll dargestellt,
Edward Moran hat auf zwei Bildern Fischer nnd
Fischerinnen bei der Arbeit und auf der Heimkehr
äußerst lebensvoll und ansprechend veranschaulicht,
Auch „Ein stürmischer Tag im englischen Kanal" ge-
hörte zu den hervorragenden Bildern der Ausstellung,
— Unter den Porträts und Genrebildern befand sich
viel Schönes von Walter Shirlaw, Chase, Alden
Weir, Hovenden, Sargent, Twitehell und Duve-
neck, welche ihre Bildung großentheils den europäischen
Schulen verdanken, während Wood, I, G, Brown

und Eastman Johnson mit liebenswürdiger Realistik
speziell amerikanische Persvnlichkeiteu und Situationen
veranschaulichen, Die religiöse Malerei war diesmal
nur in zwei Bildern von Robert Weir und B, F.
Neinhart vertreten, die aber so schlecht ausgefallen
waren, daß man froh sein mußte, nicht mehr von
solcher Waare zn finden, zumal da auch in früheren
Ausstellungen in diesem Fach nur Berfehltes an's Licht
kam, das höchstens zum abschreckenden Beispiel dienen
konnte, — Die beiden Beard's hatten wieder mehrere
ihrcr ansprechenden Thierstücke ausgestellt, in denen sich
ihr liebevolles Eingehen anf das Wesen der Thierc in
seinen, charakteristischen Zügen bekundet,

Zwei hiesige Geschäftslente, die Herren R. E,
Moore nnd James F. Sutton, haben vor Kurzeni eine
Permanente Ausstellung der Bilder amerika-
nifcher Künstler für den Verkauf eröffnet. Das Lokal
ist überauS güustig, die Kurtz'sche Galerie auf Madison
Sguare mit einem anstoßenden Saal, in dcm auch
kunstgewerbliche Gegenstände, besonders kostbare orien-
talische Stoffe, zum Verkauf ausgestellt sind, Die
Galerie enthält an 130 Bilder der hervorragendsten
hiesigen Maler, meistens ausgewählte Werke, von dencn
manche bei dieser Gelegenheit zuerst ausgestellt worden
sind, Eine Sammlnng von Theetöpfen aller Nationen
und anderen hübschen und seltenen Sachen ist von
den Eigenthümern leihweise beigesteuert worden, und
mehr Derartiges wird erwartet, 0,

Aorrespondenz.

Ulm, im Juni 1879,

Kunstfreunde, welche unsere Stadt passiren, möchten
wnr darauf aufmcrksam machen, daß gegcnwärtig in
dem Atelier des geschickten Gemälde-Restaurateurs
Fr. Dirr ein prächtiges Altarwerk seiner Vollendung
entgegen geht, Martin Neubronner, ein reicher Bürger
von Nlm, wotlte in seiner Vaterstadt eine Stiftung
machen, wcnn ihm gestattet würde, sein Epitaphium
im Münstcr anzubringen, Weil cr aber keiu Patrizier
war, so wurde er mit seinem Gesnche abgewiesen, Jn
Blaubeuren fand er jedoch geneigtes Gehör; cr stiftete
1605 ein Kapital von 1000 fl, für die Arnien, und
sein schönes Epitaphium wurde in der dortigen Stadt-
kirche anfgestellt, Dort blieb das aus cincm Mittel-
bilde und zwei Flügeln bestehcnde Denkmal lange Zeit
nnbeachtet, bis vor wenigcn Jahren anf Antrieb
des kunstsinnigen Stadtvorstandes Sapper und des
Landeskonservators Or. Paulus beschlossen wurde, das
ganze Epitaphium renoviren zu lassen, Jn dem
Stistungsbriefe hieß es noch ganz insbesondere, daß
die „Herrn zu Blavbeuren sollche Tafel von diesem
unnserem gestiffteten Allmuosenzinßgeldt Jedesmahls,
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